Decart sichert sich 300 Millionen für KI-Infrastruktur der nächsten Generation

Das Startup Decart sammelt 300 Mio. Euro ein und erreicht eine Bewertung von vier Milliarden Euro. Kern ist die hardware-agnostische Optimierungssoftware DOS.

Angeführt von Radical Ventures, bringt die Runde das junge Unternehmen auf eine Bewertung von rund vier Milliarden Euro. Der Fokus: Effizienz statt reine Rechenpower.

Die Investition markiert einen Wendepunkt in der Tech-Branche. Weg vom Training immer größerer Sprachmodelle, hin zur effizienten Ausführung von KI-Anwendungen. Decarts Kernprodukt, der Decart Optimization Stack (DOS), verspricht genau das: KI-Modelle laufen nahtlos auf unterschiedlichster Hardware – von Nvidia über Amazon bis Google.

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„Hardware-Agnostiker“ als Erfolgsrezept

Bisher waren Entwickler meist an einen Chip-Hersteller gebunden. Die Folge: hohe Kosten und Abhängigkeiten. Decarts Software-Engine harmonisiert diese Welten. Sie unterstützt Nvidia-GPUs ebenso wie Google-TPUs oder Amazons Trainium-Chips.

Mit der Finanzierungsankündigung veröffentlichte das Unternehmen DOS 2.0. Die Leistungsdaten sind beeindruckend: 1.600 Tokens pro Sekunde für agentische Inferenz – der Branchenschnitt liegt bei rund 200. Auch bei Video-Inferenz in Full-HD liefert die Software bis zu 100 Bilder pro Sekunde. Eine Grundvoraussetzung für Echtzeit-Interaktionen, wie Decart sie anstrebt.

Nafea Bshara von Amazons Annapurna Labs bestätigte: Decarts Lucy2-Modell erreicht auf Trainium-Hardware eine Modell-Auslastung von über 80 Prozent. Das bedeutet: Die Software holt das Maximum aus der vorhandenen Rechenleistung heraus – weniger Energieverschwendung, niedrigere Kosten.

Prominente Unterstützer aus Tech und Medien

Die Zusammensetzung der Investorenrunde zeigt, wohin die Reise geht. Nvidia selbst beteiligt sich – ein strategischer Schachzug. Der Chip-Gigant investiert zunehmend in Software-Firmen, die seine Hardware effizienter machen, und koppelt dies oft mit langfristigen GPU-Kapazitätszusagen.

Neben Radical Ventures und Nvidia investieren auch Adobe Ventures, Toyota Ventures, eBay Ventures und Atreides Management. Die Altinvestoren Sequoia Capital, Benchmark und Zeev Ventures bleiben an Bord.

Besonders spannend: die prominenten Einzelinvestoren. Ex-Disney-CEO Michael Eisner, OpenAI-Mitbegründer Andrej Karpathy und Mitglieder der Yamauchi-Familie – den Gründern von Nintendo – sind mit dabei. Ihr Interesse an Gaming und Medien passt perfekt zu Decarts Strategy. Das Unternehmen lizenziert seine Technologie an Cloud-Anbieter und KI-Labore, die niedrige Latenzzeiten für Video- und interaktive Anwendungen brauchen.

Weltmodelle für virtuelle und physische Umgebungen

Decarts Forschungsabteilung konzentriert sich auf sogenannte „World Models“ – KI-Systeme, die digitale und physische Umgebungen in Echtzeit simulieren und vorhersagen können. Die Flaggschiff-Modelle Lucy und Oasis laufen komplett auf dem DOS-Framework.

Lucy dient als Weltmodell für immersive Erlebnisse: Live-Streaming-Videobearbeitung, virtuelle Anproben im Einzelhandel. Mit Antwortzeiten unter 30 Millisekunden ermöglicht das Modell Live-Interaktionen, die früher stundenlanges Offline-Rendering erforderten. Eine verbesserte Version 2.5 soll in Kürze erscheinen.

Oasis, das im Herbst 2024 erstmals als Echtzeit-KI-Open-World-Simulation für Aufsehen sorgte, wird nun für industrielle Anwendungen vermarktet. CEO Dr. Dean Leitersdorf erklärt: „Während Sprachmodelle im Bereich Text operieren, sind Weltmodelle darauf ausgelegt, die physikalischen Gesetze und Verhaltensweisen der realen Welt zu verstehen.“ Das Unternehmen trainiert diese Modelle mit riesigen Video- und Physikdatensätzen. Ziel: eine Grundlage für Robotik-Simulationen, in denen KI-Agenten in digitalen Zwillingen navigieren lernen.

Vom Nischen-Startup zum Milliarden-Unternehmen

Die aktuelle Bewertung von vier Milliarden Euro ist ein gewaltiger Sprung. Im August 2025 lag sie bei 3,1 Milliarden Euro nach einer 100-Millionen-Euro-Serie-B-Runde. Dabei begann alles Ende 2024 mit einer 21-Millionen-Euro-Seed-Runde, gefolgt von einer 32-Millionen-Euro-Serie-A.

Gegründet wurde Decart 2023 von den Brüdern Dean und Orian Leitersdorf sowie Moshe Shalev. Dean Leitersdorf, Forscher am Technion, war der jüngste Doktorand der Hochschule – bis sein Bruder Orian mit 21 Jahren seinen eigenen Doktortitel machte.

Eine strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services unterstreicht die Ambitionen. Decart gehört zu den ersten Firmen, die großflächig Echtzeit-KI-Modelle auf der AWS-Trainium3-Architektur einsetzen. Kunden können den Optimierungs-Stack direkt über die Cloud nutzen.

Blick in die Zukunft: Dezentrale KI

Die Branche bewegt sich auf „agentische KI“ zu – Modelle, die in Echtzeit Entscheidungen treffen und mit Umgebungen interagieren. Die Nachfrage nach berechenbaren Latenzzeiten und nachhaltigen Token-Ökonomien wird steigen. Decarts Expansion ins Edge-Computing, etwa durch eine Zusammenarbeit mit Comcast, deutet auf eine Zukunft hin, in der KI-Verarbeitung so dezentral ist wie die Anwendungen selbst.

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Das Unternehmen erwirtschaftet bereits Umsätze durch Optimierungsverträge mit Cloud-Anbietern und KI-Laboren. Mit den frischen 300 Millionen Euro soll der Personalbestand von rund 112 Mitarbeitern aufgestockt werden. Die Entwicklung von Oasis 3 und DOS 2.0 steht ganz oben auf der Agenda.

Decarts Fähigkeit, hardware-agnostisch zu bleiben und gleichzeitig den weltweit führenden Chip-Hersteller Nvidia als Investor zu gewinnen, verleiht dem Startup eine einzigartige Position im Wettbewerb um die KI-Infrastruktur der Zukunft.