Das dänische Digitalisierungsministerium hat ein Pilotprojekt zum Einsatz der LibreOffice-basierten Lösung Collabora als Alternative zu Microsoft Office gestoppt. Während Regierungskreise das Vorhaben für beendet erklären, widerspricht der Softwarehersteller Collabora dieser Darstellung und kündigt eine baldige Wiederaufnahme an.
Uneinigkeit über den Status des dänischen Pilotprojekts
Der Testlauf für die in das Fachverfahren cBrain-F2 integrierte Bürosoftware hatte am 19. Juni 2025 mit 38 Freiwilligen begonnen. Im Frühjahr 2026 brach das dänische Digitalisierungsministerium das Projekt ab und begründete dies mit den anstehenden Parlamentswahlen.
Nach Angaben des Ministeriums gab es weder eine formelle Auswertung noch Pläne für eine spätere Wiederaufnahme; zudem nutze derzeit niemand die quelloffene Alternative. Das Ministerium ging inzwischen im neu strukturierten Ministerium für Forschung, Bildung und Digitalisierung auf.
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Diesem endgültigen Aus widersprach Collabora-Geschäftsführer Michael Meeks. Der Test sei lediglich pausiert worden. Collabora plane noch vor Ende des Jahres einen Neustart mit einer neuen Gruppe von Beteiligten. Die in der Vergangenheit geäußerten technischen Schwierigkeiten seien bereits im Vorjahr behoben worden.
Debatte um digitale Souveränität in Kopenhagen
Hintergrund der Kontroverse sind Berichte über ungenutzte Finanzmittel in Millionenhöhe und die geräuschlose Einstellung des Vorhabens. Dänemarks Digitalisierungsministerin Christina Egelund äußerte im Morgenradio P1, es stelle eine Schwäche für Dänemark und ganz Europa dar, im digitalen Sektor zu stark von wenigen US-Konzernen abhängig zu sein.
Trotz des Abbruchs auf Ministeriumsebene laufen andere Initiativen im Land weiter. Bei der dänischen Behörde für Verkehrssicherheit (Danish Road Safety Authority) testen seit Dezember 2025 weniger als 10 Mitarbeiter das System SIA Open. Für Februar 2027 ist eine dritte Veröffentlichung der Software für insgesamt 166 Organisationen angekündigt.
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Behörden in den Niederlanden setzen auf Alternativen
Die Debatte über die Bindung an einzelne Softwareanbieter reicht über Dänemark hinaus. Die niederländische Steuer- und Zollbehörde verwarf unlängst ihren ursprünglichen Plan, in die öffentliche Cloud von Microsoft 365 zu wechseln.
Vorgesehen war zuvor ein Umstieg im Jahr 2025 sowie eine vollständige Bereitstellung bis Ende 2026. Stattdessen verbleibt die bestehende Microsoft-Software vorerst im Einsatz, während die Behörde auf On-Premises-Systeme und Open-Source-Lösungen umsteuert.
Ausschlaggebend für diesen Schritt waren nach Angaben der Behörde Bedenken hinsichtlich der Informationssicherheit, der Datenvertraulichkeit sowie die Vermeidung von Anbieterabhängigkeiten. Der neue Zeitplan sieht vor, E-Mail- und Kalenderdienste im Jahr 2027 lokal zu betreiben und zwischen 2027 und 2028 europäische Open-Source-Lösungen für Datenspeicherung und Zusammenarbeit einzuführen.
Parallel dazu arbeiten niederländische Stellen an einer eigenen digitalen Arbeitsumgebung auf Basis der Linux-Distribution NixOS und prüfen den weitergehenden Wechsel von Windows und proprietären Programmen zu freier Software.
Dass die Abhängigkeit von internationalen Großkonzernen den gesamten Kontinent beschäftigt, belegen auch Erhebungen aus der Branche: Einem Bericht der Linux Foundation Europe auf dem European Open Source Summit zufolge bewerten 94 Prozent der Organisationen in der Europäischen Union das Thema der digitalen Souveränität als wichtig, 61 Prozent stufen es sogar als sehr wichtig ein.

