Der französische Versicherungskonzern Axa sieht durch den rasanten Vormarsch von Systemen mit Künstlicher Intelligenz erhebliche Gefahren für die weltweite IT-Sicherheit. In einem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung betonte Konzernchef Thomas Buberl, dass Künstliche Intelligenz Cyberangriffe massiv skaliere. Im Segment der Cyberversicherungen sei die Häufigkeit von Schäden durch Datendiebstahl und Erpressung bereits drastisch gestiegen.
Buberl stellte klar, dass systemische KI-Risiken für die Assekuranz nicht versicherbar seien. Um diesen Gefahren zu begegnen, müsse der Schwerpunkt auf gezielter Prävention liegen. Dazu zählten insbesondere das Schließen technischer Sicherheitslücken sowie kontinuierliche Schulungen der Beschäftigten.
Neben den IT-Gefahren äußerte sich Buberl auch zu den betrieblichen Folgen der Technologie: Zwar rechne er in der Versicherungsbranche kurzfristig möglicherweise mit einem Abbau von Stellen, langfristig gehe er jedoch von einer steigenden Beschäftigtenzahl aus.
Befürchtungen vor Massenentlassungen teile er nicht. Mit Blick auf das wirtschaftliche Umfeld verwies Buberl zudem darauf, dass Frankreich kürzlich einen Haushaltsentwurf mit Einsparungen in Höhe von 50 Milliarden Euro vorgelegt habe, dessen parlamentarische Umsetzung allerdings noch offen sei.
Dramatische Verkürzung der Angriffszeiten
Die Warnungen des Versicherungschefs spiegeln eine Entwicklung wider, die Sicherheitsbehörden und Marktforscher zunehmend alarmiert. Der frühere DHS-Geheimdienstchef John Cohen warnte, dass KI-Modelle Angriffspläne, deren Ausarbeitung früher bis zu einem Jahrzehnt gedauert habe, nun innerhalb weniger Stunden ermöglichen könnten.
Cohen wies darauf hin, dass sich KI-Agenten zu Verbünden zusammenschließen könnten, um Cyberangriffe oder sogar physische Attacken zu koordinieren. Die US-Bundesregierung reagiere darauf bislang zu zögerlich; nötig seien Anpassungen der Strafverfolgung sowie abgestimmte Schutzmaßnahmen von Politik und Technologieunternehmen.
Aktuelle Branchenberichte untermauern diese Einschätzung. Dem Digital Defense Report 2026 von Microsoft zufolge vollzieht sich bei Angriffen ein Wandel hin zu teilautonomen Schritten wie Aufklärung, Schwachstellensuche, Phishing und Malware-Erstellung.
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Vollautonome Angriffe seien in der Praxis zwar noch selten, doch die Einstiegsmethoden verändern sich rasant: Bei untersuchten Vorfällen war Phishing in 23 Prozent der Fälle das Einfallstor, verglichen mit 7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Angriffe auf öffentlich erreichbare Anwendungen stiegen von 15 Prozent auf 24 Prozent.
Gleichzeitig sinkt die Reaktionszeit der Verteidiger drastisch. Laut dem Global Threat Report 2026 des Sicherheitsunternehmens CrowdStrike verkürzte sich die durchschnittliche Ausbruchszeit bei cyberkriminellen Angriffen im Jahr 2025 auf 29 Minuten. Das entspricht einer Beschleunigung um 65 Prozent gegenüber 2024. Betroffen sind zunehmend auch kleinere Organisationen, da automatisierte und personalisierte Attacken durch KI deutlich kostengünstiger werden.
Unternehmen sehen große Lücken bei der Abwehr
In der Wirtschaft wächst das Bewusstsein für die neuen Bedrohungen, doch die Vorbereitung hinkt hinterher. Eine Befragung von PwC unter 3.934 Wirtschafts- und Technologieführungskräften in 71 Ländern ergab, dass die Hälfte der Sicherheits- und Technologieverantwortlichen Angriffe auf KI-Systeme zu den fünf größten Vorbereitungslücken zählt. Mehr als die Hälfte stuft KI-gesteuerte Botnetze, Angriffe auf KI-Modelle und Datenmanipulationen als gravierende Bedrohungen ein.
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Als Reaktion darauf stellen sich die Betriebe auf höhere Ausgaben ein: 84 Prozent der befragten Finanz- und Sicherheitsverantwortlichen erwarten künftig steigende Cyberbudgets. Allerdings verfügen laut PwC derzeit lediglich 39 Prozent der Führungskräfte über vollständig formalisierte Kontinuitätspläne, um den Betrieb nach schweren Zwischenfällen aufrechtzuerhalten.

