Schockanrufe, falsche Polizeibeamte und KI-gestützte Phishing-Attacken – die Sicherheitsbehörden verzeichnen eine massive Zunahme betrügerischer Aktivitäten. Besonders über das Pfingstwochenende und in den ersten Tagen dieser Woche erbeuteten Täter unter dem Vorwand offizieller Funktionen oder familiärer Notlagen hohe Geldbeträge. Experten prognostizieren für 2026 bereits jetzt Rekordschäden durch mobile Cyberkriminalität.
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Schockanrufe: Täter täuschen Unfälle und Notlagen vor
Die Polizeipräsidien aus dem gesamten Bundesgebiet melden eine signifikante Welle von Betrugsversuchen. Besonders betroffen war der Landkreis Lörrach. Das Polizeipräsidium Freiburg verzeichnete über die Pfingsttage eine serie von Anrufen durch „falsche Polizeibeamte“. Die Täter behaupten, das Vermögen der Opfer sei durch einen bevorstehenden Einbruch gefährdet und müsse in Sicherheit gebracht werden.
Ähnliche Berichte kamen aus Mainz. Allein am Montag registrierte die Polizei dort zwischen 10 und 15 Meldungen über Callcenter-Betrug. Neben falschen Polizeibeamten lockten die Täter mit Gewinnversprechen, für deren Auszahlung die Opfer vorab eine angebliche Bearbeitungsgebühr zahlen sollten. Die Polizeidirektion Neustadt an der Weinstraße gab ebenfalls eine dringende Warnung vor einer aktuellen Welle von Schockanrufen heraus.
Besonders erfolgreich waren Betrüger in Niederbayern. In Deggendorf und Dingolfing verloren drei Seniorinnen im Alter von 76, 77 und 81 Jahren eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich. Die Täter täuschten einen schweren Verkehrsunfall eines Angehörigen vor und forderten eine Kaution. In Karlsruhe-Mühlburg wurde eine 93-jährige Frau Opfer des Enkeltricks und übergab rund 10.000 Euro an einen Unbekannten.
Falsche Bankmitarbeiter und Fernzugriff auf den Rechner
Neben den psychologisch unter Druck setzenden Schockanrufen setzen Kriminelle vermehrt auf technische Täuschung. In Neuss gelang es Betrügern, als vermeintliche Bankmitarbeiter aufzutreten. Sie gaben vor, unrechtmäßige Abbuchungen prüfen zu müssen, und erschlichen sich so die EC-Karten samt PIN von zwei älteren Damen. Die Polizei sucht nach mehreren männlichen Tatverdächtigen zwischen 20 und 30 Jahren.
In Jena begann die Masche mit einer Pop-up-Meldung auf dem Computer. Eine Frau glaubte, den offiziellen Microsoft-Kundendienst zu kontaktieren, und ermöglichte den Tätern per Fernzugriff den Zugriff auf ihren Rechner. Die Kriminellen erlangten Kontodaten und Passwörter. Die Geschädigte bestätigte mehrere Push-TAN-Aufträge – das Konto wurde geleert.
Auch im E-Mail-Verkehr gibt es neue Warnungen. Vermehrt werden gefälschte Zahlungsaufforderungen zum Deutschland-Ticket versendet. Die E-Mails nutzen das Logo der Deutschen Bahn und drohen mit Inkassoverfahren. Die Empfänger sollen ausstehende Beträge auf ein litauisches Konto überweisen. Die Polizei rät: Solche Mails ignorieren, keinesfalls Zahlungen leisten.
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Prävention: Polizei und Kommunen verstärken Aufklärung
Angesichts der anhaltenden Welle verstärken Kommunen und Polizeibehörden ihre Aufklärungsarbeit. Bereits Mitte Mai informierte die Kriminalpolizei in Leimen über aktuelle Tricks am Telefon und im Netz. Vanessa Schmitt von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Mannheim betonte, dass sich Anrufe zu Themen wie Krankenversicherung und Pflegeleistungen häufen. Dabei werden gezielt persönliche Daten abgefragt.
In Wiesbaden bietet der Seniorenbeirat Anfang Juni eine spezielle Telefonsprechstunde an. Eine zertifizierte Sicherheitsberaterin informiert über den Schutz vor Trickbetrug. Hintergrund ist unter anderem ein Vorfall im Stadtteil Wallau am vergangenen Wochenende.
Dass Wachsamkeit entscheidend sein kann, zeigt eine Ehrung in Mainz. Ein 45-jähriger Mann wurde für seine Zivilcourage ausgezeichnet. Er hatte im Februar in einem Getränkemarkt einen Senior bemerkt, der Paysafe-Karten erwerben wollte. Der Zeuge schaltete die Polizei ein und verhinderte so, dass der 86-Jährige, der bereits über 40.000 Euro an falsche Interpol-Ermittler verloren hatte, weiteren Schaden erlitt.
KI treibt Schadenssummen in die Höhe
Die Dimension der Bedrohung wird in den aktuellen Statistiken deutlich. Experten schätzen den weltweiten Gesamtschaden durch mobile Cyberkriminalität für 2026 auf rund 442 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Treiber: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Schätzungen zufolge werden mittlerweile 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen durch KI-Anwendungen unterstützt.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Banking-Trojanern. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Fallzahlen um 196 Prozent auf rund 1,24 Millionen Vorfälle. Parallel dazu beobachten Sicherheitsanalysten eine Zunahme des sogenannten „Quishing“ – Phishing über manipulierte QR-Codes. Die weltweiten Fallzahlen stiegen hier um 150 Prozent auf etwa 18 Millionen Vorfälle. Die Täter professionalisieren ihre Methoden zunehmend und adaptieren technologische Neuerungen unmittelbar.
Was tun bei verdächtigen Anrufen?
Die Polizeibehörden betonen: Offizielle Stellen wie Polizei, Staatsanwaltschaften oder Bankinstitute fordern niemals telefonisch zur Übergabe von Bargeld oder Wertsachen auf. Auch die Abfrage von PINs oder Passwörtern am Telefon oder per E-Mail findet durch seriöse Unternehmen nicht statt.
Für die kommenden Monate ist mit einer weiteren Verfeinerung der Betrugsmethoden zu rechnen. Sicherheitsbehörden appellieren daher nicht nur an potenzielle Opfer, sondern auch an Taxifahrer oder Bankmitarbeiter. Sie sind oft die letzte Instanz, bevor eine Geldübergabe stattfindet. Bei verdächtigen Abhebungen oder Fahrten älterer Personen sollten sie umgehend die Polizei über den Notruf 110 verständigen. Betroffene werden ermutigt, verdächtige Anrufe sofort abzubrechen und jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen.

