Copilot: Nadella setzt auf günstigere KI-Modelle und erwartet Standardware

Satya Nadella setzt auf kostengünstigere KI-Modelle, während Sicherheitsanforderungen und hohe Investitionen die Margen belasten.

•

Im Gespräch mit Harry Stebbings im rund 24 Minuten langen Podcast 20VC hat Microsoft-Chef Satya Nadella am 26. Oktober 2026 die künftige Ausrichtung des Technologiekonzerns bei künstlicher Intelligenz erläutert.

Nach Nadellas Einschätzung werde die Token-Nutzung künftig überwiegend zu einer austauschbaren Standardware werden. Beim hauseigenen Assistenten Copilot setze Microsoft bereits im Alltag auf eine Mischung aus großen Mengen günstigerer Closed-Source- und Open-Source-Modelle.

Preiskampf und verändertes Marktumfeld

Nadella betonte, dass Rechenkapazität für die allermeisten Unternehmensszenarien zunehmend commoditisiert werde. Auf dem Modellmarkt herrsche derzeit ein extrem brutaler Preiskampf.

Anstelle eines allumfassenden Monopols über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg rechne er mit einer horizontalen Spezialisierung verschiedener Marktteilnehmer. Um langfristig tragfähig zu sein, müssten Trainingskosten von 100 Mrd. USD durch ein reales Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts gedeckt werden.

Zugleich beschrieb der Microsoft-Chef ein Phänomen, das er als umgekehrtes Informationsparadoxon bezeichnete: Wertvolle Interaktionsspuren von Unternehmen flössen derzeit noch kostenfrei an Modellanbieter ab.

Als zentralen Vermögenswert für Betriebe sieht Nadella künftig proprietäre, private Evaluationsbenchmarks. Auch Kundenseite reagiert auf das Kostenumfeld; so verlagerte beispielsweise Unilever die Schadensabwicklung auf das kostengünstigere Modell MAI.

Sicherheitsausrichtung erfordert Zero-Trust-Architektur

Anzeige

Während Unternehmen zunehmend auf neue Technologien setzen, stellen gesetzliche Rahmenbedingungen wie die EU-KI-Verordnung neue Anforderungen an die Compliance. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, damit Ihre IT rechtlich abgesichert ist. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Nadella revidierte zudem seine frühere Annahme, dass eine Sicherheitsausrichtung von KI-Systemen mit zunehmender Modellfähigkeit automatisch entstehe. Zwar habe die Skalierung die allgemeinen Fähigkeiten der Modelle gesteigert, das sogenannte Alignment bleibe jedoch eine eigenständige Herausforderung, die sich nicht allein durch die Skalierung von Modellparametern lösen lasse.

Unternehmen müssten in der Praxis davon ausgehen, dass Modelle grundsätzlich bereits kompromittiert sein könnten, was den Einsatz von Zero-Trust-Architekturen notwendig mache. Kritisch äußerte sich Nadella in diesem Kontext auch über nicht einsehbare Daten bei internen Denkprozessen von Modellen.

Margendruck treibt Modelloptimierung

Anzeige

Der Einsatz moderner Systeme bringt nicht nur Effizienzvorteile, sondern erfordert auch eine genaue Prüfung der damit verbundenen Risiken für den Datenschutz. Ein neuer Gratis-Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt im Blick behalten müssen. Kostenlosen Report zu neuen KI-Gesetzen anfordern

Die Konzentration auf kostengünstigere Modelle zeigt sich bei Microsoft bereits im operativen Betrieb. Durch den Einsatz eigener MAI-Modelle konnten die GPU-Kosten in einer Funktion von Dynamics 365 um 89 Prozent und in PowerPoint um bis zu 84 Prozent gesenkt werden, wie der Konzern in der Telefonkonferenz zum vierten Quartal des Geschäftsjahres berichtete.

Gleichzeitig verzeichnet das Unternehmen spürbaren Druck auf die Rentabilität. Microsofts Bruttomarge sank von 69,8 Prozent im Geschäftsjahr 2024 auf 67,9 Prozent im Geschäftsjahr 2026 für das im Juni beendete Geschäftsjahr. Für die für den 28. Oktober angekündigten Zahlen zum ersten Quartal visiert der Konzern ein Cloud-Bruttomargenziel von rund 65 Prozent an.

Parallel dazu kletterten die Investitionsausgaben von 23,9 Mrd. USD im Geschäftsjahr 2022 auf 116 Mrd. USD im Geschäftsjahr 2026, während Analysten für das Geschäftsjahr 2027 mit Ausgaben von 193,7 Mrd. USD rechnen.

Vor diesem Hintergrund passte der Konzern auch externe Verpflichtungen an und beendete den Ankervertrag für ein 50-MW-KI-Rechenzentrum des Nvidia-gestützten Anbieters Nscale in Loughton in der englischen Grafschaft Essex.