Der Markt für DDR5-Arbeitsspeicher steht unter zusätzlichem Druck: Nach Berichten übersteigt die Zahl automatisierter Kauf-Bots auf den Seiten eines Einzelhändlers die menschlicher Käufer inzwischen im Verhältnis 10:1. Die Bots scannen die Bestände automatisiert alle 6,5 Sekunden, um verfügbare Ware sofort aufzukaufen, bevor reguläre Kunden überhaupt reagieren können.
Im März lag das Verhältnis von Bots zu menschlichen Käufern noch bei 6:1 – der sprunghafte Anstieg zeigt, wie stark sich das Problem seither verschärft hat.
Bot-Traffic macht Großteil der Zugriffe aus
Der DataDome-Forscher Jérôme Segura berichtet, dass schlechte Bots inzwischen 91 Prozent des gesamten Traffics auf den betroffenen Handelsseiten ausmachen. Die Folge sind drastische Preissprünge für Endkunden: 32-GB-Kits, die zuvor für 72 US-Dollar erhältlich waren, kosten mittlerweile 392 US-Dollar. Die automatisierten Kaufprogramme verschärfen damit eine Situation, die ohnehin bereits von realer Angebotsverknappung geprägt ist.
Preisdaten von TrendForce untermauern die Entwicklung
Die Zahlen des Marktforschers TrendForce bestätigen den Trend auf breiter Front. Deutschlands DDR5-Preisindex erreichte im August 2026 einen Wert von 486 Prozent des Basiswerts vom Juli 2025, nach 445 Prozent im Vormonat. In China verteuerten sich DDR5-24-Gb-Module binnen einer Woche um 14,29 Prozent auf 48 US-Dollar, 16-Gb-Module stiegen auf 40 US-Dollar.
In den USA legten 64-GB-DDR5-5600-Kits im Jahresvergleich um rund 485 Prozent zu; 128-GB-DDR5-6400-Kits werden inzwischen für 3.399 US-Dollar gelistet, verglichen mit einem historischen Tief von 329 US-Dollar. Laut TrendForce stiegen die Spotpreise für DDR5-5600/6400-24-GB-Module im August zudem um 8 Prozent im Monatsvergleich.
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Hersteller warnen vor anhaltender Knappheit
Der Speicherhersteller Apacer geht laut seinem CEO von schweren Engpässen bis Mitte 2027 aus. Die Modulzuteilungen könnten demnach 2027 um mehr als 70 Prozent im Jahresvergleich zurückgehen.
Auch bei Micron beschreibt CEO Sanjay Mehrotra eine grundlegend veränderte Speicherökonomie durch die Nachfrage aus dem KI-Bereich: Rechenzentrumskunden wollten demnach rund 50 Prozent mehr Angebot, als das Unternehmen zusagen könne.
Micron hat nach eigenen Angaben bis Ende Juni fünfjährige Lieferverträge mit 16 Kunden unterzeichnet, verbunden mit Anzahlungen von 22 Milliarden US-Dollar; die Vereinbarungen decken rund 20 Prozent des DRAM-Volumens des Unternehmens ab.
Zur Kapazitätserweiterung investiert Micron 50 Milliarden US-Dollar in zwei neue Fabriken in Boise, die zusammen 17.000 regionale Arbeitsplätze schaffen sollen, davon 3.500 direkt bei Micron.
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Auch bei SK Hynix zeichnet sich die angespannte Marktlage ab: Der Unternehmenspräsident bezeichnete 2027 als möglicherweise schlechtestes Jahr in der Geschichte der Branche.
Gleichzeitig kündigte SK Hynix eine Beschleunigung seines Aktienrückkauf- und -kündigungsprogramms über 40 Billionen Won (28,7 Milliarden US-Dollar) an, was die Aktie in Seoul um über 12 Prozent nach oben trieb, sowie eine Ausweitung der Aktionärsrenditen auf über 50 Prozent des kumulierten freien Cashflows der Jahre 2025 bis 2027.
Auswirkungen reichen über DDR5 hinaus
Die Anspannung beschränkt sich laut Analysten von Morgan Stanley nicht auf DDR5: Für DDR4 werden im dritten Quartal 2026 Preissteigerungen von 50 Prozent und im vierten Quartal von weiteren 10 Prozent erwartet.
Bei SLC-NAND rechnet Morgan Stanley in jedem der verbleibenden Quartale 2026 mit Preisanstiegen von jeweils 50 Prozent. Der durchschnittliche feste Transaktionspreis für DDR4-8Gb-1Gx8-Module erreichte zudem ein Allzeithoch, gegenüber einem Wort von 2,9 US-Dollar im Juni 2016.
Die angespannte Marktlage spiegelt sich auch an den Finanzmärkten wider: Der Roundhill Memory ETF, der auf DRAM-Titel setzt, verzeichnete seit seinem Start im April 2026 Nettozuflüsse von rund 27 Milliarden US-Dollar und erreichte ein Vermögen von etwa 28 Milliarden US-Dollar. Die Rendite seit Auflegung liegt über 160 Prozent, mit Spitzenwerten von über 198 Prozent im Jahresverlauf.

