Cyberangriff auf Krankenhaus: Fraunhofer-Simulation zeigt kritische Schwachstellen

Eine Fraunhofer-Übung mit 23 Beteiligten zeigt technische Angriffswege, Kommunikationsprobleme und langwierige Wiederanlaufzeiten in Krankenhäusern.

Im Rahmen der KH-IT-Tagung in Berlin hat das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) die Auswirkungen eines gezielten Cyberangriffs auf ein fiktives deutsches Krankenhaus simuliert.

An der Krisensimulation nahmen insgesamt 23 Personen teil, die in 12 unterschiedliche Rollen schlüpften, um die organisatorischen und technischen Abläufe während eines digitalen Notfalls zu erproben. Ziel der Übung war es, die Resilienz kritischer Infrastrukturen im Gesundheitswesen unter realitätsnahen Bedingungen zu testen und Schwachstellen in der Krisenbewältigung aufzudecken.

Eskalation über technische Schnittstellen

Der von den Experten des Fraunhofer SIT konzipierte Angriff folgte einem mehrstufigen Szenario, das auf gängigen Mustern der Internetkriminalität basierte.

Den Angaben zufolge startete die Simulation mit der Informationsbeschaffung aus öffentlich zugänglichen Quellen, dem sogenannten Open Source Intelligence (OSINT), sowie gezielten Phishing-Versuchen. Diese Maßnahmen dienten dazu, erste Zugangsberechtigungen innerhalb der Krankenhaus-IT zu erlangen.

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Im weiteren Verlauf gelang es den fiktiven Angreifern, den VPN-Zugang der Einrichtung zu kompromittieren. Von dort aus weitete sich der Zugriff auf den Exchange-Server und schließlich auf das Active Directory aus, welches die zentrale Verwaltung von Benutzerkonten und Berechtigungen im Netzwerk steuert.

Durch die Übernahme dieser Kernkomponenten konnten die Forscher des Fraunhofer SIT demonstrieren, wie schnell die Kontrolle über die gesamte digitale Infrastruktur eines Krankenhauses verloren gehen kann, wenn Sicherheitsbarrieren sukzessive durchbrochen werden.

Kommunikationsdefizite im Krisenstab

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Simulation lag auf der Beobachtung der organisatorischen Reaktion. Die Forscher Schinzel und Brüggemann stellten dabei fest, dass die Arbeit des eingerichteten Krisenstabs während der Übung vor erheblichen Herausforderungen stand.

Den Beobachtungen zufolge entwickelte sich der Informationsfluss innerhalb des Gremiums zu einer Einbahnstraße. Dies deutet darauf hin, dass die Kommunikation zwischen den verschiedenen Entscheidungsträgern und den technischen Abteilungen in einer akuten Belastungssituation häufig nicht bidirektional funktioniert, was eine effektive Krisenbewältigung erschwert.

Die Simulation verdeutlichte, dass technisches Fachwissen allein nicht ausreicht, um die Handlungsfähigkeit einer Klinik aufrechtzuerhalten. Vielmehr sind etablierte Kommunikationswege und klare Rollenverteilungen entscheidend, um den Betrieb in einem Notfallszenario zu koordinieren.

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Langwierige Wiederherstellungsprozesse

Neben der unmittelbaren Abwehr des Angriffs thematisierte das Fraunhofer SIT auch die Phase der Systemwiederherstellung. Laut den Experten sei bei einem realen Vorfall dieser Tragweite mit einem erheblichen Zeitaufwand zu rechnen. Die Wiederherstellung der betroffenen Systeme dauere in der Realität üblicherweise mehrere Wochen bis hin zu einigen Monaten.

Als Beispiel für die Komplexität solcher Prozesse wurde ein Fall aus dem Raum Frankfurt angeführt, bei dem die vollständige Aufarbeitung und Wiederherstellung rund ein Jahr in Anspruch nahm. Diese Zeitspannen unterstreichen das hohe Risiko für den kontinuierlichen Krankenhausbetrieb und die Patientenversorgung, wenn digitale Kernprozesse durch Ransomware oder andere Schadsoftware dauerhaft gestört werden.

Ausweitung der Forschungsaktivitäten

Um die Erkenntnisse aus derartigen Simulationen zu vertiefen und die IT-Sicherheit im Gesundheitssektor flächendeckend zu verbessern, plant das Fraunhofer SIT eine Erweiterung seiner Studien.

Das Institut sucht derzeit nach weiteren Krankenhäusern, die bereit sind, als Teilnehmer an künftigen Simulationen und Untersuchungen mitzuwirken. Durch die Einbindung realer Einrichtungen erhoffen sich die Forscher weitere praxisnahe Daten, um die Cyber-Resilienz deutscher Kliniken nachhaltig zu stärken.

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Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von heise online.