Der chinesische Speicherhersteller ChangXin Memory Technologies (CXMT) hat einen neuen Meilenstein erreicht: Seine DDR5-Module laufen nun mit 8800 MT/s auf dem AM5-Mainstream-Plattform. Der Durchbruch ist Teil einer rasanten Entwicklungsserie – innerhalb weniger Wochen steigerte der Hersteller seine Spitzengeschwindigkeit um 200 MT/s.
Technischer Sprung: CXMT schließt zur Weltspitze auf
Der Rekord wurde auf einem X870E Vulcan W OC-Mainboard in Konfigurationen mit 2x16GB und 2x24GB erzielt. Es ist die höchste je für CXMT-Chips auf einer Mainstream-Plattform gemessene DDR5-Frequenz. Auch auf der Z890-Plattform bestätigten frühere Tests die 8800 MT/s-Marke. Damit schrumpft der Rückstand zu den etablierten DRAM-Weltmarktführern spürbar.
Doch CXMT denkt bereits einen Schritt weiter: Das Unternehmen hat die Testproduktion seiner ersten LPDDR6-Chips aufgenommen. Die Mobilfunk-Speicher erreichen Übertragungsraten von 12,8 Gbps bei einer Kapazität von 16 Gb pro Chip. Die Komponenten nutzen ein 1.295-Pin-Package-on-Package-Design (PoP) und werden derzeit von Kunden validiert. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Serienproduktion innerhalb weniger Wochen oder Monate anlaufen könnte.
Börsencoup und Wachstumsexplosion
Die technischen Fortschritte gehen einher mit einem aggressiven Finanzwachstum. Am 27. Juli 2026 ging CXMT an die STAR Market-Börse – einer der größten Halbleiter-Börsengänge der letzten Jahre. Der IPO spülte rund 29,5 Milliarden Yuan (etwa 8,6 Milliarden Euro) in die Kassen. Am ersten Handelstag schoss der Aktienkurs um 465,82 Prozent nach oben. Anfang August 2026 überstieg die Marktkapitalisierung des Unternehmens 3,2 Billionen Yuan.
Die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres 2026 zeigen das Ausmaß der Expansion:
- Umsatzsprung: Im zweiten Quartal 2026 stiegen die DRAM-Erlöse im Jahresvergleich um 716 Prozent – weltweit das schnellste Wachstum in der Branche.
- Rentabilität: Im ersten Quartal erzielte CXMT einen Umsatz von 50,8 Milliarden Yuan bei einem Nettogewinn von 24,762 Milliarden Yuan. Für das gesamte erste Halbjahr werden Gewinne zwischen 52 und 58 Milliarden Yuan prognostiziert.
- Marktanteil: Während Samsung (39 Prozent), SK Hynix (26 Prozent) und Micron (25 Prozent) den globalen DRAM-Markt weiterhin dominieren, erreichte CXMT Ende 2025 einen Anteil von 7,67 Prozent – Anfang 2026 dürfte er bei etwa 8 Prozent liegen.
Lieferketten im Wandel: PC-Hersteller setzen auf CXMT
Mitte 2026 begannen große PC-Hersteller wie HP, Asus und Acer damit, CXMT-DRAM-Module für bestimmte Laptop-Serien außerhalb der USA zu qualifizieren und einzusetzen. Der Hintergrund: Die RAM-Preise sind branchenweit massiv gestiegen – einige Spotpreise legten binnen zwölf Monaten um 400 Prozent zu.
Interessant: Trotz wachsender Stückzahlen verabschiedet sich CXMT von seiner Niedrigpreisstrategie. Am 5. August 2026 wurde bekannt, dass das Unternehmen Rabattforderungen von Apple abgelehnt hat – stattdessen setzt man auf Preise auf Augenhöhe mit Samsung und SK Hynix. Die starke Nachfrage chinesischer Großkunden macht dies möglich: CXMT hat offenbar Großaufträge von Tencent, ByteDance, Huawei und Xiaomi an Land gezogen.
Milliarden-Investitionen und ein ehrgeiziges Ziel
Um bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent am weltweiten DRAM-Markt zu erobern, plant CXMT den Bau einer sechsten Mega-Fabrik in Peking. Die Expansion soll die Produktionskapazität auf über 600.000 Wafer pro Monat verdoppeln. Einige Analysten halten sogar 950.000 Wafer pro Monat bis Ende des Jahrzehnts für möglich, falls das Tempo gehalten wird.
Doch es bleiben technische Hürden. Marktforscher weisen darauf hin, dass CXMT aufgrund internationaler Exportbeschränkungen auf Deep-Ultraviolet-Mehrfachbelichtung (DUV) angewiesen ist. Dieses Verfahren benötigt rund 30 Prozent mehr Wafer-Starts als modernere Methoden der Konkurrenz – ein Produktionskostennachteil von über 30 Prozent. Dennoch investiert das Unternehmen massiv in Forschung und Entwicklung: Zwischen 2023 und 2025 flossen mehr als 20 Prozent des Umsatzes in Innovation.

