Cyberkriminalität: Identitätsdiebstahl weltweit um 454% gestiegen

Neuer Threat Report zeigt massive Zunahme von KI-gestützten Betrugsmaschen und Schadsoftware in Deutschland und weltweit.

Die Sicherheitslage im digitalen Raum hat sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich verschärft. Laut dem aktuellen Threat Report des Sicherheitsunternehmens Gen Digital verzeichnen insbesondere Deutschland und der globale Markt einen drastischen Anstieg komplexer Angriffsmuster. Im Fokus stehen dabei hochentwickelte Schadsoftware sowie Betrugsmaschen, die zunehmend auf künstlicher Intelligenz basieren.

Massive Zunahme bei Droppern und Trojanern

In Deutschland ist die Zahl der sogenannten Dropper im Vergleich zum Vorjahr um 160 % gestiegen. Diese Programme dienen dazu, unbemerkt weitere Schadsoftware auf ein System nachzuladen. Auch bei Trojanern verzeichneten die Experten von Gen Digital ein Plus von 145 %. Parallel dazu wächst die Gefahr durch Betrug in Online-Shops, wo ein Anstieg von 134 % gemessen wurde.

Das allgemeine Betrugsrisiko in der Bundesrepublik erhöhte sich laut dem Bericht um 52 %, während Versuche zum Passwortdiebstahl um 34 % zunahmen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem sogenannten Tech-Support-Betrug: Gen Digital gab an, in Deutschland rund 2,3 Millionen solcher Angriffe abgewehrt zu haben. Weltweit belief sich die Zahl der blockierten Tech-Support-Attacken auf 20,3 Millionen.

Global betrachtet ist die Entwicklung noch deutlicher. Die Fälle von Identitätsdiebstahl stiegen weltweit um 454 %, während Angriffe durch Fake-Shops um 109 % zunahmen. Insgesamt konnten laut dem Bericht 114,2 Millionen Fake-Shop-Angriffe blockiert werden. Als neue, ernstzunehmende Bedrohung identifizierten die Sicherheitsanalysten zudem den Einsatz von KI-Agenten durch Cyberkriminelle.

Neue Maschen bei Messenger-Diensten und Abonnements

Aktuelle Warnungen der Polizei und von Verbraucherschützern unterstreichen die Vielfalt der Bedrohungen. Die Polizei warnt derzeit vor einer neuen Betrugsmasche bei WhatsApp, dem sogenannten Ghost Pairing. Dabei kapern Kriminelle Konten über gefälschte Abstimmungslinks. In einem Fall aus Rostock verlor ein 65-jähriger Nutzer die Kontrolle über sein Konto, woraufhin seine Kontakte von den Tätern um Geld gebeten wurden.

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Die Verbraucherzentrale weist zudem auf eine Welle unberechtigter Rechnungen und Mahnungen für angebliche Jahresabonnements hin. Betroffen sind Marken wie Astrolonova, Fitnovaness oder Bongochat, die dem Unternehmen Margot Brands Limited aus Hongkong zugeordnet werden.

Gerichtsurteil zur Haftung bei Fake-Shop-Anzeigen

Ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts Starnberg könnte weitreichende Folgen für Plattformbetreiber haben. Das Gericht verurteilte Google zur Haftung für eine Werbeanzeige eines Fake-Shops. Ein Kläger aus Bayern hatte über eine Anzeige einen Fahrradständer für 490 Euro bestellt, die Ware jedoch nie erhalten. Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass Google den Betrug hätte erkennen müssen. Der US-Konzern hält das Urteil für fehlerhaft und prüft derzeit rechtliche Mittel dagegen.

Emotionale Manipulation und Unternehmenskriminalität

Besonders perfide Methoden zeigen sich im Bereich des Love Scamming. In Freiburg wurde ein Fall bekannt, bei dem ein Opfer über zehn Wochen hinweg mit einem vermeintlichen Partner chattete, der schließlich 3.000 Euro forderte. Später stellte sich heraus, dass die Kommunikation vollständig über eine künstliche Intelligenz abgewickelt wurde.

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Die finanziellen Schäden durch solche emotionalen Manipulationsmaschen sind beträchtlich. Das LKA Baden-Württemberg registrierte für das Jahr 2025 eine Fallzahl im beinahe vierstelligen Bereich mit einem Gesamtschaden von rund 14 Millionen Euro. Der Weiße Ring bezifferte den Schaden durch Love Scamming in Baden-Württemberg for das Jahr 2024 sogar auf 18 Millionen Euro.

Auch Unternehmen stehen unter verstärktem Druck. Laut Analysen von KnowBe4 erlitten 86 % der Fortune-100-Unternehmen in den letzten 12 Monaten Datenlecks infolge von Phishing-Angriffen. 84 % der Sicherheitsverantwortlichen stufen KI-generiertes Phishing mittlerweile als größte Bedrohung ein. Die Professionalisierung der Szene zeigt sich auch in der Verfügbarkeit von Phishing-as-a-Service-Diensten, die bereits für monatliche Beträge zwischen 50 und 250 US-Dollar angeboten werden.