Cyberbetrüger kapern Gemeinde-Mails: 545.000 Dollar weg

Eine Serie von Betrugsfällen erschüttert Kommunen in Nordamerika und Asien. Gefälschte Rechnungen und gekaperte E-Mails verursachen Millionenschäden.

Eine Welle von Betrugsfällen erschüttert Städte und Gemeinden in Nordamerika und darüber hinaus. Im Zentrum der Angriffe: manipulierte Rechnungen und gekaperte E-Mail-Kommunikation. Die Schäden gehen in die Millionen.

Wie ein Tippfehler 545.000 Dollar kostete

Der Fall von Surfside Beach in South Carolina zeigt exemplarisch, wie raffiniert die Täter vorgehen. Ein forensischer Untersuchungsbericht, veröffentlicht am 22. Juli, enthüllt die Details eines Cyberverbrechens vom März 2026. Die Täter nutzten eine als „Typo-Squatting“ bekannte Methode. Sie registrierten die Domain surfsidesbeach.org – eine minimale Abweichung von der offiziellen Adresse der Stadt.

In bestehende E-Mail-Threads zwischen drei Mitarbeitern und einem gemeinsamen Konto schalteten sich die Betrüger unbemerkt ein. Ihr Ziel: eine ACH-Überweisung in Höhe von 545.598,30 Dollar an einen Bauunternehmer. Die Zahlung wurde auf ein betrügerisches Konto in Utah umgeleitet.

Die Stadtverwaltung bemerkte das Fehlen der Summe erst am 28. April. Die Versicherung verweigerte daraufhin die Deckung. Die Begründung: Die Police greift nur, wenn die Kommune selbst einen Fehler gemacht hat. Die Ermittler fanden jedoch keine Hinweise auf kompromittierte interne Microsoft-365-Konten.

Falsche Rechnungen für Bauprojekte

Mehrere Städte warnen aktuell vor einer Betrugsmasche, die gezielt Antragsteller für Bau- und Entwicklungsgenehmigungen ins Visier nimmt. Die Stadt Columbia in South Carolina teilte am 23. Juli mit, dass Kunden gefälschte Rechnungen mit der Aufforderung zu unzulässigen Zahlungsmethoden erhalten hätten. Die Behörde stellte klar: Offizielle E-Mails stammen ausschließlich von Adressen mit der Endung @columbiasc.gov. Überweisungen fordere die Stadt niemals an.

Auch Rome im Bundesstaat New York schlug am 22. Juli Alarm. Antragsteller für Bauausschüsse erhielten gefälschte E-Mails und Briefe mit der Aufforderung, Gebühren für Inspektionen und Verwaltungsleistungen zu zahlen. Die Stadtverwaltung betonte, dass sie für solche Gebühren weder Überweisungen noch ACH-Transaktionen nutzt. Betroffene sollen sich an die örtliche Polizei wenden.

Zweiter Angriff innerhalb einer Woche

In Sheboygan, Wisconsin, kam es zu einem besonders dreisten Vorfall. Am 22. Juli meldeten die Behörden, dass ein zweites städtisches E-Mail-Konto innerhalb weniger Tage gekapert wurde. Diesmal traf es einen Verkehrskoordinator. Die Angreifer nutzten das Konto, um gefälschte Ausschreibungen zu versenden. Erst wenige Tage zuvor war bereits das Konto eines stellvertretenden Feuerwehrchefs kompromittiert worden.

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In University City, Missouri, bestätigten Kommunikationsverantwortliche am 22. Juli, dass ein monatelanger Ausfall von Online-Diensten die Folge eines Cyberangriffs war. Seit dem 17. Juni laufen Zahlungen und Genehmigungsverfahren manuell. Zwar gelang es der Stadt, einen Datendiebstahl zu verhindern. Doch die Sicherheitslücke war tief genug, um den Betrieb lahmzulegen. Eine Cloud-Migration und Infrastruktur-Aufrüstung für 170.000 Dollar soll künftige Angriffe verhindern.

In Brighton, Ontario, entdeckte die Stadtverwaltung am 10. Juli einen unbefugten Zugriff auf ihr E-Mail-System. Experten für Cybersicherheit und IT-Spezialisten des Bezirks untersuchen derzeit das Ausmaß des Eindringens.

Internationale Dimension: Millionenverluste in Asien

Die Betrugswelle beschränkt sich nicht auf Nordamerika. In Singapur meldeten die Strafverfolgungsbehörden, dass seit Februar 2026 mindestens 98 Opfer umgerechnet rund 8,5 Millionen Dollar verloren haben. Die Täter gaben sich als Beamte des Justizministeriums aus. Diese Form des Behördentricks hat sich in der Region zwischen 2024 und 2025 mehr als verdoppelt.

In Indien klagte die Central Bureau of Investigation (CBI) sieben Personen an. Ihnen wird vorgeworfen, umgerechnet rund 340 Crore Rupien (etwa 38 Millionen Euro) aus den Konten der Stadt Chandigarh und lokaler Gemeinden abgezweigt zu haben. Der Drahtzieher soll ein ehemaliger Bankmanager gewesen sein. Zwischen September 2024 und September 2025 wurden 87 betrügerische Lastschriften getätigt.

In den USA erhob eine Bundesjury am 22. Juli Anklage wegen des Diebstahls von mehr als 300.000 Dollar aus Zuschussmitteln einer Wildtierstiftung in Pennsylvania. Die Täter hatten zwischen Februar und Mai 2024 mit gefälschten E-Mails und Rechnungen Gelder des US-amerikanischen Fisch- und Wildtierdienstes umgeleitet.

Künstliche Intelligenz als Brandbeschleuniger

Analysten und Ratingagenturen sehen in der Künstlichen Intelligenz einen neuen Risikofaktor. Moody’s wies kürzlich darauf hin, dass KI neue Angriffsvektoren schafft, die gezielt Finanzbeamte in kleineren Kommunen ins Visier nehmen.

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Einige Großstädte reagieren mit massiven Investitionen. New York City hat für das Haushaltsjahr 2026 rund 105,8 Millionen Dollar für Cybersicherheit eingeplant, für die Jahre 2027 und 2028 sind es 104,3 Millionen Dollar. Der Bundesstaat Indiana empfiehlt Kommunen, verpflichtende Notfallpläne, Multi-Faktor-Authentifizierung und eine externe Prüfung aller Zahlungsänderungen einzuführen.

Wie hoch die Kosten eines Versagens sein können, zeigt der Fall von Union County in Ohio. Die Bezirksverwaltung zahlte offenbar eine Million Dollar in Bitcoin an die Erpressergruppe Kairos. Die Lösegeldforderung sollte verhindern, dass mehr als zwei Terabyte gestohlener Daten veröffentlicht werden.