Dawning 8000: China startet 100.000-Karten-Supercomputer

Sugons Dawning 8000 Supercluster geht in Zhengzhou ans Netz und treibt Chinas unabhängige KI-Infrastruktur massiv voran.

China hat am 10. Juli 2026 mit dem Dawning 8000 (Dengfeng) offiziell die Ära der 100.000-Karten-Computing-Leistung eingeläutet. Das in Zhengzhou in Betrieb genommene Supercluster wurde vom heimischen Hersteller Sugon entwickelt und markiert einen entscheidenden Schritt in Richtung einer unabhängigen KI-Infrastruktur.

Das System ist in das nationale Supercomputing-Internet Chinas eingebunden – ein gewaltiges Netzwerk, das mittlerweile über 3,5 Millionen CPU-Kerne und 250.000 GPU-Karten umfasst. Es versorgt rund 1,4 Millionen Nutzer und unterstützt mehr als 1.500 angepasste große Sprachmodelle (LLMs) sowie 7.300 Anwendungen. Sugon hat bereits ein zweites 100.000-Karten-System in Zusammenarbeit mit dem Pekinger Institut für Wissenschaftliche Intelligenz angekündigt.

Nationaler Supercomputing-Knoten online

Der Start des Dawning 8000 folgt auf die Aktivierung des Kernknotens des nationalen Supercomputing-Internets, der am 9. Juli 2026 auf der Henan AI Conference ans Netz ging. Dieser Knoten fungiert als zentraler Ressourcenpool für über 100.000 heimische KI-Computing-Karten.

Bereits in der Testphase absolvierte der Knoten mehr als 70 tests im 10.000-Karten-Maßstab. Ein besonderer Erfolg: die Simulation von 41,47 Milliarden Atomen mit 45.000 Karten, die einen neuen Weltrekord für DFT-Präzisionssimulationen (Dichtefunktionaltheorie) aufstellte. Branchendaten zufolge hat die Plattform die Simulationseffizienz für Milliarden-Gitter drastisch verbessert – Verarbeitungszeiten sanken von Wochen auf Stunden.

Um die Nutzung zu fördern, bietet die Plattform Anreizprogramme wie ein Model-as-a-Service (MaaS)-Angebot und kostenlose Ressourcen für Neuanwender, darunter 200 Kartenstunden Rechenleistung und 10 Millionen Tokens.

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Wende zur heimischen KI-Hardware

Der Aufbau dieser Großcluster fällt in eine Zeit, in der chinesische Unternehmen verstärkt auf heimische Hardware setzen. Aktuelle Umfragen unter 60 Führungskräften zeigen, dass Firmen planen, 46 Prozent ihrer KI-Budgets für heimische Produkte auszugeben – ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren 30 Prozent. In Pilotprojekten verzeichnet die Huawei Ascend 910-Serie eine höhere Akzeptanz als internationale Alternativen.

Der Trend zum heimischen Training wurde bereits Ende Juni 2026 deutlich: Meituan veröffentlichte LongCat-2.0, ein Modell mit 1,6 Billionen Parametern. Das Unternehmen betonte, dass das Modell vollständig auf einem heimischen Cluster mit über 50.000 KI-Chips trainiert und inferiert wurde – ohne internationale Hardware.

Ausblick: WAIC 2026 und neue Technologien

Der Fokus auf leistungsstarke KI-Hardware setzt sich auf der World AI Conference (WAIC) 2026 in Shanghai fort, die vom 17. bis 20. Juli stattfindet. Huawei wird dort erstmals physisch den Atlas 950 AI Supernode präsentieren. Das System nutzt Ascend 950-Prozessoren und eine spezielle Verbindungstechnik, um auf bis zu 8.192 NPUs zu skalieren – gezielt für das Training von Billionen-Parameter-Modellen.

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Auch alternative Rechentechnologien gewinnen an Boden. Lightelligence, das am 28. April 2026 an die Hongkonger Börse ging, baut derzeit einen 10.000-GPU-Supernode in Shanghai auf. Dieses Projekt stellt eine großflächige kommerzielle Anwendung des optischen Computings dar. Das Unternehmen Awesome prognostiziert, dass siliziumphotonische Chips innerhalb der nächsten fünf Jahre einen deutlich größeren Anteil an der Rechenzentrumshardware ausmachen werden.

Diese Entwicklungen sind Teil eines rasanten Wachstums: Shanghais KI-Sektor erwirtschaftete 2025 umgerechnet rund 637 Milliarden Yuan (etwa 81 Milliarden Euro). Landesweit wurden im vergangenen Jahr zudem über 100 Millionen KI-fähige Smartphones und Computer ausgeliefert – ein Zeichen für die tiefe Integration der Technologie in den chinesischen Markt.