Copilot Cowork erledigt selbstständig E-Mails, Termine und Dateiorganisation – und rechnet nach Verbrauch ab.
Microsoft hat seinen KI-Assistenten Copilot Cowork für alle Microsoft-365-Kunden freigegeben. Das System ist kein simpler Chatbot, sondern ein autonomer Agent, der komplexe Arbeitsabläufe eigenständig ausführt. Der weltweite Rollout begann Anfang der Woche, nachdem das Tool drei Monate lang in einer Testphase lief.
Während autonome Agenten wie der Copilot den Büroalltag revolutionieren, stellt die neue EU-KI-Verordnung Unternehmen vor komplexe Compliance-Herausforderungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Pflichten und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Was der Agent kann – und was nicht
Anders als herkömmliche KI-Chats arbeitet Copilot Cowork selbstständig über mehrere Anwendungen hinweg. Der Agent kann eigenmächtig E-Mails versenden, Dateien in SharePoint sortieren, Besprechungen einplanen oder Recherchen in Teams und Word durchführen. Dabei greift er auf die bestehenden Berechtigungen des Nutzers zurück – für heikle Aktionen ist jedoch eine gesonderte Freigabe nötig.
Das Besondere: Unternehmen können wählen, welches KI-Modell ihre Agenten antreibt. Zur Auswahl stehen Anthropic Opus 4.8 und Sonnet 4.6. Nutzer der teureren Frontier-Stufe erhalten Zugriff auf OpenAIs GPT-5.5. Microsoft kündigte zudem ein eigenes Modell namens „Cowork 1″ an, das in den kommenden Wochen erscheinen soll. Auch eine Integration von DeepSeek sei denkbar, hieß es.
Abrechnung nach Verbrauch – ein neues Modell
Mit Copilot Cowork führt Microsoft ein verbrauchsbasiertes Abrechnungsmodell ein – eine Abkehr von der reinen Flatrate. Voraussetzung ist eine bestehende Microsoft-365-Copilot-Lizenz, die Unternehmen rund 30 Euro pro Nutzer und Monat kostet (knapp 20 Euro für kleinere Firmen).
Darauf aufbauend werden die KI-Aufgaben über sogenannte Copilot Credits abgerechnet. Ein Credit kostet rund einen Cent. Wie viele Credits ein Auftrag verbraucht, hängt vom verwendeten KI-Modell, der Datenmenge und der Anzahl der ausgeführten Schritte ab. Microsofts internen Tests zufolge sei dieses Modell 30 bis 40 Prozent günstiger pro Anfrage als vergleichbare Plattformen der Konkurrenz.
Die zunehmende Automatisierung durch KI-Systeme bringt nicht nur Effizienz, sondern auch neue rechtliche Fragen zur Risikodokumentation und Qualitätssicherung mit sich. Erfahren Sie in diesem praxisnahen E-Book, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act jetzt sichern
Um Kostenfallen zu vermeiden, ist die Funktion standardmäßig deaktiviert. Administratoren können Ausgabenlimits pro Abteilung festlegen, Warnungen einrichten und den Verbrauch in Echtzeit überwachen. Die Abrechnung startet für die meisten Kunden sofort – Frontier-Nutzer werden ab dem 1. Juli 2026 zur Kasse gebeten.
Großkonzerne sind bereits an Bord
Schon in der Testphase nutzten über 50 Prozent der Fortune-500-Unternehmen das System. Zu den ersten Anwendern zählen Accenture, Zurich Insurance, Capital Group und Koch. Sie setzten den Agenten unter anderem für die Analyse Tausender Dateien und die Verwaltung komplexer Vertriebspipelines in Dynamics 365 ein.
Das Partnernetzwerk startet mit neun aktiven Erweiterungen, darunter Integrationen mit Miro, monday.com, Morningstar und S&P Global. Weitere Partner wie Adobe, Atlassian, Box, Canva und Databricks arbeiten bereits an eigenen Anbindungen.
Sicherheit als zentraler Baustein
Microsoft hat den Agenten in die bestehende Sicherheitsarchitektur eingebunden. Copilot Cowork unterstützt die Data-Loss-Prevention-Richtlinien von Microsoft Purview und protokolliert alle Aktionen für Compliance-Zwecke. Neue Funktionen wie die Agent Session Control in Entra ID und aktualisierte Richtlinien für den bedingten Zugriff sollen verhindern, dass übermäßig berechtigte Identitäten unerlaubte automatisierte Aktionen durchführen.
Für viele Unternehmen dürfte genau diese Frage entscheidend sein: Wie viel Autonomie gibt man einer KI, die im eigenen Namen handelt? Microsoft hat die Antwort – zumindest technisch – in die Hände der Administratoren gelegt.

