Datenleck Großbritannien: 740.000 Regierungsdatensätze im Dark Web

Hacker veröffentlichen 135.000 Polizeidatensätze und 607.000 Bildungsakten. Britische Behörden stufen Risiko trotz Bedenken als gering ein.

Die Cybersicherheitslage in Großbritannien hat sich durch einen großflächigen Datenabfluss verschärft. Die Hackergruppe ExfilSquad hat die Veröffentlichung von mehr als 135.000 Datensätzen britischer Polizeibeamter sowie umfangreicher Informationen aus dem Bildungsministerium im Dark Web bestätigt. Der Vorfall betrifft sensible Kontakt- und Identifikationsdaten von Mitarbeitern zahlreicher staatlicher Organisationen, darunter das Innenministerium und das Verteidigungsministerium.

Umfangreicher Leak bei Polizeidatenbanken

Im Zentrum des Datenklaus steht die Police National Legal Database (PNLD). Aus diesem System wurden rund 100.000 Datensätze entwendet, die Namen und Kontaktdaten von Polizeibeamten enthalten. Insgesamt sind nach vorliegenden Informationen 114.000 Abonnenten der Datenbank von dem Vorfall betroffen. Die Analyse der Daten zeigt eine weitreichende Betroffenheit innerhalb des britischen Sicherheitsapparates: Unter den exponierten Datensätzen befinden sich Informationen zu 2.615 Mitarbeitern des Crown Prosecution Service (CPS), 617 Angestellten des Home Office, 588 Mitarbeitern der National Crime Agency (NCA) sowie 402 Angehörigen des Ministry of Defence (MoD).

Zudem wurden etwa 21.000 öffentliche E-Mail-Adressen aus dem polizeilichen Dienstleistungsangebot „Ask the Police“ im Internet verbreitet. Die veröffentlichten Informationen aus der PNLD umfassen neben den Namen auch Angaben zu den jeweiligen Polizeikräften und dienstliche E-Mail-Adressen.

Bildungsministerium ebenfalls im Visier

Anzeige

Angesichts immer komplexerer Bedrohungen durch kriminelle Gruppen müssen Unternehmen ihre Schutzmaßnahmen kontinuierlich anpassen. Dieser kostenlose Report klärt darüber auf, welche rechtlichen Pflichten und Cyberrisiken Verantwortliche heute kennen müssen. Cyber Security Trends jetzt kostenlos herunterladen

Parallel zu dem Angriff auf die polizeilichen Strukturen wurde ein schwerwiegender Vorfall beim Department for Education (DfE) bekannt. Hier beläuft sich das Ausmaß auf rund 607.000 Datensätze. Diese stammen nach offiziellen Angaben aus den Portalen des Help Desks sowie dem sogenannten Turing Scheme. In der Summe wurden durch die Aktionen der Gruppe somit über 740.000 Datensätze aus Regierungskreisen kompromittiert. IT-Sicherheitsexperten des Unternehmens Sophos verifizierten bereitgestellte Datenproben bereits als wahrscheinlich authentisch.

Die Gruppe ExfilSquad, die als finanziell motiviert eingeschätzt wird, hatte bereits in den vergangenen Tagen Proben des Diebstahls im Dark Web veröffentlicht und damit die nun bestätigten Behauptungen untermauert.

Behörden bewerten Sicherheitsrisiken unterschiedlich

Die Reaktionen der betroffenen Institutionen auf die Sicherheitsverletzung fallen differenziert aus. Die Verantwortlichen der PNLD erklärten, dass nach aktuellem Kenntnisstand keine sensiblen Informationen über Opfer oder Zeugen von dem Abfluss betroffen seien. Das damit verbundene Risiko wurde von offizieller Seite daher als gering eingestuft.

Demgegenüber stehen Berichte über erhebliche Besorgnis innerhalb der Belegschaft. Ein betroffener Beamter wies darauf hin, dass die Veröffentlichung der Identitäten und Kontaktdaten ein ernsthaftes Risiko darstelle. Angesichts der Tatsache, dass England und Wales insgesamt über 145.550 Vollzeit-Polizeibeamte verfügen, betrifft der Vorfall einen signifikanten Teil der gesamten Polizeistreitkräfte des Landes.

Anzeige

Wer sich mit der Absicherung sensibler Daten befasst, sollte proaktive Strategien entwickeln, um Sicherheitslücken frühzeitig zu schließen. Experten erklären in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Ihre IT-Infrastruktur ohne hohe Investitionen wirksam schützen können. Gratis-E-Book zur IT-Sicherheit anfordern

Das Information Commissioner’s Office (ICO) sowie das National Cyber Security Centre (NCSC) sind in die Aufarbeitung des Falls eingebunden. Das Bildungsministerium bestätigte den Angriff und teilte mit, eng mit der NCA und dem NCSC zusammenzuarbeiten, um die Hintergründe aufzuklären. Bisher blieben technische Details, etwa zu Diskrepanzen bei der Verschlüsselung von Passwörtern in den betroffenen Systemen, weitgehend ungeklärt.