Cybersicherheit: 164% mehr Stellen während Tech-Branche 116.000 Jobs streicht

Während Tech-Konzerne massiv Stellen streichen, verzeichnet die Cybersicherheitsbranche ein Rekordwachstum mit stark steigenden Gehältern.

Die Nachfrage nach Sicherheitsexperten ist in einigen Regionen um mehr als das Doppelte gestiegen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem große Technologiekonzerne seit Jahresbeginn über 100.000 Arbeitsplätze abgebaut haben.

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Großbritannien als Vorreiter: 164 Prozent mehr Stellen

Besonders deutlich zeigt sich der Trend auf dem britischen Arbeitsmarkt. In den sechs Monaten bis zum 7. Juni 2026 wurden dort 7.352 offene Stellen im Bereich Cybersicherheit gezählt – ein Anstieg um 164 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ein regelrechter Boom, der zeigt: Unternehmen investieren trotz oder gerade wegen wachsender Bedrohungen massiv in ihre digitale Verteidigung.

Auch die Gehälter ziehen an. Das mittlere Jahresgehalt für Cybersicherheitspositionen in Großbritannien liegt bei umgerechnet rund 70.000 Euro – ein Plus von gut vier Prozent. In London sind es sogar etwa 84.500 Euro. Wer eine Führungsposition wie „Head of Security“ anstrebt, kann mit einem Mediangehalt von rund 110.000 Euro rechnen. Fast 100 solcher Spitzenpositionen sind derzeit unbesetzt.

Cloud-Kompetenz als Schlüsselqualifikation

Wer im Sicherheitsbereich Fuß fassen will, kommt an Cloud-Technologien nicht vorbei. Rund 39 Prozent aller Stellenausschreibungen verlangen Kenntnisse in Microsoft-Umgebungen, knapp 38 Prozent setzen Azure-Kenntnisse voraus. Auch Zertifizierungen wie CISSP oder die Beherrschung des Sicherheitsstandards ISO 27001 sind gefragt wie nie.

Die andere Seite: Massenentlassungen bei Tech-Giganten

Der Kontrast zur übrigen Tech-Branche könnte kaum größer sein. Seit Jahresbeginn haben Konzerne weltweit 116.739 Stellen gestrichen. Besonders hart traf es die Belegschaften im März mit über 46.000 Entlassungen. Auch der Mai war mit fast 29.000 gestrichenen Positionen ein schwieriger Monat.

Meta reduziert seine Belegschaft um zehn Prozent, PayPal plant den Abbau von 4.760 Stellen, und Cisco hat 4.000 Jobs gestrichen. Ein Kahlschlag, der zeigt: Die goldene Ära unbegrenzten Tech-Wachstums ist vorerst vorbei.

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Indien setzt auf KI und Cloud

Doch nicht überall wird nur gestrichen. In Indien etwa blieb die Nachfrage nach Fachkräften im ersten Halbjahr stabil – getrieben vor allem durch Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. KI-bezogene Stellen legten um 22 Prozent zu, in Städten wie Hyderabad sogar um 44 Prozent. Viele Berufseinsteiger setzen daher auf Weiterbildung in den Bereichen KI, Cloud Computing und Cybersicherheit, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Institutionen suchen händeringend Spezialisten

Auch internationale Organisationen stocken auf. Das Europäische Zentrum für Cyberkriminalität bei Europol sucht eine Führungskraft für sein Team für rechtmäßigen Zugriff – Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2026. In den USA stellt SecureBio Detection in Cambridge hochqualifizierte Cloud- und Software-Ingenieure ein, die an der Früherkennung biologischer Bedrohungen arbeiten. Die Gehälter liegen zwischen 165.000 und 220.000 Dollar – umgerechnet bis zu 205.000 Euro.

US-Arbeitsmarkt überrascht mit starken Zahlen

Der Stellenboom im Sicherheitsbereich ist Teil eines größeren Bildes. Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Jobs – weit mehr als die prognostizierten 80.000. Auch der April fiel mit revidierten 179.000 Stellen besser aus als zunächst gemeldet.

Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,3 Prozent, die Durchschnittslöhne stiegen um 3,4 Prozent. Doch die Inflation bei Treibstoff und Lebensmitteln frisst einen Teil der Realeinkommen auf. Analysten rechnen daher zunehmend mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank noch vor Jahresende – ein Schritt, der auch die Finanzmärkte in Europa und Deutschland beeinflussen dürfte.