Angesichts steigender Anforderungen an die digitale Souveränität und den Datenschutz gewinnen europäische Open-Source-Office-Suiten zunehmend an Bedeutung. Am 24. Juli 2026 wurden fünf europäische Lösungen als tragfähige Alternativen zu den marktbeherrschenden Angeboten von Microsoft und Google hervorgehoben. Diese Entwicklung unterstreicht das Bestreben öffentlicher und privater Organisationen, Abhängigkeiten von US-amerikanischen Cloud-Anbietern zu reduzieren und die Kontrolle über sensible Daten zu stärken.
Collabora Online feiert Jubiläum mit umfassendem Funktions-Update
Ein wesentlicher Akteur in diesem Marktsegment ist Collabora Online. Das Unternehmen veröffentlichte am 23. Juli 2026 die Version 26.04 seiner Software, die zeitgleich das zehnjährige Bestehen der Lösung markiert. Seit der Einführung verzeichnete die Suite weltweit über 115 Millionen Downloads. Die neue Version führt unter anderem einen KI-Assistenten ein, der in den Modulen Writer, Calc und Impress zur Verfügung steht. Um Datenschutzstandards zu wahren, ist diese Funktion standardmäßig deaktiviert. Der Assistent unterstützt eine Vielzahl von Modellen, darunter OpenAI, Mistral AI sowie lokal gehostete Lösungen über Plattformen wie Ollama oder vLLM.
Die Textverarbeitung Writer wurde in der aktuellen Version um einen farbcodierten Dokumentenvergleich inklusive Autoren- und Zeitstempel-Angaben sowie Import- und Exportfunktionen für Markdown ergänzt. Zudem erhielt die Software eine BITV 2.0-Zertifizierung für Barrierefreiheit. In der Tabellenkalkulation Calc wurden benutzerspezifische Tabellenansichten und berechnete Felder für Pivot-Tabellen implementiert. Das Präsentationsmodul Impress verfügt nun über eine Follow-Me-Funktion, die es Zuschauern ermöglicht, dem Präsentator synchron zu folgen oder bei Bedarf zurückzuspulen. Neben einer verbesserten Interoperabilität mit OOXML-Formaten bietet Collabora die Version 26.04 sowohl als Vorabversion CODE als auch als Enterprise-Variante mit Service-Level-Agreements an.
Wartungsupdate für LibreOffice verbessert Systemstabilität
Parallel dazu wurde am 24. Juli 2026 die Version 26.2.5 von LibreOffice bereitgestellt. Das Update konzentriert sich primär auf die Fehlerbehebung und umfasst insgesamt 21 Bugfixes. Adressiert wurden unter anderem ein spezifisches Absturzproblem bei der Nutzung der Tastenkombination Shift+Enter auf dem Ziffernblock sowie Schwierigkeiten unter macOS beim gleichzeitigen Öffnen mehrerer Dateien. Die neue Version steht unmittelbar für DEB- und RPM-basierte Linux-Distributionen zur Verfügung.
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Ein weiteres Projekt im Bereich europäischer Office-Lösungen ist Euro-Office. Die entsprechende GitHub-Organisation weist mittlerweile über 6.100 Follower und 25 öffentliche Repositories auf. Zu den am häufigsten beachteten Projekten gehören der DocumentServer mit 1.651 Stars sowie Desktop-Editoren und eine Integration für Nextcloud.
Einsatz von openDesk in der öffentlichen Verwaltung
Im Bereich der öffentlichen Hand treibt das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) die Entwicklung von openDesk voran. Bisher wurden bereits über 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze mit entsprechenden Lösungen ausgestattet. In der Bundesverwaltung ist die Verbreitung noch punktuell; von den insgesamt 8.756 gemeldeten Lizenzen entfällt der Großteil mit 7.904 Einheiten auf das Robert Koch-Institut (RKI).
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Anfang des Jahres unterzogen die Deutsche Rentenversicherung und die Bundesagentur für Arbeit openDesk umfangreichen Tests für den Einsatz als Notfallarbeitsplatz. Im Rahmen des Projekts CKKI wurden Instanzen auf verschiedenen Cloud-Plattformen wie Ionos, Stackit und T-Systems geprüft. Die Ergebnisse bescheinigten der Lösung eine erfolgreiche Interoperabilität und Migrationsfähigkeit, was openDesk als tragfähige Option für Behörden qualifiziert. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die europäische 8ra-Initiative einfließen.
Praktische Erfahrungen sammelte zudem die TU Wien. Dort ersetzte die Abteilung für Datenschutz- und Dokumentenmanagement Windows durch Linux und Microsoft Office durch LibreOffice. Nach einer zweimonatigen Testphase entschied sich die Hälfte der Belegschaft für einen dauerhaften Verbleib bei den Open-Source-Lösungen. Berichten zufolge bereitet nun auch die Finanzabteilung der Universität einen entsprechenden Umstieg vor.

