Der Technologiekonzern Meta hat die Freigabefunktion für Unterhaltungen in seinem KI-Dienst Muse vorübergehend ausgesetzt. Zuvor hatte das Sicherheitsunternehmen Claroc mehr als 6.800 öffentlich zugängliche Verknüpfungen zu geteilten Konversationen über eine passive DNS-Abfrage der Domain cf.metaaiusercontent.com entdeckt. Die betroffenen Seiten ließen sich ohne Benutzeranmeldung oder das Umgehen von Zugriffskontrollen aufrufen.
Subdomains machten private Konversationstitel öffentlich lesbar
Die Schwachstelle beruhte auf der technischen Struktur der Freigabe-Adressen. Meta erzeugte für jeden geteilten Chat eine Subdomain, die sich aus dem Titel der Konversation und einer zufälligen Kennung zusammensetzte. Dadurch wurden Benennungen wie „loan-application-draft“ oder „q3-revenue-review“ direkt in öffentlichen DNS-Einträgen erfasst und suchbar.
Claroc untersuchte stichprobenartig einige hundert dieser Funde. Die Forscher stießen dabei auf sensible geschäftliche und private Informationen. Dazu zählten die interne Umsatzprüfung für den Vorstandsvorsitzenden eines nationalen Marketingunternehmens, der Entwurf eines Kreditantrags eines Kleinunternehmers sowie eine Betrugswarnung einer Bank, die Teile einer Kontonummer enthielt.
Zudem fanden sich ein unternehmensweiter Urlaubsplan für das gesamte Kalenderjahr und persönliche Vorbereitungsnotizen für ein vertrauliches Bewerbungsgespräch bei einem führenden KI-Forschungslabor samt Nennung des internen Ansprechpartners und des Termins.
Claroc bezeichnete diese ungesicherten Freigaben als „GhostShares“ und empfahl Meta, Zufallskennungen künftig in den URL-Pfad statt in die Subdomain einzubinden.
Meta pausiert Link-Freigaben nach Sicherheitsmeldung
Claroc hatte die Funde am 8. Oktober 2026 über das Bug-Bounty-Programm des Konzerns gemeldet. Hinweise auf einen böswilligen Missbrauch durch Dritte lagen zu diesem Zeitpunkt nicht vor; das Sicherheitsunternehmen hielt sämtliche Namen, Titel und Links zurück. Wie Medien am 20. Oktober 2026 berichteten, setzte Meta die Teilen-Funktion nach einer Presseanfrage aus.
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Muse-Sprecherin Tracy Clayton erklärte, Nutzer könnten spezifische Muse-Artefakte zwar per Weblink bereitstellen, das Feature sei jedoch vorübergehend deaktiviert worden, um den Sicherheitsbericht zu prüfen und die Auffindbarkeit der Links zu überarbeiteten. Nach der Aktualisierung durch Meta konnte Claroc eine Stichprobe der zuvor abrufbaren Adressen nicht mehr öffnen.
Die Problematik wog besonders schwer, da Freigabe-Links laut den Hilfeseiten von Meta nicht automatisch ablaufen. Bereits in der Vergangenheit waren vergleichbare Datenfunde über öffentlich indexierte Suchergebnisse bei konkurrierenden Systemen wie ChatGPT, Claude und Grok aufgetreten.
Sicherheitsrisiken durch Schatten-KI in Unternehmen
Meta hatte Muse am 8. September 2026 veröffentlicht. Dem Marktforschungsunternehmen Sensor Tower zufolge erreichte die Anwendung in den ersten beiden Wochen rund 2,8 Millionen Downloads. Bereits kurz nach dem Start hatte eine Sicherheitswarnung auf eine Schwachstelle hingewiesen, die den cloudbasierten Arbeitsbereich hätte freilegen können.
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Der Vorfall unterstreicht die wachsende Herausforderung für die IT-Sicherheit in Firmen. Einer Studie von Kiteworks aus dem Jahr 2026 zufolge stellten 65 Prozent der befragten Organisationen nicht autorisierte KI-Werkzeuge fest, in denen vertrauliche Geschäftsdaten verarbeitet wurden.
Bei 31 Prozent dieser Fälle handelte es sich um Personal- und Mitarbeiterdaten. Bereits im Jahr 2025 hatte eine Befragung von CalypsoAI ergeben, dass 52 Prozent der US-Mitarbeiter bereit wären, KI-Dienste selbst dann einzusetzen, wenn dies gegen interne Unternehmensrichtlinien verstößt.

