Die erste Jahreshälfte 2026 war ein Rekordquartal für Cyberkriminelle. Die Zahl der Betrugsfälle über gefälschte Online-Shops stieg um 134 Prozent. Das zeigt der aktuelle Gen Threat Report. Experten beobachten eine klare Verschiebung: Weg von Phishing-Mails, hin zu Messengerdiensten wie WhatsApp.
114 Millionen Fake-Shop-Angriffe weltweit
Weltweit registrierten die Sicherheitsforscher von Gen bereits 114 Millionen Angriffe über Fake-Shops – ein Plus von 109 Prozent. In Deutschland blockierten Sicherheitsanbieter allein 2,3 Millionen Versuche von Tech-Support-Betrug. Damit liegt die Bundesrepublik hinter den USA und Frankreich auf Platz drei der weltweiten Statistik.
Besonders rasant entwickelt sich der Identitätsbetrug unter Einbeziehung von Familienangehörigen. Die Fallzahlen stiegen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 um 454 Prozent.
BKA zerschlägt Phishing-Plattform „Kratos“
Doch es gibt auch Erfolgsmeldungen. Dem Bundeskriminalamt und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main gelang in Zusammenarbeit mit dem FBI die Zerschlagung der Phishing-as-a-Service-Plattform „Kratos“. Seit 2024 operierte das Netzwerk, über das rund 1.800 Nutzer monatlich etwa 15.000 kriminelle Kampagnen in 35 Ländern durchführten.
Die Plattform bot digitale Baukästen für gefälschte Authentifizierungsseiten an. Damit griffen Kriminelle Zugangsdaten ab. Ein Hauptadministrator wurde in Indonesien festgenommen.
WhatsApp wird zum Einfallstor
Kriminelle verlagern ihre Angriffe zunehmend auf direkte Kommunikationswege. In einem aktuellen Fall nutzten sie kompromittierte Hotel-Konten auf Buchungsplattformen. Sie kontaktierten Gäste via WhatsApp, gaben vor, eine Zahlungsbestätigung für bestehende Buchungen zu benötigen, und lockten die Opfer auf gefälschte Seiten. Ziel: Kreditkartendaten abgreifen.
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Auch illegale Drogenlieferdienste in Berlin setzen auf Messenger. Sie nutzen QR-Codes und Rabattaktionen, um Kunden zu schnellen Bestellungen zu bewegen. Ermittler warnen zudem vor Quishing-Angriffen – manipulierten QR-Codes im Einzelhandel oder an öffentlichen Orten, die auf betrügerische Webseiten führen.
Im privaten Umfeld geben sich Betrüger über Messenger als Ärzte oder Behördenvertreter aus. In der Region Lenzen wurde eine Frau um einen vierstelligen Betrag betrogen. Ein vermeintlicher Mediziner forderte sie zur Übermittlung von Guthabenkarten-Codes auf.
KI macht Betrugsversuche gefährlicher
Das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnen eindringlich: Künstliche Intelligenz hebt die Qualität der Betrugsversuche auf ein neues Niveau. Kriminelle nutzen Deepfake-Technologien, um Stimmen bei Schockanrufen zu klonen oder täuschend echte Videonachrichten zu erstellen.
In Mainz berichtete die Polizei von einem Erpressungsversuch mit einem KI-generierten Video. Die Täter täuschten eine gefälschte Nachrichtensendung vor, um Druck auf das Opfer auszuüben. Das FBI schätzt, dass mittlerweile 85 Prozent aller Betrugsfälle auf Identitätsdiebstahl basieren – erheblich erleichtert durch diese Technologien.
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Bundesregierung legt 26-Punkte-Plan vor
Die Bundesregierung reagiert mit einem umfassenden Maßnahmenpaket. Der 26-Punkte-Plan sieht unter anderem KI-gestützte Datenanalysen und verstärkte Untersuchungen von Blockchain-Transaktionen vor. Die Zahl der Verdachtsmeldungen bei der Financial Intelligence Unit stieg im vergangenen Jahr auf über 374.000 Fälle. Besonders Neobanken meldeten sprunghaft mehr verdächtige Transaktionen.
Experten raten Verbrauchern zu erhöhter Vorsicht bei unaufgeforderten Nachrichten über Messenger. Grundsatz: Bei Zahlungsaufforderungen offizielle Kanäle nutzen, keine sensiblen Daten oder PINs weitergeben und bei Zweifeln die betreffenden Institutionen über bekannte Telefonnummern zurückrufen. Links in E-Mails oder Messengern – wie aktuell im Namen der AOK mit einem angeblichen Austausch der Gesundheitskarte – besser nicht anklicken.

