Datenleck: 120.000 Schüler in München betroffen – Millionen-Erpressung

Hacker erbeuten Patientendaten von Amazon-Tochter und Uniklinik. BKA meldet 202 Milliarden Euro Schaden durch Cybercrime im Jahr 2025.

Die aktuelle Welle trifft Behörden, Kliniken und internationale Konzerne.

München: 120.000 Schüler und Lehrer betroffen

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines massiven Datendiebstahls beim IT-Dienstleister LHM Services GmbH. Betroffen sind rund 120.000 Schüler, Lehrkräfte und Beschäftigte des Bildungsbereichs.

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Möglicherweise abgeflossen: Namen, Geburtsdaten, Adressen und Schulzugehörigkeiten. Bisher gibt es keine Hinweise, dass die Daten im Darknet veröffentlicht wurden. Schon Anfang 2025 tauchten beim Schulnetzwerk DNSX in Rheinland-Pfalz sensible Dokumente von 45 Schulen auf – darunter Zeugnisse und Gesundheitsdaten.

Angriff auf Uniklinik Würzburg

Auch das Gesundheitswesen ist im Visier der Hacker. Die Universitätsklinik Würzburg bestätigte: Bei einem Angriff auf den Dienstleister Unimed Mitte April 2026 wurden die Daten von 2.476 Patienten gestohlen. Das genaue Ausmaß steht fest, die Betroffenen wurden noch nicht informiert.

In den Niederlanden meldete die Hausarztpraxis Fonkelzorg einen ähnlichen Vorfall – Grund war ein Hack beim Softwareanbieter ChipSoft.

One Medical: 8,8 Terabyte Patientendaten erbeutet

International wird die Lage noch brisanter. Die Amazon-Tochter One Medical bestätigte einen Sicherheitsvorfall: Unbekannte verschafften sich Zugriff auf ein Dateispeichersystem. Betroffen sind archivierte Patientendaten der Marken One Medical Seniors und Iora Health vom 8. bis 11. Juni 2026.

Die Hackergruppe ShinyHunters prahlt mit 8,8 Terabyte an klinischen und demografischen Daten aus US-Standorten und droht mit Veröffentlichung.

Novo Nordisk: 21,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert

Parallel dazu attackiert die Gruppe FulcrumSec den Pharmakonzern Novo Nordisk. Die Forderung: 21,5 Millionen Euro. Die Angreifer behaupten, rund ein Terabyte an Daten über Medikamente, Patienten und medizinisches Fachpersonal gestohlen zu haben.

Das Unternehmen nimmt die Vorwürfe ernst, hat sie aber noch nicht offiziell bestätigt. Zusätzlich warnten Behörden vor gefälschten Versionen der Medikamente Ozempic und Wegovy – der niederländische Zoll fing verdächtige Sendungen ab.

BKA: 202,4 Milliarden Euro Schaden durch Cybercrime

Der aktuelle Cybercrime-Lagebericht des BKA für 2025 zeigt das ganze Ausmaß: 333.922 registrierte Fälle, der wirtschaftliche Gesamtschaden liegt bei rund 202,4 Milliarden Euro.

Die Zahl der Ransomware-Attacken stieg um zehn Prozent auf 1.041 gemeldete Fälle. Besonders betroffen: kleine und mittlere Unternehmen. Sie machen 90 Prozent der Ransomware-Opfer aus.

62 Prozent der Taten werden aus dem Ausland begangen. Die Erpressungsgruppe SafePay spielt bei Datenleaks in Deutschland eine dominierende Rolle. Und: Über 80 Prozent der identifizierten Phishing-Mails sind mittlerweile KI-generiert. Die Betrugsform „First-Party-Fraud“ macht in Europa bereits mehr als die Hälfte aller Betrugsfälle aus.

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Kliniken zwischen Hackerangriffen und Finanzkrise

Neben der Cyber-Bedrohung kämpfen viele deutsche Kliniken ums Überleben. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor einer drohenden Insolvenzwelle infolge geplanter Sparmaßnahmen. Einer Studie zufolge besteht für nahezu die Hälfte aller Klinikstandorte bis Ende des Jahrzehnts eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit.

Branchenvertreter wie Gerald Gaß und Jens Finke von der Universitätsmedizin Göttingen weisen auf notwendige Einsparungen in Millionenhöhe hin. Die Folgen: längere Wartezeiten und Personaleinschnitte. Der GKV-Spitzenverband mahnt angesichts einer prognostizierten Finanzierungslücke von 18 Milliarden Euro umfassende Reformen an.