Eine neu entdeckte Schwachstelle in Microsoft Copilot für Word ermöglicht die Verbreitung selbstständig replizierender „KI-Würmer“. Das birgt enorme Risiken für Unternehmen weltweit.
Sicherheitsforscher haben eine schwerwiegende Verwundbarkeit in Microsofts KI-Assistenten Copilot für Word aufgedeckt. Der Exploit, den der Forscher Håkon Måløy am 28. und 29. Juli 2026 veröffentlichte, nutzt versteckte Anweisungen in Word-Dokumenten, um das Verhalten der KI zu kapern – und das ganz ohne klassische Schadsoftware.
Versteckte Befehle als Einfallstor
Das Problem liegt in sogenannten Prompt-Injection-Angriffen, die direkt in Dokumente eingebettet werden. Angreifer platzieren schädliche Anweisungen – oft als weiße Schrift auf weißem Hintergrund, für Menschen unsichtbar –, die Copilot manipulieren. Die KI kann dann etwa Finanzzahlen im Dokument verändern oder vertrauliche Daten abgreifen.
Besonders tückisch: Der Angriff pflanzt sich selbstständig fort. Öffnet ein Nutzer ein kompromittiertes Dokument und nutzt Copilot, kann die KI angewiesen werden, die schädlichen Prompts in jedes neue Dokument einzufügen, das sie erstellt oder bearbeitet. So entsteht eine Kettenreaktion: Der „Wurm“ verbreitet sich in der gesamten Arbeitsumgebung, sobald Dateien geteilt und bearbeitet werden – ohne dass der Angreifer nach dem ersten Dokument noch eingreifen muss.
Der Einsatz von KI-Assistenten wie Copilot bringt nicht nur technische Risiken, sondern auch neue gesetzliche Pflichten zur Risikodokumentation mit sich. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die Anforderungen der EU-KI-Verordnung rechtssicher erfüllen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
In demonstrierten Attacken nutzten die Forscher die Lücke, um sensible Finanzdaten zu manipulieren. Da der Exploit traditionelle Sicherheitsmaßnahmen umgeht, die nach ausführbarem Code oder bekannten Malware-Signaturen suchen, stellt er eine einzigartige Herausforderung für herkömmliche Data-Loss-Prevention-Systeme (DLP) und Antivirenprogramme dar.
144 Tage Wartezeit – Microsoft findet keinen Patcher
Die Offenlegung der Schwachstelle erfolgte nach einer 144-tägigen koordinierten Phase mit Microsoft, die im März 2026 begann. Die übliche Praxis für solche Offenlegungen liegt bei 90 Tagen, doch Microsoft beantragte eine Verlängerung.
Trotz des fast fünfmonatigen Zeitfensters steht eine robuste Lösung noch aus. Microsoft unternahm zwei separate Versuche, das Prompt-Injection-Risiko zu entschärfen, darunter ein Upgrade auf das GPT-5.5-Modell – beide scheiterten. Stand Mitte 2026 bleibt die Sicherheitslücke ausnutzbar, auch wenn Microsoft Richtlinien für Nutzer und Administratoren veröffentlicht hat.
Um allgemeine Sicherheitsrisiken weiter einzudämmen, kündigte Microsoft kürzlich eine neue DLP-Regel in der öffentlichen Vorschau an. Diese soll verhindern, dass Copilot externe E-Mails als Grundlage für Antworten nutzt – ein Schritt, um das Risiko von Prompt-Injections von außerhalb der Organisation zu reduzieren.
Microsofts KI-Sicherheitsoffensive
Die Enthüllung des Word-Wurms fällt mit breiteren Anstrengungen Microsofts zusammen, sein KI-gestütztes Sicherheitsportfolio zu stärken. Am 27. Juli 2026 stellte das Unternehmen MAI-Cyber-1-Flash vor, ein spezialisiertes Cybersicherheitsmodell, das frühere Versionen wie Gemini und ältere GPT-Modelle im CyberGym-Benchmark übertreffen soll. Microsoft gibt an, dass das neue Modell in internen Tests eine Erfolgsquote von 96 Prozent erreicht und die Kosten durch intelligente Aufgabenverteilung um 50 Prozent senkt.
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Zudem startet Microsoft am 3. August 2026 die öffentliche Vorschau von Project Perception. Diese agentische Sicherheitsplattform nutzt spezialisierte KI-Agenten zur Verwaltung von Schwachstellen. Während diese Werkzeuge eine bedeutende Investition in KI-Sicherheit darstellen, zeigt die Copilot-for-Word-Lücke eindrucksvoll, wie schwierig es bleibt, generative KI-Integrationen gegen grundlegende Prompt-basierte Angriffe zu schützen.
In einem weiteren Sicherheitsvorfall setzte Microsoft das KI-System Project Glasswing ein, um interne Softwarefehler zu identifizieren. Bereits im April 2026 entdeckte das System über 200 kritische und wichtige Schwachstellen in SharePoint – was zu einem massiven Patch-Release am 14. Juli führte, der mehr als 600 separate Sicherheitsprobleme im gesamten Microsoft-Ökosystem behob.

