Coldcard-Hack: 111 Millionen Euro Schaden durch Firmware-Fehler

Sicherheitslücke in Coldcard-Wallets ermöglicht Diebstahl von Bitcoin im Wert von über 111 Millionen US-Dollar. Experten raten zu diversifizierter Verwahrung.

Selbstverwahrung gilt als Goldstandard für Krypto-Sicherheit – doch ein millionenschwerer Hack entlarvt die Risiken. Ein Firmware-Fehler bei Coldcard, einem bekannten Hardware-Wallet-Hersteller, führte zu Diebstählen in dreistelliger Millionenhöhe. Die Debatte um die vermeintlich unfehlbare Eigenverwahrung ist neu entfacht.

Coldcard-Exploit: 111 Millionen Euro Schaden

Die Schwachstelle trat in Versionen seit März 2021 auf und betrifft die Modelle Mk3, Mk4, Mk5 und Q. Durch eine fehlerhafte Erzeugung von Zufallszahlen wiesen die generierten Sicherheitsschlüssel nur eine Stärke von 40 bis 70 Bit auf – statt der vorgesehenen 128 Bit. Das machte es Angreifern möglich, Seed-Phrasen vorherzusagen und Bitcoins zu entwenden.

Analysen von Galaxy Research bestätigen bisher den Diebstahl von mindestens 1.719 BTC, rund 111 Millionen US-Dollar. Die tatsächlichen Verluste könnten Experten zufolge jedoch 130 Millionen US-Dollar überschreiten – potenziell sind über 2.300 BTC betroffen. Auffällig: 88 Prozent der gestohlenen Gelder stammten aus Wallets, die über ein Jahr inaktiv waren. Der größte Einzelschaden belief sich auf fast 59 BTC.

Phishing bleibt die größte Gefahr

Neben Hardware-Defekten setzen Angreifer weiterhin auf klassisches Phishing. Anfang August führte eine manipulierte Werbeanzeige in einer Suchmaschine Nutzer auf eine gefälschte Trezor-Website. Ein Betroffener verlor seine gesamten Ersparnisse – die Angreifer erbeuteten 24,04 BTC.

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Die Dimension des Problems zeigt sich in Marktstatistiken: Allein im Januar 2026 gingen Kryptowerte im Wert von über 400 Millionen US-Dollar durch Diebstähle verloren. Phishing-Angriffe machten dabei mehr als 70 Prozent aus. Zusätzlich musste der BTCPay Server nach einer Meldung des Bitcoin Red Teams einen Notfall-Patch auf Version 2.4.2 veröffentlichen, um Nutzergelder zu schützen.

Die Illusion absoluter Sicherheit

Branchenvertreter warnen davor, die Selbstverwahrung als unfehlbar zu betrachten. Danny Sanders, CCO von Trezor, erklärt: Hardware-Wallets seien zwar konzeptionell sicherer als Börsen – doch das Vertrauen verschiebe sich lediglich auf die korrekte Umsetzung durch den Hersteller. Open-Source-Lösungen und Bug-Bounty-Programme könnten dieses Vertrauen überprüfbar machen, der Coldcard-Vorfall zeige aber: Selbst etablierte Werkzeuge versagen können.

Die Verunsicherung hinterlässt Spuren am Markt. In der Woche bis zum 7. August transferierten langfristige Bitcoin-Inhaber rund 210.000 BTC – der stärkste Rückgang der Bestände dieser Gruppe seit Ende 2024. Analysten werten die Bewegung als direkte Reaktion auf den Coldcard-Hack.

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Sicherheitsstrategie: Weniger ist mehr

Angesichts zunehmend professioneller Angreifer – nordkoreanische Hacker-Gruppen erbeuteten 2025 schätzungsweise über 2 Milliarden US-Dollar – empfehlen Experten eine differenzierte Verwahrungsstrategie. Statt das gesamte Vermögen in einer einzigen Eigenverwahrungslösung zu halten, sollten Nutzer nur einen kleineren Teil für den schnellen Zugriff selbst verwalten. Größere Bestände gehören zu regulierten Verwahrern oder in Lösungen mit physischer Sicherheit, etwa gewürfelter Entropie bei der Schlüsselgenerierung.

Bitcoin-Entwickler René Pickhardt beschreibt die Verantwortung der Selbstverwahrung als hoch: Eine einmal kompromittierte Firmware lasse bestehende Schlüssel nicht nachträglich reparieren. Oft bleibe nur die Migration auf eine komplett neue Wallet mit frisch generiertem Sicherheitsschlüssel – ein Prozess, den viele Anleger unterschätzen dürften.