Die Zahl professioneller Cyberangriffe auf Unternehmen und Privatpersonen nimmt drastisch zu. Kriminelle nutzen zunehmend offizielle Kommunikationswege und täuschend echte Voice-Phishing-Methoden, um hohe Geldbeträge zu erbeuten. Besonders betroffen: die Reisebranche, der Finanzsektor und Nutzer von Messaging-Diensten.
Gefälschte Ferienwohnungen und manipulierte Buchungen
In der Reisebranche sorgt eine Phishing-Welle für erhebliche Schäden. Angreifer nutzen kompromittierte Konten von Hoteliers auf Plattformen wie Booking.com, um direkt mit Kunden zu kommunizieren. Da die Täter Zugriff auf echte Buchungsdaten haben, wirken Zahlungsaufforderungen in den offiziellen Chat-Funktionen der Portale äußerst glaubwürdig.
Experten raten: Keine Links in solchen Nachrichten anklicken. Den Status einer Buchung ausschließlich über die offizielle App oder Website des Anbieters prüfen.
Parallel dazu wurden Fälle organisierter Banden in Italien bekannt. In der Region Rimini inserierten sie gefälschte Ferienwohnungen mit Fotos realer Unterkünfte und fremden Identifikationsnummern. Über 120 Familien fielen auf den Betrug herein.
Eine weitere Gefahr: die Angriffsmethode „CaptiveCrunch“. Angreifer manipulieren Anmeldeseiten in Hotel-WLAN-Netzwerken, um unter dem Vorwand von Software-Updates Schadsoftware zu installieren.
Vishing: Wenn der „IT-Helpdesk“ anruft
Im Bereich der Unternehmenskriminalität steht die Gruppe UNC6671 im Fokus. Sicherheitsanalysen zufolge hat die Gruppierung über 200 Unternehmen ins Visier genommen – mit Schwerpunkt auf dem Finanzsektor und Private-Equity-Firmen. Die Angreifer nutzen Voice-Phishing (Vishing): Sie rufen Mitarbeiter auf privaten Mobiltelefonen an und geben sich als IT-Helpdesk aus.
Teilweise kommen KI-generierte Stimmen zum Einsatz, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Ziel ist die Umgehung von Sicherheitsfaktoren beim Login zu Cloud-Diensten wie Microsoft 365 oder Okta. Die Lösegeldforderungen bewegen sich zwischen einer und drei Millionen US-Dollar. Die durchschnittliche Zahlung liegt bei rund 750.000 US-Dollar.
Zwischen Januar und Mai dieses Jahres wurden Zahlungen in Höhe von über 140 Bitcoin registriert – ein Gegenwert von etwa 11 Millionen US-Dollar.
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WhatsApp-Betrug: Vom „Boss Scam“ bis zu falschen Aktientipps
Auch Messaging-Dienste werden vermehrt für Finanzbetrug genutzt. In Indien warnen Behörden vor dem „Boss Scam“. Dabei werden ZIP-Dateien mit Bezeichnungen wie „Statement of Account“ über WhatsApp versendet. Öffnen Mitarbeiter die Datei, übernehmen die Angreifer die Kontrolle über die Web-Anwendung des Dienstes. Zielgruppe sind vor allem Finanzabteilungen.
In Deutschland warnt das Bundeskriminalamt vor dubiosen Aktientipps in WhatsApp-Gruppen. Mit gefälschten Profilen bekannter Finanz-Influencer werden Anleger zu Käufen minderwertiger Aktien verleitet, um deren Kurse künstlich aufzublähen. Die Opfer erleiden oft hohe Verluste – und die Plattformbetreiber löschen gefälschte Profile häufig nicht zeitnah.
Zusätzlich kursieren gefälschte E-Mails im Namen des Bundeszentralamts für Steuern, die eine Steuererstattung von 263 Euro versprechen. Auch die Deutsche Rentenversicherung warnt vor einer Zunahme von Betrugsversuchen via E-Mail, Telefon und sogar Hausbesuchen.
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So schützen sich Unternehmen und Verbraucher
Sicherheitsexperten empfehlen den Einsatz von Phishing-resistenten Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA). Nutzer sollten misstrauisch gegenüber unaufgeforderten Anrufen oder Nachrichten sein, die dringenden Handlungsbedarf signalisieren.
Bei Reisebuchungen und Online-Käufen gilt: Zahlungen niemals über externe Links abwickeln, sondern nur über die verifizierten Kanäle der jeweiligen Plattformen.
Südkorea hat bereits reagiert: Das täliche Kauflimit für Geschenkkarten wurde deutlich gesenkt, um Geldwäsche durch Voice-Phishing-Banden zu erschweren.

