DDR5-Preise: Speicherindex erreicht 544 Punkte – plus 444 Prozent

KI-Rechenzentren binden Speicherproduktion; steigende Kosten drücken Margen und treiben Preise für PCs, Smartphones und Komponenten.

•

Der anhaltende Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz belastet den weltweiten Markt für Computerhardware spürbar. Weltweit steigen die Preise für PC-Komponenten deutlich an, da die extreme Nachfrage nach Hochleistungsspeicher zu massiven Angebotsengpässen führt und die Produktionskosten in der gesamten Branche nach oben treibt.

Halbleiterfertigung verlagert sich auf Hochleistungsspeicher

Auslöser der Engpässe ist eine tiefgreifende Verschiebung bei den Halbleiterherstellern. Speicherproduzenten haben die Fertigung von DDR5-, DDR4- und Grafikspeicher weitgehend eingestellt und ihre Produktionskapazitäten auf High Bandwidth Memory (HBM) umgestellt.

Micron produziert inzwischen keinen Speicher für Endverbraucher mehr. Auch Siltronic-Vorstandschef Michael Heckmeier wies darauf hin, dass KI-Rechenzentren die Kapazitäten für herkömmlichen Consumer-Speicher verdrängen.

Eine rasche Rückkehr zu alten Produktionsmustern gilt als unwahrscheinlich. Die Umrüstung eines Werks von HBM zurück auf DDR5 nimmt Schätzungen zufolge zwei bis drei Monate in Anspruch, während der Bau neuer Produktionsstätten Jahre dauert. Aus diesem Grund dürften die Preise für Arbeitsspeicher selbst bei einem Nachlassen des KI-Booms über längere Zeit auf hohem Niveau verharren.

Marktbeobachter von TrendForce rechnen für das vierte Quartal 2026 mit einem Anstieg der DRAM-Vertragspreise um 10 bis 15 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, während NAND-Flash um 15 bis 20 Prozent zulegen soll.

DRAM-Hersteller priorisieren weiterhin moderne Fertigungsprozesse für Hochleistungsserver, sodass der reguläre DRAM-Markt unterversorgt bleibt, auch wenn sich das Wachstumstempo der Vertragspreise bei konventionellem Speicher verlangsamt.

Bei NAND-Flash öffnet sich derweil eine Schere zwischen der beschleunigten Nachfrage aus dem KI-Sektor und einer schwächeren Konsumentennachfrage, die Preise klettern dennoch über alle Segmente hinweg.

Massive Preissprünge im Handel und historische Höchststände

Die Auswirkungen auf den Endkundenmarkt sind bereits drastisch. Der DDR5-Preisindex von 3DCenter stieg von einem Basiswert von 100 Punkten im Juli 2025 auf 486 Punkte im August 2026 und erreichte im September 2026 einen Stand von 544 Punkten, was einem Zuwachs von 444 Prozent über 14 Monate entspricht.

Auf dem deutschen Markt verteuerte sich beispielsweise ein 32-Gigabyte-Kit vom Typ Kingston FURY Beast DDR5-6000 CL30 von 114 Euro im September 2025 auf 523 Euro im August 2026, was einem Plus von rund 359 Prozent entspricht. Das Modul G.Skill Trident Z5 Neo RGB mit 32 Gigabyte kletterte im selben Zeitraum von 122 Euro auf 539 Euro.

Auch im US-Handel wurden im Oktober 2026 extreme Werte erfasst: Ein DDR5-6000-Riegel mit 32 Gigabyte kostete 447 US-Dollar, für 48 Gigabyte wurden 701 US-Dollar fällig, 64 Gigabyte lagen bei 989 US-Dollar und 96 Gigabyte erreichten 2.049 US-Dollar. Module mit 128 Gigabyte DDR5-6400 waren gar nicht mehr lieferbar.

Anzeige

Angesichts explodierender Hardware-Preise ist es sinnvoll, bestehende Rechner länger zu nutzen und effizienter zu machen. Mit dem kostenlosen ChromeOS Flex Startpaket lässt sich beinahe jeder ältere PC oder Mac ohne Neukauf wiederbeleben und beschleunigen. Gratis-Report zur PC-Wiederbelebung jetzt herunterladen

Die Preise für 32 und 64 Gigabyte lagen damit um das rund 6,2-Fache über ihrem historischen Tiefstand, während 96 Gigabyte das 10,8-Fache erreichten. Bei DDR4 zogen die Vertragspreise binnen drei Monaten um 24 Prozent an und liegen inzwischen sogar über DDR5.

