Künstliche Intelligenz treibt die Bedrohungslage massiv voran, warnen führende Sicherheitsbehörden auf einer Fachkonferenz in Potsdam.
KI-Systeme ermöglichen Angreifern, Schwachstellen nahezu autonom zu identifizieren und innerhalb kürzester Zeit in Angriffe umzusetzen. Die Reaktionsgeschwindigkeit der Kriminellen hat sich dadurch drastisch erhöht.
Deutschland wird zum Ransomware-Hotspot
Die Bedrohung durch Erpressungssoftware bleibt hoch – und steigt weiter. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte 2025 insgesamt 1.041 Ransomware-Fälle, nach 950 im Vorjahr. Experten des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) bezeichnen Deutschland mittlerweile als europäischen Hotspot. Die Zuwachsraten sind hier fast doppelt so hoch wie in Frankreich.
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Lösegeldforderungen liegen im Durchschnitt bei mehreren Hunderttausend Euro. Wochenlange Systemausfälle kommen dazu. Besonders der Gesundheitssektor steht im Visier der Täter.
Laut HPI-Experte Christian Dörr führen die Spuren der Angreifer häufig nach Russland. Zunehmend beobachten die Ermittler eine Vermischung von Cyberkriminellen und staatlichen Akteuren.
KI-Betrug überholt Ransomware als größtes Risiko
Während Ransomware eine Kernbedrohung bleibt, gewinnen KI-gestützte Betrugsszenarien rasant an Bedeutung. Marktanalysen des World Economic Forum (WEF) deuten für 2026 darauf hin: KI-Betrug hat Ransomware als größtes Cyberrisiko abgelöst. Rund 73 Prozent der Führungskräfte berichten bereits von entsprechenden Vorfällen.
Besonders für Nutzer von Mobilgeräten und sozialen Medien verschärft sich die Lage. Branchenanalysen wie der CSC CISO Outlook prognostizieren Identitätsdiebstahl in sozialen Netzwerken als größte Bedrohung des Jahres.
KI-Betrug hat Ransomware als größtes Cyberrisiko abgelöst – 73 % der Führungskräfte berichten bereits von Vorfällen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie KI-Phishing erkennen und Ihre digitale Angriffsfläche minimieren. Jetzt kostenlosen Sicherheits-Leitfaden anfordern
Phishing bleibt der zentrale Angriffsvektor: Etwa 84 Prozent aller erfolgreichen Cyberangriffe lassen sich auf manipulierte Nachrichten zurückführen. Zwar ist die Gesamtzahl der Phishing-Versuche laut Marktforschern um rund 20 Prozent gesunken. Doch die Angriffe werden durch KI-Unterstützung deutlich zielgerichteter und schwerer erkennbar.
Schwachstellensuche in Rekordzeit
Die Geschwindigkeit, mit der KI-Modelle Sicherheitslücken aufspüren, hat eine neue Dimension erreicht. US-Behörden berichten von Testläufen mit dem KI-Modell „Claude Mythos“ (Project Glasswing). Es entdeckte Schwachstellen in komplexen Systemen innerhalb weniger Stunden – ein Prozess, der früher Wochen dauerte.
Die US-Regierung hat als Reaktion bereits Exportbeschränkungen für bestimmte hochleistungsfähige KI-Modelle erlassen.
BSI-Präsidentin Claudia Plattner betonte in Potsdam: Die kommenden Jahre dürften für die Cybersicherheit sehr unruhig verlaufen. Die Abwehrseite sei zunehmend gefordert. Angreifer nutzen die technologischen Vorteile der KI effizient, während die Verteidigung oft an betriebliche Grenzen stoße.
Behörden fordern aktive Abwehrstrategien
Angesichts der steigenden Gefahrenlage fordern Vertreter des BKA eine aktive Cyberabwehr. Ein entsprechendes Gesetz befinde sich bereits im parlamentarischen Verfahren. Parallel dazu wurde ein gemeinsames Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen in Betrieb genommen.
Ransomware-Fälle in Deutschland steigen rasant – 1.041 Fälle allein 2025, fast doppelt so viel wie in Frankreich. Schützen Sie Ihr Unternehmen mit 5 konkreten Maßnahmen zur Reduzierung der Angriffsfläche. Maßnahmen-Paket jetzt sichern
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät Unternehmen und Bürgern dringend zur Umsetzung des IT-Grundschutzes. Ein wesentlicher Baustein: die konsequente Reduzierung der digitalen Angriffsfläche.
Trotz der Risiken bewerten viele Sicherheitsverantwortliche KI auch als Chance. Laut CSC CISO Outlook nutzen bereits 57 Prozent der Unternehmen KI-basierte Überwachungstools. 44 Prozent setzen die Technologie zur Erkennung von Bedrohungen ein.

