Ein neuer Gesetzesentwurf im US-Repräsentantenhaus will verhindern, dass Haushalte die Stromkosten für KI-Rechenzentren tragen müssen. Der „Ratepayer Protection Act“ (H.R. 9340) sieht vor, dass Großverbraucher ab 100 Megawatt Leistung die vollen Kosten für Netzausbauten selbst übernehmen müssen. Der Entwurf passierte heute die Anhörung eines Energie-Unterausschusses – und ist nur die Spitze eines wachsenden Protestwellen gegen die Datenzentren-Expansion.
Welle von lokalen Verboten und Moratorien
Während der Kongress in Washington über die Kostenverteilung debattiert, reagieren Gemeinden im ganzen Land mit drastischen Maßnahmen. Der Stadtrat von Asheville in North Carolina verhängte gestern ein einjähriges Moratorium für neue Datenzentren, um eigene Bebauungsregeln zu erarbeiten. Am selben Tag stimmten die Kommissare von DeSoto County in Florida für einen vorübergehenden Baustopp – ausgelöst durch heftigen Widerstand gegen ein geplantes Projekt in Arcadia.
Die Liste der Kommunen, die die Notbremse ziehen, wird länger:
- Imperial County, Kalifornien: 45-tägiges Moratorium, nachdem die Behörden im April noch eine Genehmigung für das größte Datenzentrum des Bundesstaates erteilt hatten.
- Missouri: St. Charles hat einen dauerhaften Baustopp erlassen, Springfield stimmt am 29. Juni über eine 120-tägige Pause ab.
- Weitere Verbote: Holyoke (Massachusetts), Monterey Park (Kalifornien) und Seattle haben ebenfalls diesen Monat Baustopps beschlossen.
Die politischen Konsequenzen sind bereits spürbar: In Festus, Missouri, wurde die Hälfte des Stadtrates bei der letzten Wahl abgewählt – nachdem die Politiker einen sechs Milliarden Dollar schweren Datenzentren-Deal unterstützt hatten.
Steueranreize werden zurückgefahren
Auch auf Bundesstaatsebene dreht sich der Wind. Gouverneurin Katie Hobbs unterzeichnete in Arizona einen Haushalt, der Steuererleichterungen für Datenzentren für drei Jahre aussetzt. In Oregon klagen Einwohner von Hillsboro gegen die Stadt und den Bezirk Washington – es geht um rund 84 Millionen Dollar an Steuergeschenken für das laufende Jahr.
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Der Widerstand kommt nicht von ungefähr. Eine Gallup-Umfrage vom Mai zeigt: 71 Prozent der Amerikaner lehnen ein Datenzentrum in ihrer Nachbarschaft ab. In Texas sind es laut einer aktuellen Erhebung 56 Prozent – mit besonders starkem Widerstand in ländlichen und Vorort-Gebieten.
Umweltbedenken und mangelnde Transparenz
Die Dimensionen des Ressourcenverbrauchs sind atemberaubend. Ein einziges großes KI-Modell benötigt beim Training bis zu zehn Gigawattstunden Strom. Ein einzelnes Rechenzentrum kann täglich bis zu fünf Millionen Gallonen Wasser verbrauchen – etwa 19 Millionen Liter.
In Texas sorgte gestern eine Anhörung für Aufsehen: Mehr als 80 Prozent der 341 Datenzentren im Bundesstaat hatten auf eine gesetzlich vorgeschriebene Umfrage zum Wasserverbrauch nicht reagiert. Hays County verabschiedete daraufhin diese Woche eine Resolution, die den Wasserbedarf der Industrie reguliert – ohne weitere Anreize zu bieten.
UN fordert mehr Transparenz
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Auch die Vereinten Nationen schalten sich ein. UN-Generalsekretär António Guterres schlug gestern die „AI Environmental Transparency Initiative“ vor. Unternehmen sollen künftig ihren CO₂-Ausstoß, Wasserverbrauch und Flächenbedarf offenlegen. Hintergrund: Datenzentren verbrauchten 2025 bereits 1,5 Prozent des weltweiten Stroms – Tendenz stark steigend. Bis 2030 könnte sich dieser Wert verdoppeln. Aktuell stammt der Strom für die globale Datenzentren-Industrie zu 30 Prozent aus Kohle, zu 27 Prozent aus erneuerbaren Energien, der Rest aus Erdgas und Atomkraft.
Die EPA hatte Anfang Juni entschieden, keine bundesweiten Umweltstandards für KI-Datenzentren zu erlassen – und die Regulierung den Bundesstaaten und Kommunen überlassen. Das Justizministerium kündigte jedoch an, in Einzelfällen einzugreifen, etwa bei einer Bürgerklage gegen das „Colossus 2“-Datenzentrum – aus Gründen der nationalen Sicherheit.