Druck auf Systemhersteller und Endgeräte

Die Teuerung trifft die gesamte Elektronikindustrie. Laut Counterpoint Research legte der weltweite DRAM-Umsatz im dritten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 369 Prozent auf nahezu 200 Milliarden US-Dollar zu, während die ausgelieferte Bit-Menge lediglich um 4 Prozent stieg. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei 1,90 US-Dollar pro Gigabit.

IDC prägte für diesen strukturellen Kostenanstieg bei Speicher, Grafikprozessoren und Netzwerktechnik den Begriff der Techflation. In einer Umfrage der Analysten vom September 2026 gaben 44 Prozent der über 1.600 befragten IT-Entscheider an, ihre Hardwarebudgets um mehr als 25 Prozent aufzustocken.

Große Technologieunternehmen spüren die Belastung unmittelbar. Apple bezifferte die Speicherkosten als beispiellos und erwartet für das vierte Quartal 2026 einen Rückgang der Bruttomarge auf 45 bis 46 Prozent, nach 47,9 Prozent im September.

Der Großteil dieses Rückgangs sei auf höhere Speicherkosten zurückzuführen, erklärte Finanzchef Kevan Parekh. Das Unternehmen erhöhte bereits im Juni die Preise für iPad und Mac sowie im September für das iPhone; die Fertigungsverpflichtungen stiegen von Juni bis September um 33 Milliarden US-Dollar.

Sony bezeichnete die Speicherkosten als erhebliche Belastung für die PlayStation 5. Auch Gerätehersteller wie HP, Lenovo, Microsoft und Elo passten ihre Preise zwischen August und Oktober nach oben an. Dell reagierte im August darauf, indem die Gültigkeit von Angeboten von zuvor 24 Stunden auf 30 Tage verlängert wurde.

Anzeige

Wer hunderte Euro für einen Neukauf sparen möchte, findet in einer schlanken Betriebssystem-Alternative eine effektive Lösung für langsame Geräte. Dieser kostenlose Guide zeigt, wie ChromeOS Flex selbst älteste Notebooks wieder alltagstauglich macht – ganz ohne teure Aufrüstung. Kostenlosen Report zur Hardware-Ersparnis sichern

Belastete Aussichten bis zum Ende des Jahrzehnts

Eine rasche Entlastung zeichnet sich nicht ab. TrendForce prognostiziert für das Jahr 2027 einen weiteren Preisanstieg bei HBM um 121 Prozent. Laut IDC machten Prozessoren, Arbeitsspeicher und SSD-Speicher im dritten Quartal 2026 rund 68 Prozent der reinen Teilekosten eines Notebooks für 900 US-dollar aus. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet IDC ein Plus von 17 Prozent beim durchschnittlichen PC-Preis bei einem Rückgang der Auslieferungen um 11,3 Prozent.

Smartphone-Preise sollen laut IDC 2026 um 27,6 Prozent auf durchschnittlich 581 US-Dollar klettern, angetrieben von einer Verdreifachung der DRAM- und NAND-Kosten im Jahresvergleich. Gartner meldete für das dritte Quartal 2026 bereits einen Rückgang der globalen PC-Auslieferungen um 22,4 Prozent auf 55,4 Millionen Einheiten.

Halbleiter- und Chiphersteller bereiten sich auf anhaltende Turbulenzen vor. AMD-Chefin Lisa Su geht in ihren Planungen für 2027 von einem zweistelligen prozentualen Rückgang im PC-Markt aus; AMD hob die Preise für GDDR6-Speicher an Board-Partner im dritten Quartal um 8 bis 10 Prozent an und plante weitere Schritte für November.

Intel rechnet nach einem Minus von 12 Prozent im Jahr 2026 für 2027 mit weiteren 10 Prozent Rückgang bei den PC-Lieferungen und erwartet eine spürbare Entspannung der Speicherkrise frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027. Während Micron ein Übersteigen der Nachfrage über das Angebot für 2027 und 2028 prognostiziert, stellt sich SK hynix sogar auf eine anhaltende Knappheit bis mindestens 2030 ein.