Kalifornien setzt neue Maßstäbe im Verbraucherdatenschutz: Seit dem 1. August 2026 können Bürger mit einem einzigen Klick die Löschung ihrer Daten bei rund 600 Datenhändlern verlangen. Einen Tag später traten zudem weitreichende Transparenzpflichten für Künstliche Intelligenz in Kraft. Die Entwicklungen dürften auch für europäische Unternehmen relevant werden, die am US-Markt aktiv sind.
Ein Portal gegen die Datenflut
Die neue Plattform DROP (Data Removal Opt-Out Platform) markiert einen Paradigmenwechsel im Umgang mit persönlichen Informationen. Statt sich an hunderte einzelne Firmen zu wenden, genügt künftig eine einzige Anfrage über das zentrale Portal. Die registrierten Datenhändler haben dann 45 Tage Zeit, die Löschung umzusetzen.
Wer die Frist verstreichen lässt, dem drohen empfindliche Strafen: 200 Dollar pro Tag und betroffenem Bürger. Die Nachfrage ist enorm – rund 350.000 Kalifornier haben den Dienst seit Jahresbeginn genutzt.
Die zuständige Aufsichtsbehörde, die California Privacy Protection Agency, hat bereits durchgreifen müssen. Erst in den vergangenen Monaten verhängte sie Bußgelder gegen zwölf Datenhändler, die sich nicht registriert hatten – jeweils im fünfstelligen Dollarbereich.
KI-Transparenz wird Pflicht
Parallel dazu gelten seit dem 2. August neue Regeln für Anbieter Künstlicher Intelligenz. Wer in Kalifornien mehr als eine Million Nutzer pro Monat hat, muss seine KI-Inhalte kennzeichnen. Konkret bedeutet das: C2PA-Metadaten und ein kostenloses Erkennungstool für KI-generierte Inhalte sind Pflicht.
Bei Verstößen werden mindestens 5.000 Dollar pro Tag fällig. Branchenbeobachter bemängeln, dass ausgerechnet bekannte Plattformen wie Midjourney die erforderlichen Wasserzeichen bislang nicht integriert haben. Auch Start-ups, die KI-Medien weiterverbreiten, müssen die Auflagen der ursprünglichen Systeme erfüllen.
Die neuen Transparenzregeln für Künstliche Intelligenz zeigen, wie schnell sich die rechtlichen Anforderungen für moderne Technologien verschärfen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden hilft Verantwortlichen, die Fristen, Pflichten und Risikoklassen des EU AI Acts rechtzeitig zu verstehen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Druck von allen Seiten
Die neuen Vorschriften kommen nicht isoliert: Die regulatorische und juristische Landschaft rund um Datenschutz ist in Bewegung. Erst Ende Juli reichte die US-Handelsbehörde FTC gemeinsam mit den Behörden Kaliforniens und Utahs Klage gegen den Telemedizin-Anbieter Hims & Hers Health ein. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, sensible Gesundheitsdaten an Werbeplattformen wie Meta und Snap weitergegeben zu haben – verbunden mit irreführenden Abrechnungspraktiken.
Auch international wächst der Druck: In Nigeria verurteilte ein Gericht die Bank Stanbic IBTC zu umgerechnet rund 18.000 Euro Schadensersatz. Sie hatte Kundendaten nach Kontoschließung unrechtmäßig gespeichert. Das Gericht ordnete zudem die Löschung aller nicht gesetzlich erforderlichen Daten an.
Andere US-Bundesstaaten ziehen nach: New Jersey hat ein Gesetz erlassen, das Registrierungsgebühren von bis zu 1,5 Millionen Dollar vorsieht und den Verkauf sensibler Daten seit Ende Juni komplett verbietet.
Nicht nur in den USA, auch in Europa müssen Unternehmen ihre KI-Systeme jetzt genau auf Compliance-Risiken prüfen. Ein kostenloser Experten-Report klärt auf, welche Systeme als Hochrisiko gelten und was Betriebe nun konkret tun müssen. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Datenjäger werden vorsichtiger
Die verschärften Regeln zeigen Wirkung. Der Dienst ISBNdb, der Bücher für KI-Training scannte, hat entsprechende Angebote von seiner Website entfernt. Offiziell handelte es sich um einen Markttest, der nie gestartet wurde. Doch Antiquariate berichten von ungewöhnlichen Sammelbestellungen Dritter – das Interesse an physischen Medien für Datensammlungen scheint ungebrochen.
Für deutsche Unternehmen, die in den USA expandieren wollen, lohnt sich ein genauer Blick auf die kalifornischen Regeln. Die Vorgaben ähneln in Teilen der europäischen DSGVO, gehen bei KI-Transparenz aber deutlich darüber hinaus. Wer in Kalifornien Geschäfte macht, sollte seine Compliance-Strategie dringend überprüfen.

