Der Bürosoftware-Anbieter Collabora bringt eine KI-Integration, die Nutzern die Wahl des Anbieters lässt – ein Novum in der Branche.
Am 1. Juli 2026 veröffentlichte Collabora Productivity die Version 26.04 seiner Office-Suite. Die Neuerung: Ein optionaler KI-Assistent, der standardmäßig deaktiviert bleibt und Nutzern die freie Auswahl ihres Large Language Models (LLM) ermöglicht. Statt an einen proprietären Dienst gebunden zu sein, können Anwender selbst entscheiden, welchen Anbieter sie für Textgenerierung und Datenanalyse nutzen möchten.
Neue Funktionen für Writer, Calc und Impress
Die KI-Funktion erstreckt sich über alle drei Hauptmodule der Suite. Wer sie aktiviert, kann etwa in Writer Texte generieren lassen oder in Calc Datenanalysen durchführen. Die Freiheit bei der Modellwahl unterscheidet Collabora deutlich von Konkurrenzprodukten, die meist auf eigene KI-Dienste setzen.
Doch der Release bietet weit mehr als KI. Die Desktop-Anwendungen wurden auf Windows, macOS und Linux näher an die native Bedienung herangeführt. Neu sind ein Dokumentenvergleichs-Tool, eine Multi-Seiten-Ansicht und erweiterte Tabellenformate. Für Calc-Nutzer besonders relevant: Die Software unterstützt jetzt berechnete Pivot-Felder. Auch die Kompatibilität mit modernen Webformaten verbessert sich – Markdown-Import und -Export sind nun möglich.
Verfügbar ist Collabora Office 26.04 über den Microsoft Store, Snap und Flatpak.
Unterschiedliche Strategien in der Open-Source-Welt
Der Zeitpunkt des Releases ist kein Zufall. Die Open-Source-Branche durchlebt eine Welle der KI-Integration – allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen.
Wer die neue KI-Freiheit von Collabora Office 26.04 nutzen möchte, findet in diesem Leitfaden eine klare Schritt-für-Schritt-Anleitung – von der LLM-Auswahl bis zur Integration in Writer, Calc und Impress. Jetzt kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Nur einen Tag zuvor, am 30. Juni, veröffentlichte grommunio die Version 2026.06.1 seiner Kommunikationsplattform. Auch hier findet sich eine optionale KI-Komponente, die lokale oder cloudbasierte Modelle erlaubt. Zusätzlich bringt das Update Speicheroptimierungen für die gromox-Engine und erweiterte S/MIME-Unterstützung.
Ganz anders positioniert sich Proton. Der Schweizer Anbieter launchte kürzlich Proton Sheets – eine Tabellenkalkulation mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. KI und Werbung? Fehlanzeige. Das Unternehmen argumentiert, dass die verschlüsselte Architektur selbst dem Dienstanbieter den Zugriff auf Nutzerdaten verwehrt. Gleichzeitig aktualisierte Proton am 30. Juni seine KI-Engine Lumo 2.0 – mit verbesserten Reasoning-Werten von bis zu 240 Prozent für die Max-Stufe und neuen multimodalen Fähigkeiten wie Bildgenerierung und -analyse.
Enterprise-KI auf dem Vormarsch
Der Juli 2026 startet mit einer geballten Ladung KI-Ankündigungen. Zoom führte am 1. Juli agentische KI-Dienste für Zoom Spaces ein, Amazon Web Services machte WorkSpaces für KI-Agenten allgemein verfügbar. HP und OpenAI stellten gemeinsam die Frontier Enterprise AI Platform vor.
Auch die Hardware-Hersteller rüsten auf. Nvidia kündigte am 2. Juli die DGX Station for Windows an. Basierend auf der GB300 Grace Blackwell Ultra-Architektur liefert das System 20 Petaflops FP4-Leistung – gedacht als Supercomputer für den Schreibtisch. Die Auslieferung soll im vierten Quartal 2026 beginnen.
Linux und Sicherheit im Blick
Datenschutzbedenken bei Cloud-KI? Mit Collabora Office 26.04 wählen Sie Ihr LLM selbst – lokal oder cloudbasiert. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie die KI-Funktion sicher und ohne Anbieterbindung einsetzen. Sicherheits-Leitfaden jetzt sichern
Im Linux-Ökosystem bereiten sich Entwickler auf systemweite KI-Funktionen vor. Canonical-Manager deuteten an, dass Ubuntu 26.10 agentische Workflows als optionales Feature enthalten wird. Der aktuelle Release Ubuntu 26.04 LTS vom 23. April nutzt bereits den Linux-7.0-Kernel und GNOME 50. Auch die COSMIC-Desktop-Umgebung machte Fortschritte: Version 1.2 vom 30. Juni unterstützt jetzt AVIF-Bilder und bietet bessere Performance für neuere Intel-GPUs.
Doch nicht alles dreht sich um KI. Ein kritischer Sicherheitsvorfall erschütterte Ende Juni die Oracle-Welt. Am 27. Juni griffen Angreifer eine Schwachstelle im Oracle E-Business Suite Payments-Modul (CVE-2026-46817) an. Der Fehler mit einem CVSS-Score von 9,8 betraf mehrere Suite-Versionen – und das, obwohl Oracle bereits im Frühjahr ein Sicherheitsupdate bereitgestellt hatte. Zum Zeitpunkt des Angriffs waren schätzungsweise 950 Instanzen noch ungeschützt.

