Gleich mehrere Großkonzerne und Start-ups haben diese Woche Systeme vorgestellt, die eigenständig Aufgaben erledigen – vom Programmieren über die Buchhaltung bis zur Lieferkettenplanung. Der Trend zur sogenannten „agentischen“ KI verspricht massive Produktivitätssprünge, stellt Unternehmen aber auch vor neue Herausforderungen.
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JetBrains und Google setzen auf eigenständige Coding-Agenten
Im Bereich der Softwareentwicklung macht JetBrains ernst. Der tschechische Entwicklertools-Spezialist hat am 27. Mai sein offenes Agentensystem offiziell in der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) gestartet. Kernstücke sind JetBrains Air, eine agentische Entwicklungsumgebung mit Multi-Agent-Orchestrierung, und Junie CLI, ein LLM-unabhängiger Code-Agent. Über JetBrains Central können Unternehmen die Systeme zentral steuern und ihre KI-Nutzung skalieren.
Parallel dazu hat Google am selben Tag Gemini Spark vorgestellt. Die persistenten Cloud-Agenten basieren auf dem Gemini 3.5 Flash Modell und der Antigravity-Plattform. Sie laufen auf virtuellen Maschinen in der Cloud und arbeiten in Google Workspace-Anwendungen weiter – selbst wenn der Nutzer seinen Laptop zuklappt. Das Abo kostet 92 Euro im Monat und integriert Dienste wie Slack, Salesforce und Notion.
Ebenfalls am 27. Mai betrat Mphasis die Bühne. Der indische IT-Dienstleister präsentierte Mphasis Tria, einen Enterprise-Agenten-Stapel aus drei Schichten: Insight für Wissensgraphen, Foresight für kausale Schlussfolgerungen und Execute für die agentische Orchestrierung.
ERP-Systeme werden intelligent: Epicor und HCLTech zeigen neue Lösungen
Die integration von KI-Agenten in Geschäftsprozesse macht rasante Fortschritte. Epicor hat am 28. Mai neue Funktionen für sein kognitives ERP-System vorgestellt, darunter die Epicor Prism Agent Foundry. Die internen Zahlen des Unternehmens sprechen für sich: Die Wissensagenten bearbeiten monatlich über 20.000 Anfragen, sparen pro Query 50 bis 55 Minuten ein und beschleunigen Routineaufgaben um 40 Prozent.
Im Finanzsektor hat HCLTech am 27. Mai eine autonome Finanzplattform auf Basis von Google Cloud Gemini Enterprise AI lanciert. Sie automatisiert aufwändige manuelle Prozesse wie Rechnungsbearbeitung, Order-to-Cash und Finanzplanung. Talkdesk wiederum brachte proaktive KI-Agenten für den Einzelhandel und Banken auf den Markt – spezialisiert auf Warenkorb-Rückgewinnung, Produktrückrufe und Kreditwachstum.
Für mittelständische Unternehmen hat OMP am 27. Mai Unison Express veröffentlicht. Die Supply-Chain-Planungslösung ersetzt veraltete Systeme und manuelle Tabellenkalkulationen durch standardisierte, KI-gesteuerte Planungszyklen.
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Ingenieurwesen im Wandel: Siemens und JuliaHub beschleunigen Simulationen
Auch die Ingenieursoftware bewegt sich in Richtung agentischer Modelle. Siemens hat am 28. Mai das Simcenter PhysicsAI-Add-on für Simcenter STAR-CCM+ vorgestellt. Es nutzt GPU-Beschleunigung, um aus physikalischen Daten reduzierte Modelle zu erstellen. Das Unternehmen verspricht Design-Explorationen, die bis zu 1.000 Mal schneller sind als herkömmliche Methoden.
JuliaHub hat am 27. Mai die allgemeine Verfügbarkeit von Dyad 3.0 bekanntgegeben. Die neue Version führt autonome Simulationsagenten ein, die komplexe physikalische Systeme verfeinern und validieren können – durch agentische Modellgenerierung und Digital-Twin-Workflows.
Produktivität neu definiert: Floatboat und Precisely automatisieren den Arbeitsalltag
Für die allgemeine Produktivität hat Floatboat am 27. Mai sein proaktives Agenten-Betriebssystem vorgestellt, unterstützt von Sequoia und Welight Capital. Das OS verbindet sich mit tausenden Anwendungen und automatisiert kalenderbasierte Aufgaben wie Meeting-Vorbereitungen und Fristenmanagement.
Precisely hat am selben Tag Google Sheets-Unterstützung zu seiner Automate Studio-Plattform hinzugefügt. Damit lassen sich SAP-Datenprozesse ohne Code ausführen – das Unternehmen verspricht eine Reduzierung des manuellen Aufwands um bis zu 90 Prozent.
Milliardenbewertung für KI-Coding-Agenten
Die finanzielle Dynamik hinter der agentischen KI zeigt sich eindrucksvoll bei Cognition AI. Das Unternehmen hat am 27. Mai mehr als 920 Millionen Euro eingesammelt – bei einer Bewertung von rund 24 Milliarden Euro. Die Zahlen sind atemberaubend: Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) stieg innerhalb von zwölf Monaten von 34 Millionen auf 452 Millionen Euro. Der Vorzeige-Coding-Agent Devin wird bereits von Goldman Sachs, Mercedes-Benz und der NASA genutzt. Noch bemerkenswerter: Devin schreibt inzwischen über 90 Prozent des internen Codes von Cognition selbst.

