Unternehmen weltweit müssen ihre Praktiken umstellen – mit teils drastischen Konsequenzen.
Kaliforniens „Delete Act“: Löschpflicht für Datenhändler
Der US-Bundesstaat Kalifornien setzt ein starkes Zeichen für den Datenschutz. Ab dem 1. August 2026 müssen registrierte Datenhändler an die zentrale DROP-Plattform (Data Reporting and Opportunity for Privacy) angeschlossen sein. Das System ermöglicht Bürgern, die Löschung ihrer persönlichen Daten über eine einzige Schnittstelle zu beantragen.
Bereits über 330.000 Kalifornier haben sich registriert. Nach der August-Frist sind die Unternehmen verpflichtet, alle 45 Tage die Löschungsanträge abzuarbeiten. Wer sich nicht daran hält, zahlt 200 Dollar pro Tag und Verstoß. Die Definition eines Datenhändlers ist weit gefasst, ausgenommen sind jedoch Unternehmen unter speziellen Bundesgesetzen wie dem Fair Credit Reporting Act.
Indien: Milliardenstrafe gegen Meta bestätigt
Das indische National Company Law Appellate Tribunal (NCLAT) hat eine Strafe von umgerechnet rund 240 Millionen Euro gegen Meta bestätigt. Hintergrund sind die umstrittenen Datenschutzrichtlinien von WhatsApp aus dem Jahr 2021. Die Regulierungsbehörde sah darin den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung.
Die Richter stellten fest, dass die gemeinsame Datennutzung zwischen WhatsApp und anderen Meta-Diensten den Wettbewerb im Anzeigengeschäft behinderte. Ein zuvor verhängtes fünfjähriges Verbot der Datenteilung wurde jedoch aufgehoben.
Parallel dazu arbeitet WhatsApp an einer eigenen Cloud-Infrastruktur. Das System setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und bietet einen kostenlosen Speicher von 2 Gigabyte. Bezahlte Optionen reichen bis zu einem Terabyte. Nach der Android-Version testet der Dienst nun die iOS-Umsetzung für geräteübergreifende Wiederherstellungen.
Singapur: Leitplanken für Künstliche Intelligenz
Die Datenschutzkommission Singapurs (PDPC) hat ab dem 20. Juli 2026 neue Richtlinien für den Einsatz personenbezogener Daten im KI-Training erlassen. Unternehmen sollen Nutzer künftig explizit informieren, wenn ihre Daten für das Training generativer KI-Modelle verwendet werden.
Die neuen Richtlinien in Singapur zeigen deutlich, dass der rechtssichere Umgang mit KI-Systemen weltweit zur Pflicht wird. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den nötigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Die Empfehlungen sehen vor, dass Mitteilungen klar die Art der Daten und den Trainingszweck erläutern. Zudem müssen Nutzer eine Opt-out-Möglichkeit erhalten. Die Richtlinien basieren auf einer öffentlichen Konsultation mit 40 Stellungnahmen. Ergänzend wurden freiwillige Informationskarten für Chatbots eingeführt, um die Transparenz für Nutzer zu erhöhen.
Infrastruktur-Wandel: Europa setzt auf digitale Souveränität
Die Diskussion um Datensicherheit hat auch konkrete technische Folgen. SpaceXAI änderte nach Kritik die Standardeinstellungen seines Grok-Build-Tools. Zuvor hatte das Tool offenbar ganze Code-Ordner an Server übertragen, ohne die Nutzer klar zu informieren. Die Datenaufbewahrung ist nun standardmäßig deaktiviert.
Im öffentlichen Sektor sorgte die Weitergabe von Medicaid-Daten durch die US-Einwanderungsbehörde ICE an die Analysefirma Palantir für Aufsehen. Ein Bundesrichter stoppte die Praxis im Mai, nachdem die Datenweitergabe über eine gerichtliche Anordnung hinausging. Palantir erklärte, die betroffenen Daten seien gelöscht.
Während Behörden weltweit die Daumenschrauben anziehen, müssen Unternehmen ihre Dokumentationspflichten präzise erfüllen, um hohe Bußgelder zu vermeiden. Experten zeigen Ihnen in diesem kostenlosen Report die häufig übersehenen Pflichtfelder im Verarbeitungsverzeichnis, die bei einer Prüfung sofort auffallen. Kostenlose Muster-Vorlage für das Verarbeitungsverzeichnis herunterladen
Europa zieht Konsequenzen: Deutschland und Frankreich planen einen gemeinsamen digitalen Backbone, um die Abhängigkeit von US-Technologie zu reduzieren. Der französische Inlandsgeheimdienst kündigte seinen Palantir-Vertrag. Das deutsche Bundesamt setzt stattdessen auf die französische Alternative ChapsVision – ein klares Signal für mehr digitale Souveränität in Europa.

