Das Softwareunternehmen Collabora Productivity ist am 28. Oktober 2026 Berichten entgegengetreten, nach denen dänische Behörden den Einsatz seiner Büroanwendung aufgegeben hätten. Das Unternehmen wies Darstellungen zurück, wonach anhaltende technische Mängel den Ausschlag für einen Stopp gegeben haben sollen, und betonte, die beanstandeten Leistungs- und Funktionsprobleme seien bereits lange vor der behördlichen Evaluierung behoben worden.
Kritik an veralteten Testversionen und verzerrter Zeitlinie
Collabora Productivity erklärte am 28. Oktober 2026, dass Regierungsvertreter und Medien ungelöste Fehler sowie Leistungslücken als Begründung für die Abkehr von der Kollaborationssoftware angeführt hätten. Diese Darstellung verfehle jedoch die tatsächliche zeitliche Abfolge. Aktuelle Programmversionen wiesen kaum noch Ähnlichkeiten mit den historisch kritisierten Softwareständen auf.
Zudem hätten die dänischen Stellen bislang nicht öffentlich offengelegt, welche konkreten Versionen zu welchen Zeitpunkten überhaupt getestet worden seien. Collabora forderte vor diesem Hintergrund einen direkten Leistungsvergleich mit den neuesten Veröffentlichungen der Software.
Eine frühere Meldung des Mediums Punto Informatico aus dem Februar 2026 wies das Unternehmen ebenfalls als unzutreffend zurück. In der zweiten Phase des dänischen Testbetriebs aufgetretene Kompatibilitäts- und Funktionsprobleme – darunter Schwierigkeiten bei Dokumentenvorlagen, Formatierungen und der Änderungsverfolgung – seien vollständig auf eigene Kosten von Collabora behoben worden.
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Ursprung des Pilotprojekts und politische Debatte
Das dänische Digitalisierungsministerium hatte das Pilotprojekt im Jahr 2025 ins Leben gerufen, um im Sinne digitaler Souveränität eine Alternative zu marktbeherrschenden US-Technologieanbietern zu etablieren. Collabora Online steht im öffentlichen Sektor im direkten Wettbewerb mit Angeboten wie Microsoft 365 und Google Workspace.
In der ersten Projektphase im Jahr 2025 wurde Collabora Office erfolgreich an die behördliche Arbeitsplattform cBrain/F2 angebunden, womit ein paralleler Wechsel zwischen Collabora und Microsoft Office technisch ermöglicht wurde.
Im praktischen Einsatz zeigten sich jedoch Hürden. Ebenfalls im Jahr 2025 testeten 38 Mitarbeiter des Digitalisierungsministeriums die Software, was Medienberichten zufolge Frustration bei den Beteiligten auslöste. Im Jahr 2026 erprobten schließlich rund 40 Ministeriumsmitarbeiter die Büroanwendung im Rahmen der zweiten Phase im regulären Arbeitsalltag.
Im Frühjahr 2026 endete das Projekt im Digitalisierungsministerium im Zuge der Wahlen zum Folketing ohne eine formelle Evaluierung. Über die Hintergründe entbrannte daraufhin ein politischer Schlagabtausch: Christina Egelund äußerte in der Radiosendung P1 Morgen, die Initiative sei bereits unter der Vorgängerregierung gestoppt und von Caroline Stage nicht weiterverfolgt worden; eine Wiederaufnahme sei im Ministerium nicht vorgesehen, zumal die Unabhängigkeit von US-Technologiekonzernen nicht an einem einzelnen Projekt hänge.
Dem widersprach Stage auf dem Netzwerk LinkedIn: Sie habe kein Vorhaben eingestellt, sondern den Pilot verlängert; ein Abbruch sei nicht mit ihrer Zustimmung erfolgt.
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Behörden setzen Kooperation auf breiterer Basis fort
Ungeachtet der Reibungsverluste im Ministerium setzen dänische Behörden den Testlauf mit Collabora Office nach der Behebung der gemeldeten Probleme fort. Die Zusammenarbeit wird nun mit weiteren öffentlichen Einrichtungen wieder aufgenommen.
Auch Collabora Productivity kündigte am 28. Oktober 2026 an, die Kooperation mit dänischen Behörden sowie die Partnerschaft mit cBrain/F2 weiterzuführen, nachdem die plattformseitige Integration zuvor erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

