Cyberangriff Lettland: 1,2 Millionen Datensätze gestohlen

Cyberangriff auf Lettlands Verkehrsbehörde: Daten von 1,2 Millionen Bürgern entwendet, Führungsspitze tritt nach Sicherheitsversäumnissen zurück.

Die lettische Straßenverkehrssicherheitsdirektion (CSDD) ist Ziel eines schwerwiegenden Cyberangriffs geworden, der den zweitgrößten Datenverlust in der Geschichte des Landes markiert.

Nach offiziellen Angaben wurden persönliche Informationen von rund 1,2 Millionen Personen sowie Daten von 200.000 juristischen Personen aus den Datenbanken der Behörde entwendet. Der Vorfall löste eine nationale Sicherheitsdiskussion aus und führte bereits zu personellen Konsequenzen in der Führungsspitze der Direktion.

Sicherheitslücken und verzögerte Reaktion

Der Angriff nahm seinen Anfang in der Nacht vom 7. auf den 8. August 2026. Als Einfallstor diente ein medizinisches Portal, das von etwa 200 Ärzten genutzt wird. Den Ermittlungen zufolge erfolgte das Eindringen in die Systeme ohne eine erforderliche Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die anschließende Datenexfiltration erstreckte sich über einen Zeitraum vom 8. bis zum 10. August 2026.

Die Aufarbeitung des Vorfalls offenbart erhebliche Verzögerungen im Meldekette. Die CSDD informierte die nationale Cybersicherheitsbehörde CERT.LV erst am 10. August 2026 über den Einbruch – dies entsprach dem dritten Tag nach dem ersten Eindringen.

Zudem wurde die gesetzlich vorgeschriebene 72-Stunden-Frist für die Benachrichtigung der Staatsdateninspektion nicht eingehalten. Während die öffentliche Bekanntgabe erst am 13. August 2026 erfolgte, konnte ein zweiter Angriffsversuch im Zeitraum vom 15. bis 16. August 2026 erfolgreich blockiert werden.

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Besonders kritisch wird gewertet, dass die CSDD im April 2026 ein Angebot von CERT.LV zur Implementierung von Frühwarnsystemen abgelehnt hatte. Zwischen der Behörde und dem IT-Infrastrukturdienstleister Tet, der im Jahr 2022 einen Vertrag im Wert von 9 Millionen Euro unterzeichnete, besteht derzeit Uneinigkeit über die Verantwortlichkeiten für die entstandene Sicherheitslücke. Tet gab an, erst am 10. August 2026 inoffiziell von dem Angriff erfahren zu haben.

Sensible Daten und nationale Sicherheit

Das Ausmaß des Datenraubs ist weitreichend. Die gestohlenen Informationen umfassen Zahlungsbelege aus den letzten 18 Jahren, personenbezogene Codes, Meldeadressen sowie Kfz-Kennzeichen und detaillierte Zahlungsinformationen. Analysen von CERT.LV deuten darauf hin, dass die Angreifer mutmaßlich versuchten, über die CSDD-Systeme auch in andere staatliche Strukturen vorzudringen.

Unter den entwendeten Datensätzen befinden sich auch Fahrzeuginformationen lettischer Spezialdienste. Infolge des Abflusses sahen sich einige dieser Dienste gezwungen, ihre Kfz-Kennzeichen aus Sicherheitsgründen auszutauschen. Präsident Rinkēvičs bezeichnete den Vorfall als massive Bedrohung der nationalen Sicherheit. Premierminister Kulbergs erklärte, dass der Ursprung des Angriffs in einem ausländischen Staat nicht ausgeschlossen werden könne.

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Juristische Aufarbeitung und Rücktritte

Die politische und administrative Aufarbeitung hat bereits zu einschneidenden Maßnahmen geführt. Nachdem der Verkehrsminister den Rücktritt des Vorstands gefordert hatte, legten sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat der CSDD am 19. August 2026 ihre Ämter nieder.

Die lettische Polizei hat ein Strafverfahren eingeleitet und die Ermittlungen zu den Hintergründen und den Tätern aufgenommen. Der Fall verdeutlicht die bestehenden Schwachstellen in der digitalen Infrastruktur staatlicher Institutionen und die Notwendigkeit verschärfter Sicherheitsstandards bei der Verknüpfung behördlicher Datenbanken mit externen Portalen.