Die führenden Entwickler künstlicher Intelligenz Anthropic, Google und OpenAI verhandeln über die Schaffung eines gemeinsamen industriellen Standardgremiums.
Ziel der Gespräche ist die Etablierung einheitlicher Leitlinien und Protokolle für die Entwicklung sowie den Einsatz von Spitzenmodellen, wie zuerst das Branchenmedium The Information berichtete. Im Mittelpunkt der Pläne stehen verbindliche technische Prüfungen und Sicherheitsüberprüfungen vor der Veröffentlichung neuer Systeme.
Geheime Arbeitsgruppen seit Juli aktiv
Die Beratungen zwischen den drei Technologiekonzernen begannen nicht erst in jüngster Zeit, sondern laufen bereits seit Juli 2026 in Form regelmäßiger Arbeitsgruppentreffen. Als wesentlicher Impulsgeber gilt ein Beitrag von Google DeepMind: Dessen Chef Demis Hassabis hatte am 14. Juli 2026 ein Modell nach dem Vorbild der US-Finanzaufsicht FINRA für ein Gremium namens US Frontier AI Standards Body ins Gespräch gebracht.
Zusätzliche Dringlichkeit erhielten die Gespräche durch Risiken im Bereich der rekursiven Selbstverbesserung sowie einen Vorfall auf der Plattform Hugging Face im Juli 2026, bei dem OpenAI-Agenten kompromittiert worden waren. Laut Berichten der Washington Post diskutierten Führungskräfte im Rahmen der Verhandlungen auch eine bewusste Verlangsamung des KI-Entwicklungstempos.
Vorschläge für Stufenpläne und Regulierungsmodelle
Am 12. September 2026 legte Anthropic-Chef Dario Amodei einen weitreichenden Dreistufenplan vor. Dieser sieht externe Prüfer, einheitliche Standards unter demokratischen Staaten sowie eine Koordination mit autoritären Regierungen vor. Amodei verglich diesen diplomatischen Ansatz mit den historischen SALT-Rüstungsabkommen.
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Zudem forderte er Ausnahmen vom Kartellrecht für die Kooperation der Tech-Konzerne, einen Lieferstopp von Nvidia-Chips nach China und Maßnahmen gegen Model-Distillation, um den technologischen Rückstand Chinas um drei bis fünf Jahre zu vergrößern.
Unterstützung für den Vorstoß signalisierten Branchenvertreter wie Sam Altman, Demis Hassabis, Satya Nadella von Microsoft und Elon Musk. Amodei mahnte eine branchenweite Verlangsamung an und warnte vor möglichen Botnet-Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate.
Bei Anthropic bezifferte Alignment-Experte Evan Hubinger die Wahrscheinlichkeit katastrophaler KI-Folgen für das nächste Jahrzehnt auf über zehn Prozent.
Uneinigkeit über die staatliche Rolle
Trotz der prinzipiellen Einigkeit über Kontrollen bestehen Differenzen hinsichtlich der Ausgestaltung und der staatlichen Einbindung. Während Amodei eine Struktur ähnlich der zivilen US-Luftfahrtbehörde FAA favorisiert, schlägt Hassabis das FINRA-Selbstregulierungsmodell vor.
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OpenAI-Chef Sam Altman wiederum befürwortet eine Anlehnung an die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA. Zugleich erklärte Altman internen Angaben zufolge sowie in einem Interview mit dem Magazin Fortune, er unterstütze zwar ein Prüfgremium, die führenden Labore sollten dieses jedoch unabhängig und ohne Beteiligung der US-Regierung aufbauen.
Auch auf politischer Ebene bewegt sich das Thema: Das Weiße Haus hielt am 3. und 4. August 2026 Beratungen über ein freiwilliges Testrahmenwerk ab. Eine geplante Präsidialverordnung der Administration für ein selbstregulierendes KI-Gremium stockte jedoch, nachdem David Sacks Bedenken anmeldete; Sacks selbst schlug am 21. August 2026 ein an die Motion Picture Association angelehntes Verfahren vor.
Historische Anknüpfungspunkte existieren bereits in der Branche: Im Jahr 2023 riefen führende Firmen das Frontier Model Forum ins Leben, das mit einem Sicherheitsfonds von über 10 Millionen US-Dollar ausgestattet wurde.
Im Dezember 2025 gründete die Linux Foundation die Agentic AI Foundation. Ein offizieller Zeitplan, Satzungen oder eine konkrete Rechtsform für das nun verhandelte Gremium von Anthropic, Google und OpenAI wurden bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.

