Hacker kapern WhatsApp-Konten, Datenlecks kosten Millionen – die Sicherheitslage im Mobilfunk eskaliert.
Sicherheitsbehörden und Analysten schlagen Alarm: Neue Betrugsmethoden wie „Ghost Pairing“ und massive Datenlecks setzen Verbraucher und Telekommunikationsanbieter unter Druck. Die finanziellen Schäden erreichen Rekordhöhen, die Täter agieren immer professioneller.
Wenn der Freund plötzlich um Geld bettelt
Besonders perfide: die Kaperung von WhatsApp- und Instagram-Konten per Session Hijacking. Täter locken ihre Opfer über gefälschte Links zu angeblichen Online-Abstimmungen oder QR-Codes. Haben sie erst Zugriff, nutzen sie die Identität der Opfer für finanzielle Transaktionen.
Ein Fall aus dem Landkreis Rostock zeigt die Masche: Ein 65-Jähriger verlor Ende Juli die Kontrolle über sein Konto. Betrüger forderten von seinen Kontakten unter dem Vorwand einer dringenden Zahnbehandlung Geld – insgesamt 3.150 Euro. In Villingen-Schwenningen nutzten Täter gekaperte Profile junger Frauen, um über deren Handyrechnung in digitalen Stores einzukaufen. Die Schäden lagen im mittleren dreistelligen Bereich.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte die Methode bereits Anfang des Jahres beschrieben.
Datenlecks treiben Kosten in die Höhe
Nicht nur Privatpersonen sind betroffen. Ein aktueller Report von IBM und dem Ponemon Institute zeigt: Die durchschnittlichen Kosten eines Datenlecks für deutsche Unternehmen liegen bei 4,25 Millionen Euro pro Fall. Das ist ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr – neuer Rekord.
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Weltweit kosten Datenpannen sogar rund fünf Millionen US-Dollar. Besonders alarmierend: Künstliche Intelligenz kommt bereits bei mehr als einem Viertel der Attacken zum Einsatz – ein Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Firmen ohne KI-gestützte Abwehrsysteme brauchen im Schnitt 40 Tage länger, um ein Leck zu entdecken. Ihre Kosten liegen um 1,53 Millionen Euro höher als bei Unternehmen mit umfassender KI-Absicherung. In Deutschland dauert es durchschnittlich 160 Tage, bis ein Datenleck überhaupt erkannt wird.
Internationale Milliardenstrafen und operative Probleme
Südkorea macht ernst: Die Datenschutzkommission verhängte gegen den Anbieter KT Corp. eine Geldbuße von rund 37,43 Millionen US-Dollar. Hintergrund ist ein massives Datenleck in den Jahren 2024 und 2025. Hacker erbeuteten Informationen von über 16.600 Mobilfunkkunden. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, den Vorfall vertuscht zu haben.
Auch in Deutschland kämpfen die Provider mit den Folgen. Telefónica Deutschland (o2) meldete zwar 697.000 neue Vertragsanschlüsse, musste beim Mobilfunkumsatz aber einen Rückgang von 5,7 Prozent auf 5,483 Milliarden Euro hinnehmen. Das operative Ergebnis sank um 8,8 Prozent auf 2,479 Milliarden Euro.
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Positiv: Das Netz des Anbieters erreichte im aktuellen Connect-Test die Note „sehr gut“ und eine 5G-Abdeckung von rund 99 Prozent.
So schützen Sie sich vor Kontodiebstahl
Sicherheitsbehörden und Verbraucherschützer raten zu diesen Maßnahmen:
- Zwei-Schritt-Verifizierung aktivieren – bei allen Messenger-Diensten und sozialen Medien
- Verknüpfte Geräte regelmäßig prüfen – unbekannte Sitzungen sofort beenden
- Links und QR-Codes kritisch hinterfragen – besonders bei angeblichen Abstimmungen von Kontakten
- Bei Geldforderungen zurückrufen – direkt bei der betreffenden Person nachfragen
- Bei Verdacht sofort handeln – Sperr-Notruf 116 116, Bank informieren, Anzeige bei der Polizei

