Die französische Steuerbehörde DGFiP (Direction Générale des Finances Publiques) ist Ziel eines umfangreichen Cyberangriffs geworden. Bei dem Vorfall wurden personenbezogene Informationen von rund 678.000 Steuerzahlern, darunter sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, entwendet.
Die Behörde bestätigte den Zugriff auf das Informationssystem der Plattform impots.gouv.fr, betonte jedoch, dass keine Passwörter oder Log-in-Daten für gesicherte Nutzerkonten kompromittiert wurden.
Sicherheitslücke durch kompromittierte Zugangsdaten
Die Ermittlungen zum Tathergang ergaben, dass sich die Angreifer über eine VPN-Verbindung Zugang zu internen Servern verschafften. Hierfür nutzten sie offenbar entwendete Zugangsdaten eines Steuerbeamten sowie eines externen Auftragnehmers. Der Datendiebstahl ereignete sich über einen Zeitraum zwischen Juni und Juli 2026. Die Behörde gab an, den Einbruch am 14. August 2026 entdeckt zu haben.
Hinter der Attacke wird ein Akteur unter dem Pseudonym „ZeroBytes“ vermutet. Dieser bot die entwendete Datenbank in einem einschlägigen Forum für einen Betrag von mehreren tausend Euro zum Verkauf an.
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Nach Angaben des Anbieters umfasse der Datensatz insgesamt 678.438 Zeilen, die sich auf 392.867 Privatpersonen und 285.570 Unternehmen verteilen. Dem mutmaßlichen Täter werden zudem weitere Cyberangriffe auf Organisationen wie Intermarché sowie den französischen Handballverband zugeschrieben.
Umfang und Sensibilität der entwendeten Informationen
Die gestohlenen Daten umfassen bei Privatpersonen hochsensible Finanzdetails. Dazu gehören Namen, Adressen, das Referenzsteuereinkommen, der Familienquotient sowie individuelle Quellensteuersätze. Zudem seien Informationen zu Grundstücksgrößen und allgemeine Steuerdetails abgeflossen.
Eine Analyse der Daten durch die Gruppe FrenchBreaches verdeutlicht die finanzielle Bandbreite der Betroffenen: Demnach befinden sich darunter 26.805 Personen mit einem Einkommen von über 100.000 Euro. Bei 386 Nutzern liege das Einkommen über einer Million Euro, während acht Personen Einkünfte von mehr als zehn Millionen Euro verzeichneten.
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Für betroffene Unternehmen wurden SIREN-Nummern und Adressen extrahiert. Generaldirektorin Amélie Verdier ordnete diese Unternehmensdaten als weniger sensibel ein als die Informationen der Privatpersonen. Die betroffenen Steuerzahler sollen ab dem 17. August 2026 individuell über den Vorfall informiert werden.
Juristische Aufarbeitung und staatliche Schutzmaßnahmen
Infolge des Datenlecks hat die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen betrügerischer Datenextraktion und krimineller Vereinigung eingeleitet. Die operative Federführung liegt beim französischen Anti-Cybercrime-Büro (OFAC). Parallel dazu wurden die Datenschutzbehörde CNIL sowie die Cybersicherheitsbehörde ANSSI über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.
Auf politischer Ebene berief Premierminister Sébastien Lecornu für den 17. August 2026 eine interministerielle Krisenzelle (CIC) ein, um die Auswirkungen auf die rund 700.000 betroffenen Konten der Steuerplattform zu erörtern. Gleichzeitig forderten sozialistische Senatoren die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission zur Aufklärung der Sicherheitsmängel.
Der Angriff erfolgt vor dem Hintergrund verstärkter staatlicher Bemühungen zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Die französische Regierung hat einen Plan zum Schutz staatlicher Informationssysteme mit einem Budget von 200 Millionen Euro gestartet und mit der ARIANE eine neue Regulierungsbehörde geschaffen, um künftige Bedrohungen dieser Art effektiver abzuwehren.

