Cyberangriffe erreichen Höchststand durch KI und Identitätsdiebstahl

Expertenberichte zeigen eine neue Dimension von Cyber-Risiken: Identitätsdiebstahl und KI-gestützte Attacken nehmen zu, während Angriffe über Lieferketten zu den größten Verlusten führen. Die Verteidigungsstrategien müssen sich radikal ändern.

Die globale Cyber-Bedrohungslage hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Aktuelle Geheimdienstberichte und staatliche Warnungen zeigen einen gefährlichen Mix aus KI-gesteuerten Attacken, strategisch ausgerichteten Identitätsdiebstählen und massiven Angriffen über Lieferketten. Für Unternehmen weltweit entsteht eine beispiellos komplexe Risikosituation.

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Identität wird zur neuen Schwachstelle

Die Angreifer haben ihre Taktik grundlegend geändert. Laut dem aktuellen Jahresbericht von Darktrace vom 27. Februar umgehen Cyberkriminelle zunehmend klassische Sicherheitslücken. Statt einzubrechen, loggen sie sich einfach ein – mit gestohlenen, legitimen Zugangsdaten. Diese identitätsbasierten Angriffe sind für Verteidiger schwerer zu erkennen.

Besonders kritisch ist die Lage in Cloud-Umgebungen. In Europa begannen 58 Prozent aller untersuchten Sicherheitsvorfälle mit kompromittierten Cloud-Konten oder E-Mails. Die Angreifer zielen gezielt auf Accounts mit hohen Berechtigungen ab, um sich breiten Zugang zu verschaffen. Allein 2025 gab es über 8,2 Millionen Phishing-E-Mails gegen Führungskräfte. Die traditionelle Netzwerk-Absicherung reicht nicht mehr aus.

Lieferketten als Einfallstor Nummer eins

Das Vertrauen in Software-Lieferanten und Dienstleister wird systematisch ausgenutzt. Ein Bericht von Group-IB warnt: Angriffe über Drittanbieter werden zur größten globalen Gefahr. Im vergangenen Jahr standen 68 Prozent aller schwerwiegenden Großvorfälle im Zusammenhang mit kompromittierten Lieferketten – fast doppelt so viele wie in den Vorjahren.

Hacker infiltrieren vertrauenswürdige Software-Updates, um damit Tausende Opfer gleichzeitig zu treffen. Die Folgen sind verheerend. Ein Angriff auf die Lieferkette eines großen Automobilherstellers Ende 2025 verursachte geschätzte 1,75 Milliarden Euro an Liquiditätsabflüssen. Die Produktionsausfälle waren noch im Februar 2026 spürbar. Experten raten Unternehmen daher, von einer bereits kompromittierten Lieferkette auszugehen und Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

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Künstliche Intelligenz beschleunigt die Bedrohung

KI ist kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein praktisches Werkzeug für Angreifer. Ein CrowdStrike-Report zeigt: Das Angriffsvolumen KI-gestützter Gegner stieg 2025 um 89 Prozent. KI hilft bei der Erstellung täuschend echter Phishing-Nachrichten, beschleunigt die Malware-Entwicklung und automatisiert die Aufklärung in nie dagewesener Geschwindigkeit.

Diese Automatisierung verkürzt die Zeit bis zur Systemübernahme dramatisch. Die durchschnittliche „Breakout Time“ sank 2025 auf nur 29 Minuten. Der schnellste beobachtete Zugriff dauerte gerade einmal 27 Sekunden. Gleichzeitig öffnen unsichere KI-Nutzung durch Mitarbeiter neue Einfallstore. Fast 90 Prozent der Unternehmen registrierten riskante KI-Eingaben in firmeneigenen Tools, wie Check Point Software berichtet.

Regierungen reagieren auf globale Notfälle

Die analysierten Trends schlagen sich in realen Krisen nieder. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA gab am 25. Februar eine Notfall-Anweisung heraus. Grund ist die aktive Ausnutzung mehrerer Schwachstellen in Ciscos SD-WAN-Systemen weltweit. Angreifer nutzten eine Authentifizierungslücke, um langfristigen Zugang zu Unternehmensnetzwerken zu erlangen.

Ebenfalls diese Woche meldeten Google und Mandiant die Zerschlagung einer fast zehnjährigen globalen Spionagekampagne. Die mit China in Verbindung gebrachte Gruppe UNC2814 hatte 53 Organisationen in 42 Ländern infiltriert, vor allem im Telekommunikations- und Regierungssektor. Diese Vorfälle zeigen die anhaltende Bedrohung durch staatliche Akteure und organisierte Cyberkriminelle.

Widerstandsfähigkeit wird zum neuen Ziel

Die einhellige Expertenmeinung: Die Verteidigungsstrategien müssen sich radikal ändern. Die Ära der Firewall als alleinigem Schutz ist vorbei. Identitätsmanagement wird zur kritischen Infrastruktur. Strenge Mehr-Faktor-Authentifizierung und die Kontrolle von Administratorrechten sind essenziell.

Unternehmen sollten von einem „Annahme des Kompromisses“ ausgehen. Der Fokus liegt nicht mehr auf reiner Prävention, sondern auf robuster Erkennung und schneller Reaktion. Ein einziger Cybervorfall kann heute zu „Mega-Verlusten“ führen, die die Quartalsergebnisse zunichtemachen. Das Ziel für 2026 ist nicht, unhackbar zu sein, sondern widerstandsfähig genug, um Bedrohungen zu antizipieren und ihren Schaden zu begrenzen, bevor die Bilanz ruiniert ist.