CPF Safety Switch: Singapores Notfall-Bremse gegen Rentenbetrug

Die Rentenkasse CPF führt einen digitalen Notfall-Schalter ein, um Konten bei Betrugsverdacht sofort zu sperren. Zusätzlich können Vertrauenspersonen über verdächtige Aktivitäten informiert werden.

Singapurs Rentenkasse CPF führt einen digitalen Notfall-Schalter ein, um Ersparnisse vor Betrügern zu schützen. Die Maßnahme reagiert auf einen dramatischen Anstieg an Betrugsfällen.

Ab sofort können Mitglieder ab 55 Jahren ihren Account sofort sperren lassen, wenn sie einen Betrugsversuch vermuten. Der CPF Safety Switch blockiert augenblicklich alle Online-Zugänge, stoppt laufende Auszahlungen und verhindert neue Abhebungen. Ein Anruf bei der offiziellen Hotline genügt zur Aktivierung. Das Ziel: Finanzielle Verluste im Keim ersticken, bevor Schaden entsteht.

Selektiver Schutz ohne Systemstillstand

Die Stärke des neuen Werkzeugs liegt in seiner Zielgenauigkeit. Während der Schalter alle Abflüsse stoppt, laufen essentielle Zuflüsse weiter. Die monatlichen Rentenbeiträge der Arbeitgeber fließen ungehindert, ebenso wie wiederkehrende Abbuchungen für Versicherungen oder Wohnkredite. So bleibt die langfristige Altersvorsorge intakt, während der Account gegen Diebstahl gesichert ist.

Die Deaktivierung ist bewusst aufwändiger gestaltet. Sie erfordert die persönliche Vorstellung in einem Service-Center oder eine Verifizierung durch einen CPF-Mitarbeiter am Telefon. Diese Hürde soll verhindern, dass Opfer unter Druck gesetzt werden, die Sperre selbst wieder aufzuheben.

Zweite Verteidigungslinie: Das Vertrauenspersonen-System

Parallel zum Safety Switch startet ein Benachrichtigungsdienst für Vertrauenspersonen. Alle Mitglieder ab 21 können bis zu zwei Personen – typischerweise Familienangehörige – benennen. Diese erhalten dann Kopien wichtiger Kontobenachrichtigungen.

Das betrifft Meldungen über Pauschalauszahlungen oder Änderungen der Bankverbindung. Die Vertrauenspersonen sollen so verdächtige Aktivitäten früh erkennen und den Kontoinhaber warnen können. Sie haben jedoch keinen Zugriff auf Kontostände oder Transaktionsbefugnisse. Die Privatsphäre bleibt gewahrt.

Hintergrund: Ein Milliardengrab namens Betrug

Der neue Schutz ist dringend nötig. Die Betrugsmethoden werden immer raffinierter. Täter geben sich oft als Regierungsbeamte aus und erzeugen mit falschen Behauptungen – etwa einer angeblichen kriminellen Nutzung des digitalen Ausweises Singpass – Panik, um an Daten und Geld zu kommen.

Die finanziellen Schäden sind immens. Allein im ersten Halbjahr 2025 gab es in Singapur fast 20.000 gemeldete Betrugsfälle mit einem Schaden von über 456 Millionen Singapur-Dollar (rund 315 Millionen Euro). Für das Gesamtjahr 2025 summieren sich die Verluste laut Daten auf fast 894 Millionen Singapur-Dollar.

Der Safety Switch unterscheidet sich von der bereits existierenden Auszahlungssperre. Letztere ist eine präventive Dauerlösung für jene, die keine Abhebungen planen. Der neue Schalter ist dagegen die Notbremse für den Akutfall, wenn ein Betrug im Gange vermutet wird.

Ausblick: Wachsamkeit bleibt der beste Schutz

Die CPF-Behörde kündigt an, ihre Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich zu überprüfen und gemeinsam mit Banken weiterzuentwickeln. Der Erfolg der neuen Tools hängt maßgeblich von der Aufklärung und der Wachsamkeit der Bürger ab.

Die offizielle Hotline zur Aktivierung des Safety Switch ist 1800-227-1188. Die Behörde betont, dass sie niemals automatisierte Sprachaufzeichnungen oder Messenger-Apps wie WhatsApp für offizielle Kommunikation nutzt. Im Kampf gegen den Betrug bleibt die Kombination aus technischen Sicherungen und einem informierten Publikum die wirksamste Waffe.