CSD-Anschlag Berlin: Ermittler werten Smartphone des Attentäters aus

Ermittler fokussieren digitale Spuren des Tatverdächtigen Abdul Ballout. Das Handy des flüchtigen Gefährders soll Aufschluss über Radikalisierung und Netzwerk geben.

Nach dem folgenschweren Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin konzentrieren sich die Ermittlungsbehörden bei der Beweissicherung auf die digitale Forensik. Im Zentrum der Untersuchungen steht ein Mobiltelefon, das dem mutmaßlichen Attentäter Abdul Ballout zugeordnet wird. Die Auswertung des Geräts soll Aufschluss über mögliche Hintermänner, die Planung der Tat sowie die Radikalisierung des 21-Jährigen geben.

Hergang und erste Ermittlungsschritte

Das sichergestellte Smartphone wurde im Wrack eines weißen Citroen-Transporters gefunden, mit dem der Tatverdächtige am späten Abend gegen 22 Uhr in eine Menschenmenge im Berliner Tiergarten raste. Berichten zufolge forderte die Tat das Leben einer Frau, zudem wurden 25 Personen verletzt. Nach der Kollision soll der Angreifer das Fahrzeug verlassen und mit einer Machete auf Passanten eingestochen haben. Der CSD wurde infolge der Ereignisse abgebrochen.

Das Tatfahrzeug, das von Ballout angemietet worden war, wurde zur kriminaltechnischen Untersuchung sichergestellt. Während die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen führt, fahndet die Polizei öffentlich mit einem Foto nach dem Verdächtigen. Die Beschreibung der Einsatzkräfte weist ihn als schlank aus, mit einer Körpergröße von 1,90 Meter und schwarzen Haaren. Zum Tatzeitpunkt soll er einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose getragen haben. Zeugenaussagen deuten zudem darauf hin, dass ein zweiter Täter an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte. Zu diesem Zweck wurde ein spezielles Hinweisportal für die Bevölkerung eingerichtet.

Bekannter Gefährder mit islamistischem Hintergrund

Der 21-jährige Abdul Ballout war den Sicherheitsbehörden bereits vor dem Anschlag bekannt. Er wird der islamistischen Szene zugerechnet und gilt als Sympathisant der Terrororganisation IS. Aufgrund dieser Einschätzung führten ihn die Behörden als Gefährder. Seine polizeiliche Akte verzeichnet eine Verurteilung aus dem Jahr 2025, bei der er wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden war.

Im Mai 2026 wurde Ballout vorzeitig aus der Jugendhaft auf Bewährung entlassen. Diese Entscheidung war offenbar umstritten; die Staatsanwaltschaft hatte Beschwerde gegen die Bewährungsentlassung eingelegt. Teil der Bewährungsauflagen war die Teilnahme an Deradikalisierungsgesprächen. Dokumenten zufolge nahm der Verdächtige jedoch nur zwei von insgesamt 26 angesetzten Terminen wahr.

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Bereits vor einigen Wochen geriet Ballout erneut ins Visier der Ermittler, nachdem er im Internet ein Foto mit einer Waffe gepostet hatte. Eine anschließende Durchsuchung seiner Wohnung führte jedoch nur zum Fund einer Spielzeugwaffe. Nach dem aktuellen Anschlag stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) unter Beteiligung von Entschärfern seine Wohnung in Berlin-Schöneberg, fand diese jedoch verlassen vor.

Reaktionen aus Politik und Regierung

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Bundesinnenminister Dobrindt ordnete das Ereignis als islamistischen Terroranschlag ein. Auch Bundeskanzler Merz und der Berliner Bürgermeister Wegner verurteilten die Tat sowie die Hintergründe des Angriffs auf die Teilnehmenden des CSD.

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Die Ermittler erhoffen sich von der Auswertung des Smartphones nun konkrete Belege für die Vernetzung des Verdächtigen. Da Ballout als polizeibekannt galt und unter Beobachtung stand, wird die Aufarbeitung auch die Frage behandeln, wie es trotz seiner Einstufung und der abgebrochenen Deradikalisierungsmaßnahmen zu dem Anschlag kommen konnte. Die Fahndung nach dem Flüchtigen und möglichen Komplizen dauert an.