Cyberkriminalität: Boss Scam und Deepfakes locken Millionen in Falle

Behörden warnen vor einer neuen Welle hochentwickelter Betrugsversuche mit Deepfakes und manipulierten E-Mails.

Deepfakes, falsche Chefs und manipulierte E-Mails: Cyberkriminelle werden immer dreister. Weltweit warnen Aufsichtsbehörden vor einer neuen Generation von Phishing-Angriffen, die selbst erfahrene Nutzer in die Falle locken.

Die Sicherheitslage hat sich dramatisch verschärft. Am heutigen Montag haben mehrere Behörden gleichzeitig vor einer globalen Zunahme hochentwickelter Betrugsmethoden gewarnt. Im Zentrum der Angriffe: Deepfake-Technologie, der Missbrauch seriöser Plattformen und immer raffiniertere technische Tricks, um Sicherheitsfilter zu umgehen. Betroffen sind Regierungen, Bildungseinrichtungen und Privatanleger gleichermaßen.

Der „Boss-Schwindel“: Wenn der Chef plötzlich auf WhatsApp schreibt

Besonders perfide ist eine Masche, die derzeit Unternehmen in Schach hält. Die indische Wertpapieraufsicht SEBI warnte am heutigen Montag vor dem sogenannten „Boss Scam“. Dabei geben sich Kriminelle auf WhatsApp als Vorstandsvorsitzende aus und fordern Finanzmitarbeiter zu dringenden Überweisungen auf. Die Polizei der Andamanen und Nikobaren schloss sich der Warnung an: Auch dort geben Betrüger vor, hohe Regierungsbeamte zu sein, um Geld oder Online-Käufe zu erschleichen.

Doch nicht nur Unternehmen sind im Visier. David Schwartz, der frühere Technologiechef von Ripple, schlug bereits am Sonntag Alarm: Die allermeisten Instagram-Accounts mit seinem Namen seien gefälscht. Er selbst nutze die Plattform gar nicht – die Warnung kommt nicht von ungefähr, denn Betrugsmaschen rund um das XRP-Ledger nehmen rasant zu.

Ein besonders dreister Fall ereignete sich in Bengaluru: Ein Rentner verlor umgerechnet rund 8.500 Euro, nachdem er auf ein Deepfake-Video hereinfiel, das angeblich Finanzministerin Nirmala Sitharaman zeigte. Das Video war zwischen März und Juni auf Facebook unterwegs und bewarb ein betrügerisches Anlageschema.

Millionenverluste bei Schulen und Sozialleistungen

Die finanziellen Schäden sind enorm – und treffen oft die Schwächsten. In Wisconsin muss sich eine 50-jährige Frau am 27. Juli vor Gericht verantworten. Sie soll gefälschte Rechnungen an einen Schulbezirk geschickt und so knapp 63.000 Euro erbeutet haben.

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Noch dramatischer ist die Lage bei US-Sozialleistungen. Der Kongressabgeordnete French Hill machte öffentlich, dass das Landwirtschaftsministerium (USDA) zwischen Oktober 2022 und Dezember 2024 den Diebstahl von rund 300 Millionen Euro an SNAP-Leistungen (Lebensmittelhilfe) nicht verhindern konnte. Allein in Arkansas verloren über 1.100 Familien mehr als 510.000 Euro durch Karten-Skimming und ähnlichen Betrug im Jahr 2024.

Auch in Asien reagieren die Behörden: Der Provinzrat von Cebu auf den Philippinen verabschiedete Mitte Juli eine Resolution, die vor falschen National-ID-Mitarbeitern warnt. Diese sammeln persönliche Daten und kassieren Gebühren – und verschwinden dann.

Die neue Waffe der Hacker: Unsichtbarer Text und gekaperte Zoom-Links

Die technischen Methoden werden immer ausgefeilter. Forscher des Sicherheitsunternehmens Barracuda haben seit April über eine Million Phishing-Angriffe mit einer Technik namens „Text Salting“ registriert. Dabei verstecken Angreifer unsichtbaren Fülltext in E-Mails, um KI-basierte Sicherheitsfilter auszutricksen. Die Mails stammen oft von kompromittierten, aber eigentlich vertrauenswürdigen Domänen.

Parallel dazu werden legitime Kommunikationsdienste zweckentfremdet. Aktuelle Berichte zeigen, dass Betrüger Zoom Events nutzen, um gefälschte Dateifreigabe-Benachrichtigungen zu verschicken – und das von echten Zoom-Adressen aus. Wer darauf klickt, landet auf einer manipulierte Seite, die Microsoft-Zugangsdaten stiehlt oder Schadsoftware installiert.

Selbst Passwort-Manager sind nicht sicher. Eine Mitte Juli identifizierte Kampagne zielte auf Nutzer von LastPass und Bitwarden ab. Die Angreifer registrierten am 13. Juli täuschend echte Domains und verschickten gefälschte Compliance-Hinweise. Über manipulierte DocuSign-Seiten wurde letztlich Schadsoftware auf die Rechner der Opfer geschleust.

Zwei neue Schadsoftware-Familien im Umlauf

In Südostasien machen gleich zwei neue Malware-Stränge von sich reden:

  • RedHook: Ein Android-Schädling, der gezielt Nutzer in Vietnam und Indonesien angreift. Er missbraucht die drahtlose Debugging-Funktion von Android, um Bankzugänge zu stehlen.
  • GoSerpent: Eine koordinierte Malware-Kette, die seit Ende 2025 aktiv ist. Ihr Ziel: Diplomaten und Regierungsorganisationen. Die Angreifer wollen sensible Dateien abgreifen.
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Vishing ist die Nummer eins – und plötzlich kommt die Post

Die Methoden der Betrüger werden nicht nur digitaler, sondern auch kreativer. Die Polizei im australischen Queensland warnte vor einer ungewöhnlichen Kampagne: Phishing per Brief. Zwischen dem 3. und 7. Juli verloren Opfer dort umgerechnet über 1,3 Millionen Euro – nachdem sie QR-Codes auf physischen Briefen gescannt und ihre Bankdaten preisgegeben hatten.

Doch der Klassiker bleibt das Telefon. Eine Analyse der ING Bank Rumänien und der nationalen Cybersicherheitsbehörde DNSC zeigt: In der ersten Jahreshälfte 2024 entfielen 42 Prozent aller Betrugsfälle auf „Vishing“ (Telefonbetrug). „Smishing“ (SMS-Betrug) und klassisches E-Mail-Phishing lagen bei 13 beziehungsweise 14 Prozent. Allein in Rumänien registrierte die Polizei rund 15.000 Straftaten in diesem Bereich.

Die Botschaft der Experten ist klar: Die Bedrohung ist real, alltäglich und wird immer professioneller. Wer jetzt nicht wachsam ist, kann schnell zum Opfer werden.