Ab Juli zahlen Unternehmen pro KI-Aufgabe – der Flatrate-Traum ist vorbei.
Microsoft zieht die Zügel an: Ab dem 1. Juli 2026 müssen Firmen für jeden automatisierten Hintergrundprozess ihres KI-Assistenten Copilot Cowork bezahlen. Wer bis zum heutigen Dienstag keine nutzungsbasierte Abrechnung aktiviert hat, riskiert den Zugriffsverlust. Das Ende der Pauschalpreise für schwere KI-Arbeitslasten ist besiegelt.
Das neue Bezahlsystem: Copilot Credits als digitale Währung
Statt einer monatlichen Flatrate führt Microsoft ein Credit-System ein. Jede komplexe Hintergrundaufgabe von Cowork kostet einen Copilot Credit – zum Listenpreis von einem Cent pro Einheit. Die Credits werden mandantenweit gebündelt und stehen auch für Copilot Studio, Dynamics 365 und die Power Platform zur Verfügung.
Unternehmen haben zwei Optionen: den flexiblen Pay-as-you-go-Tarif oder den Pre-Purchase-Plan mit Rabatten zwischen fünf und 20 Prozent. Die Credits lassen sich zudem auf den Microsoft Azure Consumption Commitment (MACC) und das Cloud Solution Provider-Programm anrechnen. Ein spezieller Befehl zeigt den Verbrauch einzelner Tasks in Echtzeit an.
Bis zum 1. November 2026 müssen Firmen zudem mit dem Auslaufen der AI Builder-Credits rechnen – auch hier steht ein Systemwechsel bevor.
Partner-Zertifizierung und Großkunden steigen ein
Die technischen Anforderungen für die Einführung steigen. Erst am Montag erhielt Liquid Intelligent Technologies Zimbabwe die Microsoft Copilot Specialization – ein Nachweis für Expertise bei Planung und Management von Copilot-Installationen in Unternehmen.
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Parallel dazu treiben Großkonzerne die Einführung voran. Der britische Versicherer Legal & General schloss einen Dreijahresvertrag für Microsoft 365 Copilot ab. 10.000 Mitarbeiter weltweit sollen die KI nutzen – ein Pilotprojekt in der Retail-Sparte hatte bereits höhere Zufriedenheitswerte gebracht.
Noch beeindruckender ist die Quote beim brasilianischen Finanzdienstleister Finnet: Nach der Testphase liegt die Nutzung der Business-Version bei 95,3 Prozent. Mitarbeiter sparen demnach täglich zwischen einer und drei Stunden bei Verwaltungsaufgaben.
Technische Architektur: Copilot Cowork ist mehr als Chat
Der entscheidende Unterschied: Während der normale Copilot-Chat einzelne Anfragen bearbeitet und im Monatsabo enthalten ist, führt Cowork mehrschrittige Aufgaben im Hintergrund aus. Das erfordert deutlich mehr Rechenleistung – und jetzt eben auch mehr Geld.
Zum Start setzt Microsoft auf Anthropic Claude-Modelle, darunter Opus 4.8 und Sonnet 4.6. Doch das könnte sich bald ändern: Brancheninsider rechnen mit dem Modell „Cowork 1“, das auf DeepSeek-Architektur basieren und für leichte bis mittlere Arbeitslasten zu einem niedrigeren Preis angeboten werden soll.
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Die tiefe Integration in Microsoft 365-Daten und Cloud-Ausführung ist ein klarer Vorteil. Allerdings haben Wettbewerber weiterhin die Nase vorn bei Funktionen wie Projektgedächtnis oder geplanten Aufgaben, die außerhalb von Desktop-Anwendungen laufen.
Kartellamt ermittelt – und die EU schaut genau hin
Die Einführung läuft nicht ohne Hindernisse. Bereits am 26. Juni leitete die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM ein Verfahren gegen Microsoft ein. Vorwurf: Die Bündelung von Copilot mit Microsoft 365-Abonnements – verbunden mit undurchsichtigen Preiserhöhungen und automatischer Installation über Office-Updates.
Während die weltweite Ausrollung auf den 14. Juli zusteuert, bleiben Geräte im Europäischen Wirtschaftsraum von der Auto-Installation verschont. Die EU-Digitalmarktregulierung zeigt Wirkung.
Ausblick: Microsofts „Super App“ für den Sommer
Intern bereitet Microsoft bereits die nächste Stufe vor. Unter der Leitung der ehemaligen Snap-Manager Jacob Andreou und Peter Sellis entsteht eine „Super App“ für den Sommer 2026. Sie soll Chat, Cowork und Code in einer einheitlichen Oberfläche zusammenführen – ein klares Signal, wohin die Reise geht.

