Datenzentren-Boom in Australien: Stromverbrauch steigt 700 Prozent bis 2036

KI-Unternehmen sichern sich in Australien vor strengeren Regeln ab 2027 noch Baugenehmigungen. Der Strombedarf der Branche könnte bis 2036 um 700 Prozent steigen.

In Australien warnen Fachleute vor einer massiven Zunahme von Bauanträgen für Datenzentren. Hintergrund ist das Bestreben von KI-Unternehmen, sich Genehmigungen unter den derzeit geltenden Bedingungen zu sichern, bevor Anfang 2027 strengere Bundesvorschriften in Kraft treten.

Dieser Trend zum sogenannten „Grandfathering“ soll sicherstellen, dass Projekte noch nach alten Standards genehmigt werden, bevor die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Standortwahl deutlich steigen.

Die vorgeschlagenen Vorschriften sehen vor, dass Betreiber neuer Standorte eigene Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien errichten und ihren Wasserverbrauch auf ein Minimum reduzieren müssen. Zudem umfassen die Entwürfe eine Netto-Erzeugerpflicht sowie strikte Beschränkungen für Standorte in der Nähe von Schulen, Wohngebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Politischer Widerstand gegen Erneuerbaren-Pflicht

Premierminister Anthony Albanese strebt eine nationale Einigung im Kabinett an, um Australien als führenden KI-Standort zu etablieren. Geplant ist ein nationaler KI-Rahmen mit einer zentralen Stelle im Ministerium für Premierminister und Kabinett sowie neuen Standards für Energie, Wasser, Urheberrecht und Sicherheit.

Allerdings stößt das Vorhaben auf Widerstand in einzelnen Bundesstaaten. Vor allem Queensland und das Northern Territory lehnen die strikte Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien ab. Lia Finocchiaro, die Chefministerin des Northern Territory, verwies in diesem Zusammenhang auf die Gasvorkommen im Beetaloo-Becken als Energiequelle.

Energieminister Chris Bowen signalisierte jedoch bereits, dass der Bund notfalls durch eigene Gesetzgebung eingreifen werde, sollte keine Einigung mit den Bundesstaaten erzielt werden. Die Politik verfolgt dabei das Prinzip, dass die Verursacher für die notwendige Netzinfrastruktur und Energieerzeugung aufkommen müssen.

Massiver Anstieg des Stromverbrauchs prognostiziert

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Nach Daten des australischen Energiemarktbetreibers AEMO sind derzeit 165 Datenzentren in Betrieb, während sich weitere 225 Projekte in der Entwicklung befinden. Die Kapazität des Sektors, die aktuell bei 1,6 GW liegt, soll bis 2030 auf 3,9 GW steigen.

Die langfristigen Prognosen verdeutlichen die Herausforderungen für das Stromnetz: Bis 2036 könnten Datenzentren rund 34 Milliarden kWh verbrauchen. Dies entspräche einem Anstieg von 700 Prozent gegenüber dem aktuellen Wert von 5 Milliarden kWh. Damit würde der Sektor etwa 13 Prozent des gesamten australischen Stromverbrauchs ausmachen – im Vergleich zu derzeit lediglich 3 Prozent.

Die prognostizierte Menge von 34 Milliarden kWh entspricht in etwa dem kombinierten Strombedarf aller Privathaushalte in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten New South Wales und Victoria.

Standortvorteile und regulatorische Hürden

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Ein Beispiel für den enormen Bedarf lieferte das KI-Unternehmen Anthropic, das im Frühjahr 2026 Kapazitäten von bis zu 5 GW allein im Bundesstaat New South Wales anfragte. Dies überstieg die damalige Gesamtkapazität Australiens um das Dreifache. Neben der Energieversorgung stellen auch die Wasserknappheit und die hohen Kosten für den Netzanschluss erhebliche Hürden für neue Projekte dar.

Ein KI-Experte der University of New South Wales betonte die Notwendigkeit der neuen Regeln und gab zu bedenken, dass Entwickler zunehmend die öffentliche Zustimmung verlören. Industrieminister Tim Ayres erklärte dazu, dass die geplanten Standards einen wettbewerblichen Abwärtstrend verhindern sollen.

Ziel der Regierung bleibt es, durch den nationalen Rahmen klare Regeln für Sicherheit und Urheberrecht zu schaffen und gleichzeitig die Infrastruktur klimaverträglich auszubauen.