Cyberspionage: 37% der Firmen vermuten Nachrichtendienste

Bitkom registriert mehr vermutete Nachrichtendienste hinter Angriffen, während Schäden sinken und neue Methoden wie Robo-Calls zunehmen.

Der Digitalverband Bitkom hat seinen aktuellen Wirtschaftsschutzbericht 2026 vorgelegt, der eine deutliche Verschiebung in der Bedrohungslandschaft für die deutsche Industrie aufzeigt. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung unter 671 betroffenen Unternehmen ist der wachsende Einfluss staatlicher Akteure.

Demnach vermuten inzwischen 37 % der befragten Firmen ausländische Nachrichtendienste hinter den Angriffen, was eine signifikante Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 28 % darstellt.

Geografische Schwerpunkte und Akteure

Bei der Analyse der Angriffsursprünge festigen sich bekannte geografische Muster, während die Intensität teilweise zunimmt. Mehr als die Hälfte der betroffenen Unternehmen (52 %) identifizierte China als Ursprung von Cyberattacken, was einem Zuwachs von 6 Prozentpunkten entspricht.

Russland wurde von 49 % der Befragten genannt (+3 Prozentpunkte). Einen auffälligen Anstieg verzeichnete zudem der Iran, der mit 9 % nun 5 Prozentpunkte höher gewichtet wird als im Vorjahr. Angriffe mit Ursprung in den USA wurden von 27 % der Firmen protokolliert.

Während staatlich gesteuerte Spionage an Bedeutung gewinnt, ist der Anteil klassischer Bandenkriminalität leicht rückläufig. Zwar stellen kriminelle Banden mit 62 % weiterhin die größte Gruppe der Angreifer dar, ihr Anteil sank jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozentpunkte. Angriffe durch Kunden oder Lieferanten spielen mit 8 % eine untergeordnete, aber dennoch präsente Rolle.

Schadensbilanz und Angriffsvektoren

Trotz einer leichten Entspannung bei der Gesamtschadenssumme bleibt die Belastung für die deutsche Wirtschaft massiv. Der Gesamtschaden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage wird für das aktuelle Berichtsjahr auf mindestens 211 Milliarden Euro beziffert. Die statistische Spanne reicht bis zu 270,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag dieser Wert mit 289,2 Milliarden Euro noch höher.

Die Betroffenheit innerhalb der Wirtschaft ist nahezu flächendeckend: 96 % der Unternehmen berichten von Cyberangriffen. Dabei gaben 67 % an, sicher von Übergriffen betroffen zu sein, während weitere 29 % eine Betroffenheit vermuten.

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Bei den Methoden beobachten Experten einen technologischen Wandel. Der Einsatz von sogenannten Robo-Calls hat sich mit 14 % (Vorjahr: 3 %) fast verfünffacht. Auch die Nutzung von Deepfakes zu betrügerischen Zwecken hat sich auf 8 % verdoppelt.

Demgegenüber steht ein Rückgang bei Ransomware-Attacken. Der Anteil der davon betroffenen Unternehmen sank von 34 % im Vorjahr auf nun 25 %. Allerdings zeigt sich eine höhere Bereitschaft, auf Erpressungsversuche einzugehen: Die Quote der Unternehmen, die Lösegeldzahlungen leisteten, stieg von 15 % auf 20 %.

Prävention und politische Rahmenbedingungen

Die deutschen Unternehmen reagieren auf die anhaltende Bedrohungslage mit moderaten Budgeterhöhungen. Der Anteil der IT-Sicherheitsbudgets am gesamten IT-Budget der Firmen stieg von 17 % im Vorjahr auf aktuell 18 %. Zur Erkennung von Angriffen setzen 68 % der Betriebe primär auf die Auswertung von Logdateien.

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Ein kritischer Aspekt bleibt die technologische Souveränität: Laut Bitkom-Bericht sind 59 % der Unternehmen von Sicherheitstechnik aus den USA abhängig. Flankiert wird die Sicherheitslage durch neue regulatorische Vorgaben. Erst Mitte August 2026 wurde eine Gesetzesnovelle zur Cybersicherheit verabschiedet, die den rechtlichen Rahmen für den Schutz kritischer Infrastrukturen und Unternehmen weiter verschärfen soll.