Der Boom der Künstlichen Intelligenz stößt an seine Grenzen: In den USA blockieren immer mehr Kommunen den Bau von Datenzentren. Allein im ersten Quartal 2026 wurden Projekte im Wert von rund 130 Milliarden Euro gestoppt oder verzögert.
Inver Grove Heights im Bundesstaat Minnesota ist der jüngste Schauplatz dieser Entwicklung. Die Stadt verhängte am Wochenende ein einjähriges Moratorium für den Bau neuer Datenzentren. Damit reiht sie sich in eine wachsende Liste von Gemeinden ein, die die Infrastruktur für den KI-Boom ausbremsen. Bereits Anfang Juli hatten Frederick County und Montgomery County im Nachbarstaat Maryland Baupausen verhängt.
Bürgerproteste werden zum politischen Risiko
Der Widerstand in der Bevölkerung hat sich massiv verschärft. Eine Umfrage von Reuters/Ipsos zeigt: Während 44 Prozent der Amerikaner Datenzentren grundsätzlich ablehnen, steigt der Wert auf 57 Prozent, wenn es um Projekte in der eigenen Nachbarschaft geht. In Minnesota lehnen sogar 63 Prozent der Befragten lokale Datenzentren ab – viele fürchten negative Umweltfolgen und soziale Auswirkungen der KI-Technologie.
Die Folgen sind bereits in der Kommunalpolitik spürbar. In Festus, Missouri, verloren alle amtierenden Stadtratsmitglieder ihre Sitze, nachdem sie ein sechs Milliarden Euro schweres Datenzentrum genehmigt hatten. Die Wahlbeteiligung stieg dabei um 129 Prozent. Besonders drastisch: In Indianapolis wurden 13 Schüsse auf das Haus eines Stadtrats abgegeben – begleitet von einer Nachricht mit Protest gegen Datenzentren.
Wasser und Strom: Die Ressourcenfrage
Die Kritik richtet sich vor allem gegen den immensen Ressourcenverbrauch. In Lowell, Massachusetts, berichten Anwohner von Lärm und Dieselabgasen. Ein einziges Datenzentrum verbraucht dort an Spitzensommertagen rund 450.000 Liter Wasser täglich – zur Kühlung der Server.
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Noch gravierender ist der Energiehunger. Der Stromverbrauch von Datenzentren in den USA stieg von 1,9 Prozent (2018) auf 4,4 Prozent (2023) des Gesamtverbrauchs. Prognosen zufolge könnten die Großhandelspreise für Strom bis 2030 um bis zu 29 Prozent steigen – in Virginia sogar um 57 Prozent. In Texas sind mindestens 248 Projekte geplant. Die dafür vorgesehenen 74 Gaskraftwerke würden jährlich über 287 Millionen Tonnen Treibhausgase ausstoßen.
Gesetzgeber reagieren – Investoren ziehen sich zurück
Mehrere Bundesstaaten verschärfen nun die Regeln. In Michigan liegt ein Gesetzespaket vor, das ein landesweites Moratorium bis April 2027 vorsieht. Es würde Steuererleichterungen streichen, die Kritikern zufolge bis zu 90 Millionen Euro kosten, und die Betreiber zwingen, die Strominfrastruktur selbst zu bezahlen.
Pennsylvanias Gouverneur Josh Shapiro hat freiwillige Standards eingeführt. In Union County steht am 20. Juli eine Anhörung zu einem umstrittenen Projekt an.
Der Druck zeigt Wirkung: Eine Tochter des Finanzinvestors Blackstone zog die Pläne für den „Prince William Digital Gateway“ in Virginia zurück – das größte Datenzentrum der Welt sollte dort entstehen. In Florida haben 20 Gemeinden Bauverbote oder -stopps erlassen. Der Chef von NextNRG kündigte an, sich nach heftigen Protesten künftig auf Solarkraftwerke zu konzentrieren.
Bürgerproteste und Bauverbote bremsen den KI-Boom aus. In 14 Bundesstaaten wurden bereits Baustopps verhängt. Erfahren Sie, mit welchen 5 Strategien Sie Ihre Projekte dennoch durchsetzen – bevor Ihre Konkurrenz die letzten freien Standorte besetzt. Genehmigungsstrategie jetzt sichern
Milliarden auf dem Spiel
Trotz der Widerstände bleibt der Markt riesig. Morgan Stanley erwartet, dass die großen Cloud-Anbieter 2026 rund 800 Milliarden Euro investieren. Branchenprognosen gehen von insgesamt vier Billionen Euro bis 2028 aus. Doch kleinere Betreiber wie CoreWeave sind bereits gefährdet: 14 Bundesstaaten haben Baustopps vorgeschlagen oder bereits umgesetzt.

