Coupang-Strafe: 409 Millionen Euro für Datenleck und Überwachung

Südkoreas Datenschutzbehörde belegt Coupang mit Rekordbußgeld von 409 Mio. Euro wegen Datenlecks und illegaler Nutzerverfolgung.

Südkoreas größter Online-Händler muss eine historische Strafe zahlen – wegen eines Datenlecks und illegaler Nutzerverfolgung.

Die südkoreanische Datenschutzbehörde PIPC hat gegen den E-Commerce-Riesen Coupang ein Bußgeld von umgerechnet rund 409 Millionen Euro verhängt. Es ist die höchste Strafe, die jemals in Südkorea für Datenschutzverstöße ausgesprochen wurde. Der Fall betrifft über 37 Millionen Betroffene und wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslücken eines der größten Online-Händler Asiens.

Zwei Verstöße, eine Rekordstrafe

Anzeige: Die 409-Millionen-Strafe gegen Coupang zeigt: Datenlecks und illegale Überwachung über Partnerprogramme können Unternehmen existenziell treffen. Unser kostenloser Report liefert die entscheidenden Checklisten und Audit-Tools, um solche Risiken in Ihrem Unternehmen zu vermeiden. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern

Die Gesamtstrafe setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Mit 423,58 Milliarden Won (ca. 277 Millionen Euro) ahndet die Behörde ein massives Datenleck, das rund 33,22 Millionen Mitglieder und 4,33 Millionen Nicht-Mitglieder betraf. Weitere 201,16 Milliarden Won (ca. 132 Millionen Euro) wurden für die unerlaubte Sammlung von Online-Aktivitätsdaten von rund 11,17 Millionen Nutzern verhängt.

Zusätzlich traf es die Tochtergesellschaft Coupang Fulfillment Services mit einer separaten Strafe von 248 Millionen Won. Die Gesamtsumme übertrifft den bisherigen Rekord in Südkorea deutlich – eine 134,8 Milliarden Won schwere Strafe gegen den Telekommunikationskonzern SK Telecom.

Datenleck durch Managementversagen

Das Datenleck ereignete sich zwischen April und Juni 2025. Nach Angaben der PIPC handelte es sich nicht um einen raffinierten Hackerangriff von außen, sondern um ein Versagen grundlegender Sicherheitsvorkehrungen. Ein ehemaliger Mitarbeiter chinesischer Nationalität soll einen unsicheren kryptografischen Authentifizierungsschlüssel ausgenutzt haben, um sich Zugang zu verschaffen.

Die Behörde kritisiert zudem, dass Coupang den Vorfall zwar am 17. November 2025 eingeräumt, aber nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen 24 Stunden gemeldet habe. Zwar kündigte das Unternehmen im Dezember 2025 ein Entschädigungsprogramm in Höhe von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro an – die PIPC betont jedoch, dass das Leck auf fahrlässige Sicherheitsmängel zurückgeht.

Illegale Überwachung über Partnerprogramm

Der zweite Teil der Strafe betrifft das Affiliate-Programm „Coupang Partners“. Zwischen Dezember 2024 und Februar 2026 soll das Unternehmen ohne ausdrückliche Einwilligung sensible Online-Aktivitätsdaten gesammelt haben – darunter besuchte URLs, App-Namen, Zugriffszeiten und Gerätekennungen.

Die Ermittlungen ergaben, dass Coupang das digitale Bewegungsprofil von über 11 Millionen Kunden erstellte. Die PIPC kritisierte zudem die mangelnde Kontrolle über bestimmte Werbepraktiken innerhalb des Partnernetzwerks.

Strafanzeige und juristischer Gegenwind

Anzeige: Illegale Nutzerverfolgung über Affiliate-Programme – wie Coupang erwischt – ist kein Einzelfall. Prüfen Sie noch heute Ihr Partner-Netzwerk mit dem exklusiven Audit-Tool aus unserem Report. Nur wer die Schwachstellen kennt, kann Strafen wie 409 Millionen Euro vermeiden. Affiliate-Compliance-Audit jetzt sichern

Die Behörde kündigte an, Strafanzeige gegen Coupang zu stellen – der Vorwurf: Behinderung der Ermittlungen. Das Unternehmen soll trotz einer bestehenden Anordnung zur Beweissicherung fünf Monate Webserver-Logs manuell gelöscht haben.

Coupang kündigte an, die Entscheidung gerichtlich anzufechten. Bereits in der Anhörung vom 10. Juni 2026 hatte das Unternehmen argumentiert, der Vorfall sei auf einen vorübergehenden Darstellungsfehler zurückzuführen und kein vorsätzliches Leck gewesen. Zudem gebe es keine Hinweise auf Folgeschäden für Verbraucher.

Die Strafe von 624,7 Milliarden Won kommt einem finanziellen Erdbeben gleich: Sie entspricht fast dem gesamten operativen Gewinn von 721,1 Milliarden Won aus dem Jahr 2025 und macht rund 1,4 Prozent des Jahresumsatzes von 45 Billionen Won aus. Die Aktie von Coupang ist 2026 bereits um 35 Prozent eingebrochen – der Datenskandal dürfte den Druck weiter verschärfen.