Copilot Cowork: Microsoft führt Abrechnung nach Nutzung ein

Microsoft und Sakana AI führen verbrauchsabhängige Preise für KI-Agenten ein. Analysten sehen das Ende der Flatrate für Unternehmenssoftware nahen.

Software-Riesen setzen auf Verbrauchsmodelle: KI-Nutzung wird einzeln abgerechnet.

Die Zeiten pauschaler Flatrates für Unternehmenssoftware neigen sich dem Ende zu. Gleich zwei große Technologieanbieter stellten diese Woche auf nutzungsbasierte Bezahlmodelle um – eine direkte Folge der immensen Rechenkosten, die Künstliche Intelligenz verursacht. Microsoft führte am Dienstag mit Copilot Cowork seinen ersten KI-Agenten ein, der nach dem Pay-as-you-go-Prinzip abgerechnet wird. Parallel dazu brachte das japanische Startup Sakana AI seinen Forschungsagenten Sakana Marlin auf den Markt, ebenfalls mit Kredit-basiertem Preismodell.

Microsofts neuer KI-Agent: Copilot Cowork

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Nach einer dreimonatigen Testphase ist Microsofts KI-Assistent Copilot Cowork nun für alle verfügbar. Bereits während der Vorschau nutzten mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen das Tool zur Automatisierung komplexer Aufgaben. Ein Anwender ließ den Agenten innerhalb weniger Stunden 4.000 Dokumente vergleichen – eine Aufgabe, die menschliche Teams Tage gekostet hätte.

Doch die Rechnung dafür kommt jetzt einzeln. Microsoft führt sogenannte Copilot Credits ein. Zwar bleibt ein bestehendes Microsoft-365-Copilot-Abonnement Voraussetzung, doch jeder einzelne Task des Agenten kostet extra: ab 0,01 Euro pro Credit im Pay-as-you-go-Modell. Unternehmen können Credits auch im Voraus erwerben.

Um Kostenfallen zu vermeiden, ist der Dienst standardmäßig deaktiviert. Administratoren müssen das Tool manuell freischalten und können über ein neues Dashboard im Microsoft-365-Admin-Center Ausgabenlimits festlegen – pro Mandant, Gruppe oder sogar einzelnen Nutzer. Bestandskunden der Frontier-Stufe genießen eine Schonfrist bis zum 1. Juli 2026, danach wird die verbrauchsabhängige Abrechnung Pflicht.

Multi-Modell-Strategie und Kostenoptimierung

Aktuell arbeitet Copilot Cowork hauptsächlich mit Modellen von Anthropic – konkret Opus 4.8 und Sonnet 4.6. Microsoft verspricht dadurch Kostenvorteile von 30 bis 40 Prozent gegenüber der Nutzung von Claude Cowork mit einem Microsoft-365-Connector. Frontier-Kunden können alternativ auf GPT 5.5 zurückgreifen.

Doch Microsoft arbeitet bereits an einem eigenen Modell: Cowork 1 soll in Kürze starten. Zudem erwägt der Konzern offenbar die Integration von DeepSeek V4 als günstigere Alternative. Die chinesischen Modelle sind seit Januar 2025 über Azure AI Foundry verfügbar. Bedenken wegen Datensouveränität begegnet Microsoft durch Hosting auf der eigenen Azure-Infrastruktur.

Das Ökosystem wird durch neun Partner-Plugins von Unternehmen wie Miro, monday.com, Moody’s, LSEG und Harvey ergänzt. Ebenfalls angekündigt: eine öffentliche Vorschau des Agent Identities Asset Connector für Microsoft Sentinel zur Verbesserung von Sicherheit und Compliance.

Sakana AI bringt autonomen Forschungsagenten

Nur einen Tag zuvor, zwischen dem 15. und 16. Juni, launchte das japanische Startup Sakana AI seinen Agenten Sakana Marlin. Das Tool richtet sich an Finanz-, Strategie- und Beratungsteams und kann bis zu acht Stunden an einer einzigen Aufgabe arbeiten.

Marlin erstellt umfassende Berichte von bis zu 100 Seiten inklusive passender Präsentationsfolien. Technisch basiert der Agent auf AB-MCTS und dem System „The AI Scientist“. Auch Sakana AI setzt auf ein Pay-as-you-go-Modell – die Credits starten bei umgerechnet etwa 0,60 Euro pro Stück. Das Unternehmen betont, dass Nutzerdaten nicht für das Modelltraining verwendet werden.

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Branchentrend: Abschied von der Flatrate

Die zeitgleichen Ankündigungen von Microsoft und Sakana AI sind kein Zufall. Analysten beobachten, dass traditionelle Flatrate-Modelle für rechenintensive KI-Anwendungen zunehmend unwirtschaftlich werden. Sowohl GitHub als auch Anthropic sind in den vergangenen Monaten auf ähnliche verbrauchsabhängige Abrechnungen umgestiegen.

Für Microsoft-Partner gibt es eine weitere wichtige Nachricht: Am 1. Juli 2026 steigen die Preise für Microsoft 365 – zeitgleich mit dem Ende der Schonfrist für mehrere neue KI-Funktionen. Unternehmen sollten ihre Budgets also rechtzeitig anpassen.