Unternehmen in Colorado erhalten fünf Monate Aufschub, um sich auf das erste umfassende KI-Gesetz der USA vorzubereiten. Die verschärften Regeln gegen algorithmische Diskriminierung treten nun Ende Juni in Kraft.
Der US-Bundesstaat Colorado hat die Frist für die Umsetzung seines wegweisenden KI-Gesetzes verschoben. Statt am 1. Februar 2026 müssen sich Unternehmen nun bis zum 30. Juni 2026 auf die neuen Vorschriften einstellen. Diese sehen strenge Risikobewertungen und eine Sorgfaltspflicht vor, um Diskriminierung durch künstliche Intelligenz in sensiblen Lebensbereichen zu verhindern. Die Verlängerung gibt Entwicklern und Nutzern hochriskanter KI-Systeme wertvolle Zeit für die Vorbereitung.
Sonder session bringt Atempause für die Wirtschaft
Die Verschiebung wurde in einer außerordentlichen Parlamentssitzung Ende 2025 beschlossen. Grund waren Bedenken von Regierungsseite und der Wirtschaft über die Komplexität und Kosten der Umsetzung. Das Gesetz, ursprünglich im Mai 2024 unterzeichnet, macht Colorado zum Vorreiter der KI-Regulierung in den USA. Der neue Stichtag soll dem Parlament in der regulären Sitzung 2026 Gelegenheit geben, Feinjustierungen vorzunehmen.
Trotz der Fristverlängerung bleiben die Kernforderungen des Gesetzes unverändert. Sie legen sowohl für Entwickler als auch für Anwender von KI-Systemen eine rechtliche Sorgfaltspflicht fest. Ziel ist es, Verbraucher vor bekannten oder vorhersehbaren Risiken durch Voreingenommenheit der Algorithmen zu schützen.
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Was gilt als „hochriskante“ KI?
Im Fokus des Colorado AI Act stehen sogenannte „hochriskante KI-Systeme“. Diese treffen oder beeinflussen maßgeblich „folgenschwere Entscheidungen“ mit erheblichen Auswirkungen auf das Leben von Verbrauchern. Konkret nennt das Gesetz Bereiche wie:
* Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen
* Finanz- und Kreditdienstleistungen
* Essenzielle staatliche Leistungen
* Gesundheitsversorgung
* Wohnraum und Versicherungen
Zentral ist die Verhinderung von algorithmischer Diskriminierung. Damit ist jede ungerechtfertigte unterschiedliche Behandlung oder Benachteiligung aufgrund von geschützten Merkmalen wie Alter, Hautfarbe, Geschlecht oder Behinderung gemeint.
Pflicht zur umfassenden Risikobewertung
Das Herzstück der Compliance-Anforderungen sind detaillierte Risikofolgenabschätzungen für jedes eingesetzte hochriskante System. Diese Bewertungen sind mehr als eine Formalie. Sie sollen diskriminierende Risiken identifizieren und mindern, bevor Verbraucher zu Schaden kommen.
Die Abschätzungen müssen mindestens enthalten:
* Zweck, Nutzen und potenzielle Risiken des KI-Systems
* Analyse der Dateneingaben, der Systemlogik und möglicher Fehlfunktionen
* Bewertung der Leistung und möglicher Verzerrungen über verschiedene demografische Gruppen hinweg
* Beschreibung der geplanten Gegenmaßnahmen
Unternehmen sind verpflichtet, diese Bewertungen systematisch zu dokumentieren und regelmäßig zu überprüfen. Die Aufsicht obliegt ausschließlich dem Generalstaatsanwalt Colorados, der bei Verdacht auf Verstöße Einsicht in die Dokumente verlangen kann.
Blaupause für die USA und Lehre für Europa
Colorados Gesetzgebung ist Teil einer wachsenden Bewegung unter US-Bundesstaaten, die KI in Ermangelung einer bundesweiten Regelung selbst in die Hand nehmen. Der Ansatz wird oft mit der EU-KI-Verordnung verglichen, ist aber enger auf vorhersagende KI in folgenschweren Entscheidungen fokussiert.
Die nun gewonnene Zeit bis Juni 2026 gilt als wichtige Lernphase für andere Staaten. Sie zeigt die Herausforderung, Innovation und Verbraucherschutz in Einklang zu bringen. Für Unternehmen ist es ein kritisches Zeitfenster, um ihre KI-Governance zu stärken. Experten raten, die Systeme zu inventarisieren, nach Risiko zu klassifizieren und Methoden für die geforderten Bewertungen zu entwickeln.
Die Uhr tickt nun bis zur neuen Deadline. Unternehmen, die in Colorado Geschäfte machen, müssen bis zum 30. Juni 2026 ihre Risikomanagement-Richtlinien, Bewertungsverfahren und Benachrichtigungssysteme für Verbraucher betriebsbereit haben. Die Verschiebung schwächt das Gesetz nicht ab – sie setzt nur die Uhr neu. Colorados Vorstoß bleibt ein klares Signal für die Zukunft der KI-Regulierung: mehr Transparenz, Rechenschaft und Schutz für Verbraucher in einer automatisierten Welt.
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