Der Schritt betrifft die beiden größten Cloud-Anbieter der Welt und könnte den europäischen Markt für digitale Infrastruktur grundlegend verändern.
Siebenmonatige Untersuchung abgeschlossen
Die Brüsseler Behörde verkündete die vorläufige Entscheidung am 25. Juni 2026 nach einer siebenmonatigen Prüfung. Ausschlaggebend waren die enormen Umsätze beider Konzerne sowie die hohen Wechselkosten für Kunden. EU-Kommissarin Virkkunen betonte: „Cloud-Dienste sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft.“ Ihr Kollege Ribera ergänzte, die Bedeutung dieser Dienste werde weiter wachsen – ein fairer Wettbewerb sei daher unverzichtbar.
Die Einstufung erfolgt auf Basis des Digital Markets Act (DMA) . Dieser verpflichtet Gatekeeper unter anderem dazu, eigene Dienste nicht bevorzugt zu behandeln, die Interoperabilität mit Drittanbietern zu ermöglichen und die Datenübertragbarkeit für Nutzer zu gewährleisten.
Milliardenverluste an den Börsen
Die Entscheidung fällt in eine Zeit wachsender internationaler Kontrolle des Cloud-Sektors. In den USA weitet das Justizministerium derzeit eine Kartelluntersuchung gegen AWS, Azure und Google Cloud aus – mit Fokus auf Preisstrukturen und Exklusivverträge. Die drei Anbieter kontrollieren zusammen rund 67 Prozent des globalen Cloud-Marktes.
Die Nachricht der US-Ermittlungen ließ die Börsenwerte der Mutterkonzerne an einem einzigen Tag um insgesamt rund 180 Milliarden US-Dollar einbrechen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Jahresumsatz eines DAX-Konzerns wie der Deutschen Telekom.
Amazon und Microsoft wehren sich
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Sowohl Amazon als auch Microsoft können die vorläufigen Ergebnisse nun anfechten. Die endgültige Entscheidung der EU-Kommission wird für November 2026 erwartet.
Amazon warnte, die Regulierung könne Investitionsbarrieren schaffen. Microsoft verwies auf den wachsenden Wettbewerb durch Google Cloud als Beleg für einen dynamischen Markt. Beide Unternehmen haben das Recht, gegen eine endgültige Einstufung formell Einspruch einzulegen.
Europas Strategie für digitale Souveränität
Die Gatekeeper-Einstufung ist Teil eines größeren Vorhabens: Die EU will ihre Abhängigkeit von ausländischer Technologie verringern. Am 3. Juni 2026 schlug die Kommission den Cloud and AI Development Act (CADA) vor. Das Gesetzespaket sieht vor, die Rechenzentrums-Kapazitäten innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Zudem führt es ein vierstufiges Souveränitätsmodell für kritische Infrastruktur ein.
Die Bevölkerung unterstützt diesen Kurs. Eine aktuelle Eurobarometer-Studie zeigt: 80 Prozent der EU-Bürger wollen die Abhängigkeit von US-amerikanischer und chinesischer Technologie reduzieren. In Skandinavien ist die Zustimmung besonders hoch: In Schweden, Finnland und Dänemark liegen die Werte bei über 90 Prozent. Dänemark hat zwischen 2026 und 2029 rund 6,96 Millionen Euro bereitgestellt, um die technologische Abhängigkeit zu verringern.
Auch Großbritannien prüft den Markt
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Parallel dazu untersucht die britische Wettbewerbsbehörde CMA das Software-Ökosystem von Microsoft. Im Fokus stehen Vorwürfe restriktiver Lock-in-Praktiken. Die Open Cloud Coalition beziffert die Mehrkosten für den britischen öffentlichen Sektor auf rund 60 Millionen Pfund jährlich.
Marktdaten zufolge hält Microsoft 365 einen Anteil von 77 Prozent am SaaS-Markt. Die Ausgaben des britischen öffentlichen Sektors für Microsoft-Dienste beliefen sich im Zeitraum 2024/25 auf 1,9 Milliarden Pfund. Eine endgültige Entscheidung der CMA über einen möglichen „Strategischen Marktstatus“ für Microsoft wird für Februar 2027 erwartet.

