Neues Weltmodell Cosmos 3 Edge soll Maschinen das Denken in Echtzeit beibringen – ohne Cloud-Anbindung.
Auf der SIGGRAPH 2026 in Los Angeles und zeitgleich in Tokio hat NVIDIA eine kleine Revolution für die Robotik vorgestellt. Mit Cosmos 3 Edge präsentiert der Chip-Riese ein kompaktes KI-Modell, das speziell für den Einsatz direkt auf dem Gerät entwickelt wurde – ohne Umweg über Rechenzentren. Das 4-Milliarden-Parameter-Modell ist der bislang deutlichste Schritt in Richtung „Physical AI“: Maschinen, die sehen, denken und handeln, ohne auf eine Internetverbindung angewiesen zu sein.
Rechenpower auf kleinstem Raum
Cosmos 3 Edge läuft lokal auf NVIDIAs neuer Jetson Thor-Plattform sowie auf RTX-Hardware. Trainiert mit rund 20 Billionen multimodalen Datenpunkten, nutzt das Modell eine spezielle Mixture-of-Transformers-Architektur. Die Besonderheit: Es kann die visuellen Konsequenzen von Aktionen vorhersagen und pro Inferenz 32 Handlungen generieren. Auf spezialisierter Hardware erreicht das System eine Steuerungsfrequenz von 15 Hertz – schnell genug für Echtzeitanwendungen.
In der VANTAGE-Bench-Rangliste belegt das Modell den Spitzenplatz unter allen 4-Milliarden-Parameter-Modellen. Eine spezielle Version namens Cosmos3-Edge-Policy-DROID wurde für präzise Greif- und Platzieraufgaben optimiert. Das Ziel: Drohnen, autonome Fahrzeuge und Industrieroboter sollen schneller reagieren können, ohne auf Cloud-Dienste angewiesen zu sein.
Neue Jetson-Generation kommt 2027
Parallel zu den Software-Neuheiten kündigte NVIDIA die nächste Hardware-Generation an. Die Module Jetson Thor T3000 und T2000 basieren auf der Blackwell-Architektur. Der T3000 verfügt über einen 1.536-Kern-GPU mit 865 FP4 TFLOPS – genug Rechenleistung, um mit größeren Systemen mitzuhalten. Die Auslieferung soll im ersten Quartal 2027 beginnen.
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Bereits jetzt haben NVIDIA-Ingenieure sogenannte Jetson Agent Skills entwickelt, die den Arbeitsspeicherverbrauch um bis zu 15 Gigabyte reduzieren. Zu den ersten Partnern gehören 1X, Amazon Robotics, Boston Dynamics und Hitachi. In Japan hat sich unter dem Namen Cosmos Coalition ein Bündnis aus Sony, SoftBank und Honda formiert, das die Technologie in der Fertigung und im Gesundheitswesen einsetzen will.
Partnerschaften und Simulationstools
NVIDIA erweitert zudem sein Software-Angebot: Neue Omniverse-Bibliotheken im Agent Toolkit ermöglichen den Aufbau simulationsreifer virtueller Umgebungen. Die Tools ovrtx für Sensorsimulation und ovphysx für GPU-beschleunigte Physik werden bereits von Partnern wie SideFX (Houdini) und PTC (Onshape) genutzt.
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Ein besonders ambitioniertes Projekt startete Fujitsu gemeinsam mit NVIDIA und den Industrierobotik-Spezialisten Fanuc und Yaskawa. Die Plattform für „Physical AI“ soll den akuten Arbeitskräftemangel in Japan abfedern. Erste Pilotprojekte zeigen beachtliche Erfolge: Die Produktionsdurchsatz stieg um 12 Prozent, die Fehlerquote sank um 9 Prozent. In der Logistik verbesserte sich die Material-Handhabungsgeschwindigkeit um 18 Prozent.
Forschung: Vom Labor in die Praxis
Während der SIGGRAPH-Keynote am 20. Juli präsentierten NVIDIA-Forscher 22 wissenschaftliche Arbeiten zu neuronalem Rendering und Weltmodellen. Zu den Highlights zählt MotionBricks, ein System für Echtzeit-Charakteranimationen, trainiert auf 350.000 Bewegungsclips. Ebenfalls vorgestellt wurde Artifixer, ein Werkzeug zur Bereinigung verrauschter 3D-Scans.
Diese Forschungsarbeiten fließen direkt in die Entwicklung sogenannter Closed-Loop-Simulatoren wie Cosmos-Dreams ein. Sie erlauben es, autonome Fahrzeuge in hochrealistischen virtuellen Umgebungen zu trainieren, bevor sie auf echte Straßen geschickt werden. Die dafür notwendigen RTX Spark-Systeme werden ab Herbst bei Partnern wie Dell, HP, Lenovo und Microsoft erhältlich sein.

