Der KI-Entwickler Anthropic weitet seine Initiative Project Glasswing massiv aus. Wie das Unternehmen am 2. Juni 2026 bekannt gab, erhalten 150 neue Organisationen in über 15 Ländern Zugang zum leistungsstarken Mythos-Modell. Im Fokus steht der Schutz kritischer Infrastrukturen: Stromnetze, Wasserversorgung, Gesundheitssysteme, Kommunikation und Hardware-Hersteller.
Von der Testphase zur globalen Offensive
Anzeige: Während Anthropics Mythos-Modell 10.000 Schwachstellen aufdeckt, wurden nur 75 behoben – ein gefährlicher Patch-Bottleneck. Erfahren Sie in unserem Whitepaper, wie Sie mit KI-gestützter Priorisierung und Reparatur das Tempo halten. Whitepaper: 5 Strategien gegen das Patch-Bottleneck anfordern
Der Schritt folgt auf eine erfolgreiche Testphase mit 50 Partnerunternehmen, darunter Tech-Giganten wie Amazon Web Services, Apple, Microsoft, NVIDIA und CrowdStrike. Nun stoßen weitere Schwergewichte dazu: Samsung, Okta, SK Hynix und SK Telecom sind ebenso an Bord wie internationale Organisationen. Die NATO und die Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA) haben ebenfalls Zugang erhalten.
Das Timing ist kein Zufall. Die Bedrohungslage für kritische Infrastrukturen hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschärft. Ein erfolgreicher Angriff auf einen einzigen großen Partner könnte laut Anthropic mehr als 100 Millionen Menschen betreffen.
10.000 Schwachstellen entdeckt – aber nur 75 behoben
Die Ergebnisse der Testphase sind beeindruckend – und zugleich alarmierend. Seit April haben die teilnehmenden Organisationen mit Hilfe des Mythos-Modells mehr als 10.000 Schwachstellen mit hohem oder kritischem Schweregrad identifiziert.
Die Zahlen im Einzelnen:
– Cloudflare entdeckte 2.000 Fehler, davon 400 mit hohem oder kritischem Risiko
– Mozilla fand 271 Sicherheitslücken in Firefox 150
– Anthropic scannte über 1.000 Open-Source-Projekte und identifizierte 23.019 potenzielle Schwachstellen, davon über 6.200 als schwerwiegend eingestuft
Doch hier liegt das Problem: Während die KI Schwachstellen 10- bis 100-mal schneller findet als menschliche Teams, hinken die Reparaturen hinterher. Bislang wurden lediglich 75 der kritischen oder schwerwiegenden Sicherheitslücken tatsächlich geschlossen. Branchenexperten sprechen bereits von einem gefährlichen „Patch-Bottleneck“ – einem Engpass bei der Behebung der entdeckten Lücken.
Der Wettlauf gegen die Zeit
Anthropic geht davon aus, dass KI-Modelle mit ähnlichen Fähigkeiten wie Mythos innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate weit verbreitet sein werden. Diese Prognose hat den Druck auf das Unternehmen erhöht, nicht nur Schwachstellen zu finden, sondern auch deren Behebung zu beschleunigen.
Die Antwort: ein neues Produkt namens Claude Security. In nur drei Wochen half es dabei, mehr als 2.100 Sicherheitslücken zu schließen. Das ist fast das 30-fache dessen, was im gesamten bisherigen Programm behoben wurde.
Milliardenschwere Expansion
Anzeige: Die Bedrohungslage für kritische Infrastruktur eskaliert: KI findet Lücken 100x schneller als Teams sie schließen. Unser Whitepaper liefert eine Checkliste zur Priorisierung und zeigt, wie Claude Security in drei Wochen 2.100 Lücken schloss – 30x mehr als zuvor. Jetzt Checkliste und Fallstudie sichern
Die Ausweitung von Project Glasswing fällt mit einer entscheidenden Phase für Anthropic zusammen. Das Unternehmen hat kürzlich einen vertraulichen Börsengang (IPO) bei der US-Börsenaufsicht SEC angemeldet. Zuvor hatte eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Euro den KI-Konzern mit rund einer Billion Euro bewertet.
Für Europa ist besonders relevant: Anthropic bietet das Mythos-Modell nun gezielt EU-Institutionen an. Auch Partner in Indien und 14 weiteren Ländern wurden in das Programm aufgenommen. Finanzinfrastruktur-Dienstleister wie Swift, Euroclear und ICE sollen die Widerstandsfähigkeit der globalen Märkte stärken.
Die Frage bleibt: Reicht das Tempo aus? Während die KI immer schneller Lücken findet, müssen die Sicherheitsverantwortlichen in Krankenhäusern, Kraftwerken und Banken nachlegen – bevor die Angreifer es tun.

