Copilot Studio: Microsoft baut autonome KI-Agenten grundlegend um

Microsoft rüstet Copilot Studio mit generativer Orchestrierung auf und treibt die Entwicklung autonomer KI-Agenten für Unternehmen massiv voran.

Aus dem einfachen Chatbot-Baukasten wird eine umfassende Plattform für selbstständig agierende KI-Agenten.

Von starren Regeln zu flexiblen Entscheidungen

Die Weichenstellung erfolgte auf der Build-2026-konferenz Anfang Juni. Microsoft hat Copilot Studio grundlegend neu ausgerichtet. Statt vordefinierten Abläufen folgen die KI-Agenten nun einer sogenannten generativen Orchestrierung. Das bedeutet: Ein großes Sprachmodell (LLM) entscheidet dynamisch, welchen Weg der Agent einschlägt – ohne starre Vorgaben.

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Fünf Säulen tragen die neue Architektur: Wissen, Werkzeuge, Themen, Auslöser und Orchestrierung. Besonders wichtig: Die Kommunikation zwischen verschiedenen Agenten (A2A) ist jetzt allgemein verfügbar. Unternehmen können mehrere spezialisierte KI-Assistenten gleichzeitig einsetzen, die eigenständig Informationen austauschen und komplexe Arbeitsabläufe erledigen.

Die Agenten lassen sich über verschiedene Kanäle nutzen – von Microsoft Teams über WhatsApp und Facebook bis hin zur Direct Line API.

Neue Fähigkeiten für die KI-Assistenten

Seit Mai 2026 können die Agenten auch direkt mit Benutzeroberflächen interagieren. Die Funktion „Computer Use“ ist nun allgemein verfügbar. Hinzu kommen über 1.500 Anschlussmöglichkeiten (Connectors), Power Automate Workflows und die Unterstützung des Model Context Protocol (MCP).

Für Unternehmen besonders relevant: Neue Analysetools erlauben es, Testfälle direkt aus historischen Daten zu generieren. Eine „Analytics Viewer“-Rolle gibt gezielten Einblick in die Leistungswerte der Agenten.

Infrastruktur für den Unternehmenseinsatz

Mit dem MCP Server schafft Microsoft die Grundlage für durchgängige Kontexte in Unternehmensanwendungen. Die Agenten behalten den Überblick, egal ob sie in Dynamics 365, SharePoint oder Business Central arbeiten. In Dynamics 365 nutzt die Copilot-Infrastruktur Dataverse als Live-Wissensquelle und kann mit einem Code-Interpreter CSV- und Excel-Dateien analysieren.

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Ein weiteres Puzzlestück: das Intelligent Terminal 0.1. Diese Open-Source-Abspaltung des Windows Terminal wurde am 2. Juni vorgestellt. Es enthält ein eigenes KI-Agenten-Fenster und basiert auf dem Agent Client Protocol (ACP). Das Terminal arbeitet mit verschiedenen KI-Umgebungen zusammen, darunter GitHub Copilot CLI, Claude Code und OpenAI Codex. Erste Tests Mitte Juni zeigten, dass es Hintergrundaufgaben und automatische Fehlererkennung bewältigt, ohne die Stabilität des Kernsystems zu beeinträchtigen.

Die MAI-Modellfamilie: Günstiger und unabhängiger

Ein zentraler Baustein der Strategie ist die hauseigene MAI-Modellfamilie. Microsoft will damit die Abhängigkeit von externen Anbietern reduzieren und gleichzeitig die Kosten drastisch senken.

MAI-Thinking-1 ist ein spezialisiertes Reasoning-Modell mit rund 35 Milliarden aktiven Parametern und einem Kontextfenster von bis zu 256.000 Tokens. Es befindet sich in der privaten Vorschau in Microsoft Foundry und zeigt im SWE-Bench Pro Benchmark Leistungen auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

MAI-Code-1 wird zum neuen Standard für GitHub Copilot und VS Code. Microsoft verspricht eine zehnfache Kostenreduktion im Vergleich zu bisherigen Lösungen.

MAI-Voice-2 und MAI-Transcribe-1.5 gehören zu einer breiteren Palette von Bild- und Transkriptionsmodellen. Ziel ist eine Senkung der KI-Betriebskosten um 90 Prozent.

Microsoft IQ: Vier Schichten für den Unternehmenskontext

Damit die Agenten auf relevante Geschäftsdaten zugreifen können, hat Microsoft ein vierstufiges Kontext-Framework namens Microsoft IQ entwickelt:

  • Work IQ: Nutzt den Microsoft 365 Graph für berufliche Beziehungen und Zeitpläne
  • Fabric IQ: Greift auf OneLake zu für modellierte Geschäftsdaten und Kennzahlen
  • Foundry IQ: Speichert unstrukturiertes Wissen, kuratierte externe Quellen und Unternehmensrichtlinien
  • Web IQ: Liefert Echtzeit-Informationen aus dem Internet

Wettbewerb und Ausblick

Der Ausbau von Copilot Studio erfolgt in einem rasanten Wettbewerbsumfeld. Am 9. Juni 2026 veröffentlichte Anthropic sein Claude Fable 5 Modell, Google hat Gemini 3.5 Flash für verwaltete Agenten freigegeben. Im Microsoft-Ökosystem werden ältere Modelle abgelöst – GPT-4.5 wird am 27. Juni 2026 eingestellt.

Doch Microsoft denkt bereits über die Software-Ebene hinaus. Unter dem Codenamen Project Solara arbeitet der Konzern an einer Chip-to-Cloud-Plattform für „Agent-First“-Geräte. Erste Prototypen wie smarte Lautsprecher und Badges nutzen Chips von Qualcomm und MediaTek – und sollen den KI-Agenten ermöglichen, plattformübergreifend zu arbeiten.