Daron Acemoğlu warnt: KI könnte die liberale Demokratie gefährden

Der Ökonom sieht demokratische Institutionen und Beschäftigung unter Druck, plädiert aber für KI als Werkzeug zur Stärkung beruflicher Fähigkeiten.

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Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daron Acemoğlu hat eindringlich vor den gesellschaftlichen und politischen Folgen der aktuellen technologischen Entwicklung gewarnt. In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel stellte der Ökonom fest, dass die liberale Demokratie nicht überleben werde, wenn die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz im gegenwärtigen Muster ungebremst so weitergehe.

Acemoğlu, der am renommierten Massachusetts Institute of Technology lehrt und im Jahr 2024 gemeinsam mit Simon Johnson sowie James A. Robinson mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde, sieht die Fundamente westlicher Institutionen durch diesen Trend gefährdet.

Kritik am Silicon Valley und Risiken für den Arbeitsmarkt

Ein wesentlicher Teil seiner Kritik gilt den tonangebenden Technologieunternehmen in den USA. Acemoğlu betonte, dass sich das Silicon Valley mittlerweile zu einer antidemokratischen Kraft entwickelt habe. Die dortige Bündelung wirtschaftlicher und digitaler Macht stelle eine wachsende Herausforderung für demokratische Entscheidungsprozesse dar.

Zudem wies der Ökonom auf bevorstehende Belastungen für den Arbeitsmarkt hin. Deutschland sei über viele Jahre hinweg weitgehend immun gegen einen umfassenden Abbau von Beschäftigung durch Automatisierung gewesen. Diese Phase gehe nun jedoch zu Ende. Nach Ansicht Acemoğlus müsse die deutsche Politik daher den Mut aufbringen, mit bisherigen Tabus zu brechen, um den tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandel wirksam abzufedern.

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Analyse gesellschaftlicher Krisen und neue Perspektiven für Arbeitnehmer

Die Bedrohung demokratischer Verhältnisse durch technologische Trends thematisiert Acemoğlu auch in seinem neuen Buch mit dem Titel Das liberale Versprechen, dessen deutsche Ausgabe für den 28. Oktober angekündigt ist. In dem Werk analysiert der MIT-Forscher die Gefahren von KI für die Stabilität von Demokratien und setzt sich intensiv mit dem Erstarken rechtspopulistischer Strömungen auseinander.

Gleichzeitig sprach sich der Ökonom dagegen aus, Künstliche Intelligenz pauschal als Bedrohung für Erwerbstätige abzustempeln. In einer Grundsatzrede auf der 18. Jahreskonferenz der Kendall Square Association forderte Acemoğlu, KI vielmehr als Hilfsmittel zur Erweiterung von Fähigkeiten und zum Aufbau neuen Fachwissens für Arbeitnehmer zu nutzen. Das Ziel müsse sein, die Arbeitsleistung zu stärken, statt die Technologie als Feind der Arbeit einzusetzen.

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Diskussion über die deutsche Innovationspolitik

Während Acemoğlu auf Regulierungsbedarf und soziale Risiken hinweist, strebt die Politik in Deutschland eine beschleunigte wirtschaftliche Nutzung der Systeme an.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger von der CDU warb beim Deutschlandtag der Jungen Union für Innovationen. Den inhaltlichen Rahmen bildete dabei der Leitantrag mit dem Ziel, Lust auf Zukunft zu wecken und Deutschland zum KI-Anwendungsweltmeister zu machen.

Seitens der Wirtschaft bestehen unterdessen konkrete Erwartungen an die Bundespolitik: Rund 1.200 Unternehmer, die für ein Treffen in Bielefeld registriert sind, fordern vom Digitalminister mehr Unterstützung bei der Bewältigung des technologischen Wandels.

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