d-you startet am 2. Januar 2027: Deutschlands digitale Identität

Die Bundesregierung präsentiert d-you als digitale Identitäts-App für 2027, doch Fachleute äußern Bedenken zur IT-Sicherheit und Umsetzung.

Karsten Wildberger vom Bundesdigitalministerium (BMDS) hat am 9. September 2026 den Namen und das Logo der neuen deutschen EUDI-Wallet-App präsentiert. Unter der Bezeichnung „d-you“ soll die Anwendung zum 2. Januar 2027 offiziell an den Start gehen. Die App bildet den nationalen Kern der europäischen digitalen Identität (EUDI) und soll Bürgern ermöglichen, Behördengänge und private Rechtsgeschäfte vollständig digital abzuwickeln.

Vielfältige Funktionen und breite Unterstützung durch Partner

Zum geplanten Start am 2. Januar 2027 wird „d-you“ eine Reihe von Basisfunktionen bieten. Dazu gehören der digitale Altersnachweis, die Eröffnung von Bankkonten sowie der Abschluss von Verträgen.

Die Nutzung der Anwendung ist für Bürger freiwillig und kostenlos, wobei der physische Personalausweis weiterhin seine Gültigkeit behält. Bei Verifikationsprozessen, wie etwa dem Nachweis der Volljährigkeit beim Kauf von Alkohol, sollen nur die jeweils notwendigen Daten übermittelt werden.

Das Projekt wird von rund 40 Launch-Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung getragen. Zu den beteiligten Unternehmen und Institutionen gehören unter anderem die Deutsche Post, Vodafone, Rossmann, Eon sowie die Sparkassen.

Auch öffentliche Stellen wie die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Rentenversicherung sowie verschiedene Universitäten sind Teil des Netzwerks. Karsten Wildberger betonte im Rahmen der Vorstellung, dass das System nicht der Überwachung diene, sondern ein sicheres Leben in der digitalen Welt ermöglichen solle.

Technische Basis und internationale Zusammenarbeit mit der Ukraine

Die technologische Entwicklung der App erfolgt innerhalb des POTENTIAL-Konsortiums, einem Zusammenschluss von 20 Ländern. Ein wesentlicher Partner ist dabei die Ukraine, die als einziges Nicht-EU-Mitglied an dem Projekt beteiligt ist.

Deren Diia.Engine-Plattform, die bereits zur Automatisierung von Ministeriums-Services eingesetzt wird, floss in die Entwicklung ein. Ziel der Kooperation ist die gegenseitige Anerkennung digitaler Dokumente zwischen der EU und der Ukraine.

Betrieben wird die d-you-App von Common Code, einer Einheit der Agentur für Sprunginnovationen (Sprind). Um die Sicherheit und Transparenz zu erhöhen, ist der Quellcode der Anwendung offen zugänglich. Zudem ist ein Bug-Bounty-Programm geplant, bei dem IT-Sicherheitsexperten und Hacker gezielt nach Schwachstellen suchen sollen, um diese vor dem breiten Roll-out zu schließen.

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Investitionen, Sicherheitsbedenken und Zeitplan für den Roll-out

Die Bundesregierung investiert bis Ende 2026 rund 79,3 Millionen Euro in Projekte rund um die digitale Identität. Damit reagiert Deutschland auch auf EU-Vorgaben, die alle Mitgliedstaaten verpflichten, bis Ende 2026 eine EUDI-Wallet anzubieten. Ab Dezember 2027 müssen zudem alle Banken in der EU die Wallet im Rahmen von Identitätsprüfungen (KYC) akzeptieren.

Trotz des festgesetzten Termins im Januar 2027 gibt es kritische Stimmen bezüglich der IT-Sicherheit. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und weitere IT-Experten warnen vor sogenannten signierten Daten (Signed Credentials). Diese könnten durch ein dauerhaftes Echtheitssiegel Identitätsdiebstahl erleichtern.

Branchenexperten äußerten zudem Zweifel an der Cybersicherheit und verwiesen auf Personalmangel sowie potenzielle Mängel in der Sicherheitsarchitektur. Sollten erhebliche Restrisiken bestehen bleiben, könnte sich der Starttermin verschieben.

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Der Zeitplan sieht für Oktober und November erste Tests vor, gefolgt von umfassenden Systemtests im Dezember 2026. Nach dem offiziellen Start am 2. Januar 2027 ist eine dreimonatige Einführungsphase geplant. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist es, bereits im Laufe des Jahres 2027 einige Millionen Nutzer für die d-you-App zu gewinnen.

Eine Umfrage zeigt jedoch eine erhebliche Informationslücke in der Bevölkerung: Rund 51 Prozent der Befragten in Deutschland und Frankreich gaben an, noch nie von der EUDI-Wallet gehört zu haben.